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Pikachu-Fans fangen Mini-Monster

Pokémon Go Pikachu-Fans fangen Mini-Monster

Duell der Monster: „Pokémon Go“ ist der Videospiel-Hype des Jahres. Bei dem Spiel starren die Spieler aber nicht nur auf das Smartphone, es gilt, Aufgaben in der echten Welt zu lösen. Der Trend erfasst nun auch Marburg.

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„Pokémon Go“-Fans: Jounes Erojo und Florian Gems – als Pikachu verkleidet.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Jawoll - ein Relaxo. Den habe ich noch nicht“, freut sich Patrick Velte. Das bärenartige blaue Monster ist das bis dahin stärkste „Pokémon“ in der Sammlung des 29-jährigen Handy-Spielers. Wenig später lässt er Relaxo in einer virtuellen Arena mitten in einem Marburger Altenheim gegen andere Comic-Figuren antreten - und besiegt diese. Damit hält das gelbe Team von Velte nun erst einmal die entsprechende Festung. Velte ist ein erfahrener Spieler, hat schon die Vorgängerversion namens „Ingress“ gespielt, das nur wenigen bekannt ist. Das neue Spiel „Pokémon Go“ hingegen hat einen Hype in ganz Deutschland ausgelöst.

„Ich bin selbst in dem Zeitalter des Game-Boy aufgewachsen, kam aus dem Spielen nie raus, habe ‚Pokémon‘ nebenbei immer gespielt“, sagt Jounes Erojo, Geschäftsführer der Musik-kneipe Krokodil. Der 38-Jährige organisiert am Freitag, 22. Juli eine „Pokémon Go Fanparty“ in Weidenhausen. „Der Hpye ist voll da. Man sieht viele spielen und spricht Leute auf der Straße darauf an. Das Spiel eignet sich super, um neue Kontakte zu finden. Und natürlich will ich auch neue Kunden gewinnen“, sagt er. Momentan haben sich 75 Spieler zu der Party angemeldet, 250 weitere haben auf Facebook ihr Interesse bekundet.

Kommunikation unter Menschen

In der Spielereihe, die es seit 1996 gibt, fangen und trainieren Spieler kleine kulleräugige Manga-Monster (es gibt 700 verschiedene Arten, davon bis jetzt 151 im Spiel), um sie einfach nur zu sammeln oder später gegeneinander kämpfen zu lassen. „Pokémon“ ist eine Milliardenmarke: Hinter den Super-Mario-Titeln ist es die zweiterfolgreichste Spielereihe der Welt. Die quietschbunte Fassade, die Ältere oft nervt, verstellt aber den Blick darauf, dass „Pokémon“ seit Jahren von Millionen Kindern und Jugendlicher gespielt wird - weil es ebenso leicht zu erlernen wie hoch komplex ist.

Doch nicht die heutige Generation von Jugendlichen ist, die den Run auf Pokémon Go maßgeblich prägt. Vor allem diejenigen, deren Jugend in die Zeit Ende der 1990er (Erscheinen des ersten Pokémon-Spiels in Deutschland) fällt, sind auch heute am stärksten von dem Virus befallen. „Ich war damals 13 oder 14, als es zum ersten Mal aufkam. Da sind natürlich noch viele Erinnerungen an die Kindheit mit verbunden“, sagt Björn Drott. In seinem Umfeld hat viele in den vergangenen Tagen das Pokémon-Fieber gepackt. Der 28-Jährige arbeitet in einer Jugendeinrichtung am Richtsberg, „wo wir mit den Jugendlichen auch schon Pokémon-Aktionen gemacht haben“. So nostalgisch angehaucht wie bei den End-Zwanzigern sei das Spielerlebnis bei ihnen aber natürlich nicht.

Dennoch handele es sich bei dem Spiel im Allgemeinen um etwas, das nicht nur zur Verbindung zwischen den Generationen, sondern auch zur Kommunikation unter Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen führe, glauben Velte und Drott. „Man sitzt gemeinsam an einem Pokéstop und kommt darüber ins Gespräch. Es ist ein Eisbrecher, um Leute kennenzulernen“, sagt Velte. Im Internet gebe es sogar entsprechende Verabredungen zu „Lockmodulpartys“. Setzt ein Spieler ein Lockmodul an einem Pokéstop ein, erhöht sich dort das Aufkommen an neu zu fangenden Monstern. „Das Spiel hat auf jeden Fall eine soziale Komponente“, sagt Drott.

Einen weiteren positiven Effekt hat er auch noch ausgemacht: „Wenn man in dem Spiel voran kommen will, ist man gezwungen sich zu bewegen. Mir ist es selbst schon oft passiert, dass ich deswegen einen kleinen Umweg genommen habe, und plötzlich bin sechs Kilometer gelaufen“. Im Ludwig-Schüler-Park seien ihm nachts schon ganze Gruppen von Pokémon Go-Spielern begegnet.

Gefährlich wird es, wenn Menschen versuchen Pokémon Go während des Autofahrens zu spielen. Velte: „Das kann einen schnell vom Verkehr ablenken. Ich lasse es deshalb höchstens mal nebenbei laufen - spiele beim fahren aber nicht.“

  • Pokémon-Go-Party in der Musikkneipe „Krokodil“ in Weidenhausen: Morgen, 18 Uhr.

von Björn Wiskerund Peter Gassner

Hintergrund

Wie in allen „Pokémon“-Spielen sammelt der Spieler kleine Monster, trainiert sie und lässt sie in virtuellen Arenen gegeneinander antreten. Das Besondere an der Go-Variante: Das Spiel findet in der echten Welt statt, die Spieler suchen auf der Straßenkarte des Spiels nach den Pokémon, laufen zu den Fundorten und müssen die virtuellen Monster dann dort „einfangen“. Als Basis dienen GPS-Koordinaten.

Um erfolgreich zu sein, müssen Spieler bisweilen ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen tätigen. Man muss zu verschiedenen „Poké­stops“ gehen, um im Spiel Nachschub zu erhalten. Auch die Pokémon selbst verstecken sich in der Umgebung des Spielers. Und: In Pokéstops sind manchmal Eier zu finden. Um die auszubrüten, muss der Spieler mehrere Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Es gibt drei Teams, denen man ab Level fünf beitreten kann. Dann können Spieler Arenen aufsuchen und ihre Pokémon virtuelle Kämpfe gegen die Figuren anderer Spieler austragen lassen. Das Team, das die meisten Kämpfe gewinnt, erhält die Kontrolle über die jeweilige Arena. Man kann aber auch gemeinsam auf Pokémon-Suche gehen. Ein Monster kann von zwei oder mehreren Spielern eingesammelt werden. Künftig soll das Spiel um eine Funktion zum Tauschen der Pokémon ergänzt werden.

„Pokémon Go“ lenkt die Aufmerksamkeit des Spielers ganz auf den Handy-Bildschirm. Oft werden die Pokémon auch ungünstig platziert und tauchen dann mitten in einem See, einem Gebäude oder auf Straßen auf. Meistens lassen sich die Monster aber auch aus sicherer Entfernung einfangen.

Das Spiel nutzt GPS-Daten des Standorts. Wer sich über ein Google-Konto im Spiel anmeldet, erteilt den Herstellern auch die Genehmigung, Benutzernamen und E-Mail-Adresse zu speichern.

Es ist ein sogenanntes „Free-to-Play“-Spiel. Man kann es kostenlos herunterladen und spielen. Einige nützliche Gegenstände wie etwa Brutstationen zur Aufzucht der Monster oder Köder, die die Pokémon an den eigenen Standort locken, kosten extra. Gezahlt wird mit Spielgeld (Pokémünzen), das im Shop des Spiels für Echtgeld gekauft wird.

Es gibt eine Version für iPhones und eine für Android

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