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Pionier der Erzähltheorie wird geehrt

Ehrendoktorwürde Pionier der Erzähltheorie wird geehrt

Der Fachbereich Fremdsprachliche Philologien ehrte den 91-jährigen ­Literatur-, und Kulturwissenschaftler aus Österreich in einem Festakt.

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Dekan Professor Christoph Werner (links) und Prodekanin Professorin Carmen Birkle ehrten in der Alten Aula der Universität Professor Franz Karl Stanzel, den neuen Ehrendoktor des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien. Foto: Universität

Marburg. Er gilt als Begründer der modernen Erzähltheorie: der Anglist Professor Franz Karl Stanzel (91). Mit den von ihm entwickelten Begriffen „Ich-Erzähler“, „Auktorialer Erzähler“ und „Personaler Erzähler“ haben Generationen im Deutsch-Unterricht wie im Literatur-Studium gearbeitet - bis heute. Dabei feiert die sogenannte „Typologie der Erzählsituationen“ in diesen Tagen bereits ihren 60. Geburtstag.

Der emeritierte Professor der Universität Graz entwarf das Modell 1955 im Zuge seiner Habilitation. Für sein enges Verhältnis zur Philipps-Universität Marburg und seine herausragenden Leistungen als Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaftler verlieh der Fachbereich 10 (Fremdsprachliche Philologien) der Uni Marburg Stanzel jetzt die Ehrendoktorwürde.

„Seine bahnbrechende und bis heute weltweit diskutierte Erzähltheorie bezeugt Franz Karl Stanzels Ausnahmestatus in der Literaturwissenschaft, sowohl der germanistischen wie auch der anglistischen und amerikanistischen“: Das hob Professor Christoph Werner, Dekan des Fachbereichs 10, in seiner Begrüßung hervor.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass ein deutschsprachiges Werk auch im anglo-amerikanischen Raum Beachtung findet“, würdigte Professorin Carmen Birkle, Amerikanistin und Prodekanin des Fachbereichs 10, Stanzels wissenschaftliche Verdienste. In ihrer Laudatio betonte sie zudem: „Franz Karl Stanzel ist sowohl für die Literatur- und Kulturwissenschaften als auch die Migrations- und Immigrationsforschung bedeutend. Und das nicht nur national, sondern auch international.“ Bis heute sei Stanzels Werk auch im Fachbereich 10 der Philipps-Universität präsent - und werde es auch weiterhin bleiben, schloss Birkle ihre Laudatio.

Mit Marburg verbindet Stanzel eine besonders enge Forscher-Geschichte. Dazu gehört seine erste Veröffentlichung, die ihm der Marburger Anglist Horst Oppel in den 1950er Jahren in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Moderne Sprachen“ ermöglichte.

Mit Oppel pflegte Stanzel über viele Jahre einen regen Austausch. Regelmäßig stellte er im Rahmen von Gastvorträgen seine Forschungsergebnisse in Marburg zur Diskussion - und das über die Fachgrenzen hinaus.

Seine akademischen Stationen führten den gebürtigen Österreicher vom Studium, der Promotion und Habilitation im Fach Englische Philologie in Graz zunächst 1957 nach Göttingen. Hier übernahm er eine Anglistik-Dozentur.

Es folgte 1959 der Ruf nach Erlangen auf die Professur für Englische Philologie. 1962 schließlich führte sein Weg zurück an die Grazer Universität auf den Lehrstuhl für Englische Philologie.

Neben seinem grundlegenden Werk „Die typischen Erzählsituationen im Roman“ veröffentliche er zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Texten und Problemen der Germanistik, Anglistik, Amerikanistik und Kanadistik.

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