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Philipp als Wegbereiter der Reformation

Luther und Europa Philipp als Wegbereiter der Reformation

Die europäischen Dimensionen der Reformation sowie das Wirken des in Marburg residierenden Landesfürsten Philipp des Großmütigen stehen im Mittelpunkt des Begleitbuches zur Ausstellung „Luther und Europa“.

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Das Bild des Marburger Reformationsgesprächs (großes Bild) und ein Porträt des hessischen Landgrafs Philipp des Großmütigen stammen aus dem Buch „Luther und Europa“.

Marburg. Mit den 95 Thesen Martin Luthers begann im Jahr 1517 der Siegeszug der Reformation in Europa. Aus diesem Anlass wird im kommenden Jahr nicht nur in Deutschland von der evangelischen Kirche das Reformationsjubiläum begangen.
Bereits jetzt ist als Begleitbuch zu einer Wanderausstellung ein reich illustriertes Buch entstanden, das vor allem zur Einführung in das Thema konzipiert wurde und sich (nicht nur) an Schülergruppen richtet.

Vor allem zahlreiche Akten und Unterlagen aus dem Hessischen Staatsarchiv in Marburg dienten den Autoren des Buches als Quellen. Diese Unterlagen gehören „zu dem bedeutendsten Quellenfundus der europäischen Reformationsgeschichte“, erläutert der hessische Kultusminister Professor Alexander Lorz im Vorwort des Buches.

„Es ist gut daran zu erinnern, dass Hessen als ein Kernland der Reformation bei diesen für die europäische Geschichte einschneidenden Entwicklungen eine führende Rolle gespielt hat“, meint Lorz. „ Das ‚Marburger Religionsgespräch‘ ist weltweit ein Begriff und steht für den ernsthaften Versuch des hessischen Landgrafs Philipp von Hessen, die Konflikte der verschiedenen protestantischen Richtungen durch eine gemeinsame Debatte zu lösen.“ Auch wenn dieser Versuch am Ende erfolglos geblieben sei, so nötige uns Philipps „durchaus politisch motivierte Intervention“ auch heute noch ­
großen Respekt ab.

Philipp "europäischer Mittler im Reformationszeitalter"

Neben Wittenberg als einem Hauptort des Wirkens Luthers seien in Europa auch andere Reformationszentren wie Zürich oder Genf von Bedeutung, machen die Buch-Macher Jutta Carrasco und Reinhard Neebe deutlich. Ohne diese unterschiedlichen Zentren sei die Ausbreitung des neuen Glaubens nicht denkbar gewesen. Vor dem Hintergrund der „gespaltenen Reformation“ rücke ein weiteres Kernland der Reformation, die Landgrafschaft Hessen, in den Fokus. „Der fürstliche Reformator Landgraf Philipp von Hessen führt nicht nur als einer der ersten den neuen evangelischen Glauben in seinem Land ein, sondern agiert – weit über das Religionsgespräch von 1529 hinaus – als europäischer Mittler im Reformationszeitalter“, schreiben Carrasco und Neebe. „Wie kein anderer sucht Philipp die Spaltung der europäischen Reformationsbewegung zu überwinden und die dogmatischen Gegensätze zwischen Lutheranern und Reformierten auszugleichen“, heißt es weiter in dem Buch.

Philipp begegnete Luther zum ersten Mal auf dem Reichstag in Worms im Jahr 1521. Drei Jahre später bekannte sich der Landesfürst zu Luthers Lehre, und im Jahr 1526 führte der Landgraf die Reformation in Hessen ein – auch wenn die auf der Homberger Synode eingeführte hessische Reformation nicht in allen Punkten auf die Zustimmung Luthers traf, wie ein Brief Martin Luthers an Landgraf Philipp belegt. Ein Repro dieses Briefs ist wie zahlreiche andere Originaldokumente in den Buch abgedruckt. Das gilt auch für eine Chiffriertafel für die Korrespondenz zwischen Landgraf Philipp und dem Reformator Huldrych Zwingli. Diese Tafel sollte dazu dienen, die Namen von Personen und andere wichtige Begriffe zu verschlüsseln, um wichtige politische und militärische Bündnispläne zu sichern.

Von Luthers Thesenanschlag über die Begegnung des Reformators mit Kaiser Karl V. in Worms sowie die Beziehungen Martin Luthers zu wichtigen anderen Figuren des 16. Jahrhunderts wie Thomas Müntzer oder Erasmus von Rotterdam wird in dem Buch „Luther und Europa“ ein weiter Bogen geschlagen. Weitere wichtige Daten der Reformationsgeschichte werden bis hin zum Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555 skizziert und analysiert. Ein kleines Literaturverzeichnis ergänzt das Buch, das nicht nur mit einer Vielzahl von Bildern und Dokumenten, sondern auch mit Info-Grafiken zur Verdeutlichung der Geschehnisse illustriert ist.

  • Jutta Carrasco, Reinhard Neebe: Luther und Europa. Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen. Schriften des Hessischen Staatsarchivs 30. Marburg 2015. 128 Seiten; 12 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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