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Philosoph analysiert Sprache und Musik

Professor Alexander Becker Philosoph analysiert Sprache und Musik

Neuigkeiten aus dem Institut für Philosophie der Universität: Eine der zwei vakanten Professuren ist wieder besetzt.

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Alexander Becker ist neuer Professor für Theoretische Philosophie in Marburg.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Ein ganzes Jahr lang war Winfried Schröder als einziger Professor Einzelkämpfer am Institut für Philosophie. Denn vor dem Sommersemester 2015 hatten seine beiden Kollegen Professorin Andrea Esser und Christoph Demmerling die Marburger Universität verlassen und waren beide einem Ruf an die Universität Jena gefolgt.

Zwar waren ihre Aufgaben in der Lehre zwischenzeitlich von kurzfristig verpflichteten Dozenten übernommen worden. Aber Schröder hatte trotzdem einen Großteil der Last zu tragen, um die Alltagsarbeit am Philosophie-Institut weiter fortzuführen.

Umso mehr freut sich Schröder, dass jetzt pünktlich zum Start des Sommersemesters 2016 zumindest eine der beiden Professuren wieder besetzt ist. Neuer Professor für Theoretische Philosophie an der Uni Marburg ist Alexander Becker: Der 49-Jährige hat bereits seine ersten Lehrveranstaltungen abgehalten und freut sich jetzt, an der Universität Marburg angekommen zu sein, wie er im Gespräch mit der OP sagte.

Kooperation mit anderen Fachbereichen

„Für mich ist Marburg eine der Traum-Universitäten“, sagt Becker. Denn nach Stationen an den Universitäten in Frankfurt, Gießen und zuletzt in Düsseldorf sei ihm klar geworden, dass er einen kleineren und überschaubaren Uni-Standort bevorzuge. Ein Philosophie-Institut an einer traditionsreichen Voll-Universität: Das kann sich Becker sehr gut als seinen neuen Arbeitsplatz für die kommenden Jahre vorstellen. Besonders gespannt ist er auf die Marburger Debattenkultur, in die er sich künftig auch nicht nur an der Universität einbringen möchte.

Im Austausch mit den Vertretern anderer Fächer erhofft sich der neue Philosophie-Professor beispielsweise eine Kooperation mit den Musikwissenschaftlern oder den Orientwissenschaftlern. Denn sowohl die Themen „Ästhetik der Musik“ als auch das Thema „Ethik im 
Islam“ würde er in Marburg künftig gerne wissenschaftlich bearbeiten.

Schon früh stand bei Alexander Becker übrigens seine Berufswahl oder zumindest seine Begeisterung für die Philosophie fest. Bereits als 17-jähriger Schüler entdeckte er seine Begeisterung für Theodor W. Adornos Werk. Zudem wurde bei ihm durch einen Griechisch-Lehrer im Gymnasium seine Neugier auf die Philosophen zusätzlich genährt und er erhielt eine erste Einführung in wissenschaftliche Denkweisen.

Begeisterung über „unglaubliche Offenheit“

Weil er sich aber zusätzlich sehr für klassische Musik interessierte, begann er bei der Aufnahme seines Studiums zunächst, die Musikwissenschaft als Hauptfach und die Philosophie als Nebenfach zu wählen. Erst im Laufe der Zeit entdeckte er dann, dass die Philosophie ihm wohl noch mehr Antworten auf wichtige Fragen geben könnte.

„Die unglaubliche Offenheit“ reizt ihn immer noch an der Philosophie. „Es gibt nichts, was den Denkhorizont verstellen darf“, fordert Becker. Dass die akademische Philosophie aufgrund der immer komplizierter gewordenen Sprache mitunter nur noch für Spezialisten verständlich ist, bedauert Becker zwar. Jedoch gibt er auch zu bedenken: „Manche Dinge sind komplex und kompliziert. Es wäre fahrlässig, wenn man diese Komplexität verbergen oder nicht ernstnehmen würde“.

Als Vertreter des Fachs Theoretische Philosophie freut sich Becker besonders darüber, welch hohen Stellenwert die Forschungen zur Aufklärung und zu den Werken des Philosophen Immanuel Kant an der Marburger Universität genießen. Auch an der Organisation der dem Ideal der Aufklärung verbundenen alljährlichen Christian-Wolff-Vorlesung des Instituts für Philosophie will sich Becker in den kommenden Jahren gerne beteiligen.

Neues Mitglied der Berufungskommission

Besonders spezialisiert hat sich Becker auf die Sprachphilosophie. Dazu plant er auch weitere Forschungsvorhaben in Marburg. Dabei will er auf die Suche nach den Grundstrukturen der Sprache gehen. Die aktuelle Beliebtheit des Uni-Fachs bei den Studierenden und ein damit einhergehendes regelrechtes „Bedürfnis nach Philosophie“ möchte Becker gerne nutzen.

Auch in die Besetzung der dritten Professur am Institut wird Professor Becker mit eingebunden sein. Denn er ist neues Mitglied der Berufungskommission, wie die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause der OP auf Anfrage 
sagte.

Die dritte Professoren-Stelle konnte bisher noch nicht besetzt werden. Krause hofft aber, dass dies bis spätestens zum Sommersemester 2017, vielleicht aber auch schon zum kommenden Wintersemester 
Anfang Oktober nachgeholt werden kann.

von Manfred Hitzeroth

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