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Physik-Gebäude steht seit 100 Jahren

Physik Am Renthof Physik-Gebäude steht seit 100 Jahren

Der 100. Geburtstag des Physik-Gebäudes am Renthof 5 wird am Donnerstag mit einem Festkolloquium gefeiert.

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Das Gebäude am Renthof 5 wurde vor 100 Jahren fertiggestellt.Foto: Andreas Sebald

Marburg. Am 28. Mai veranstaltet der Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Standorts am Renthof 5 in der Marburger Oberstadt ein Festkolloquium. Zur Zeit der Erbauung galt das Gebäude als „eines der schönsten und besteingerichteten modernen physikalischen Institute“. Das hat sich mittlerweile zwar geändert, aber der runde Geburtstag soll trotzdem mit einem Festakt begangen werden.

Heute forschen im Renthof 5 die Arbeitsgruppen Oberflächenphysik, Optik und Didaktik der Physik. In dem Gebäude befinden sich außerdem ein Elektronik-Labor, die Feinmechanische Werkstatt und der Große und Kleine Hörsaal. Weitere Forschergruppen und Einrichtungen der Physik befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, im Renthof 6 und 7, in Nebengebäuden sowie auf den Lahnbergen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts konnte das Physikalische Institut ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Obgleich 1904, nach Auszug des Geologischen Instituts aus dem Erdgeschoss, erstmals das gesamte Institutsgebäude Renthof 6 dem Physikalischen Institut zur Verfügung stand, waren die Räumlichkeiten bald schon nicht mehr ausreichend. Der Hörsaal bot nur 180 Studenten Platz; die Zahl der Hörer lag jedoch bereits bei über 200. Darüber hinaus fehlten adäquate erschütterungsfreie Arbeitsräume. Die Räume in den oberen Stockwerken waren den gestiegenen Anforderungen einer verfeinerten Messtechnik nicht mehr gewachsen. Daher drängte der damalige Institutsleiter, Franz Richarz darauf ein neues Institutsgebäude zu bauen. Die Wahl des Standorts fiel wegen des festen Felsengrundes in diesem Bereich, der die notwendige Erschütterungsfreiheit gewährleistete, auf ein Grundstück auf der dem Dörnberger Hof (Renthof 6) gegenüberliegenden Straßenseite.

Festakt im Physik-Hörsaal

In der Folge erwies es sich allerdings als schwierig, die Pläne für den Neubau in die Tat umzusetzen. Wiederholt wendete sich Richarz mit eindringlichen Schilderungen der Missstände im alten Institutsgebäude an das Ministerium. Neben dem Platzmangel aufgrund der steigenden Zahl an Studenten und Mitarbeitern wies Richarz auf den baulichen Zerfall des Dörnberger Hofs und die gesundheitsschädigende Feuchtigkeit der Arbeitsräume hin. In einem Brief an das zuständige Ministerium vom 28. Januar 1909 machte Richarz seinem Ärger und seiner Frustration angesichts der Situation Luft. Schließlich wurde sogar ein Hygieniker beauftragt, ein hygienisches Gutachten zum Dörnberger Hof zu erstellen. Dieser stellte ein durch die Feuchtigkeit verursachtes gesundheitsschädigendes Keimvorkommen im Institutsgebäude fest. Allmählich kam Bewegung in die Sache. In den Jahren 1912-1914 wurde das Gebäude Renthof 5 erbaut, das um Ostern 1915 eingeweiht und bezogen wurde. In der Festschrift „Die Philipps-Universität zu Marburg 1527 - 1927“ schrieb Professor Schulze: „Wenn auch gegenüber dem ursprünglichen Neubauprojekt die Ausführung in etwas engeren Grenzen gehalten ist, so stellt doch der jetzige Neubau zweifellos eines der schönsten und besteingerichteten modernen physikalischen Institute dar.“

n Zum Jubiläum des Physik-Gebäudes gibt es am Donnerstag, 28. Mai, ab 17.15 Uhr einen Festakt im Großen Hörsaal des Gebäudes am Renthof 5. Unter dem Titel „Platzmangel, Kälte und Feuchtigkeit“ berichtet Universitäts-Archivarin Dr. Katharina Schaal über den Weg zu dem Neubau vor mehr als 100 Jahren. „Das neue Gebäude der Physik und seine Vergleichsbauten“: Das ist das Thema des Vortrags von Ulrich Klein vom Freien Institut für Bauforschung und Dokumentation (Marburg). Alle Standorte des Fachbereichs Physik stellt Physik-Professor Bruno Eckhardt in seinem Vortrag vor. Wann der Umzug des Fachbereichs Physik auf die Lahnberge erfolgen soll, darüber referiert die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause unter dem Motto „Ein kurzer Blick in die Kristallkugel“. Den Festvortrag unter dem Titel „Umbruch und Aufbruch: Wissenschaftskulturen in Deutschland um 1900“ hält Professor Christoph Meinel vom Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Uni Regensburg.

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