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Pflege mit Fingerspitzengefühl

Häusliche Kinderkrankenpflege Pflege mit Fingerspitzengefühl

Studien belegen es: Die Zahl chronisch erkrankter Kinder nimmt seit Jahren stetig zu. Ihnen Hilfestellungen im Alltag zu geben und sie medizinisch zu versorgen, ist ein kleiner Teil der Aufgaben der Häuslichen Kinderkrankenpflege.

Marburg. Die Osterferien haben gerade angefangen und Marie Engelmann nimmt gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester an den Ferienspielen in der Marburger Waldschule teil. Ihre Eltern arbeiten in dieser Zeit. Die Betreuung geht bis 16 Uhr, mittags wird gemeinsam gegessen. Dass die Neunjährige genauso wie Gleichaltrige einfach daran teilnehmen kann, ist nicht selbstverständlich, denn sie hat Diabetes Typ 1.

Vor jedem Essen muss sie sich mit einer Nadel in den Finger piksen, um festzustellen, wie hoch ihr Blutzuckerwert ist. Dann muss ausgerechnet werden, wie viele Broteinheiten sie zu sich nehmen darf. Das Essen muss genau abgewogen werde, damit dann die entsprechende Menge Insulin gespritzt werden kann. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für eine Neunjährige, alleine kaum zu bewerkstelligen. Damit es trotzdem alles so klappt, kommt Bärbel Kaisinger vorbei, um Marie bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Kaisinger ist Kinderkrankenschwester und arbeitet seit vier Jahren bei der Häuslichen Kinderkrankrankenpflege. In ihrem Team koordiniert sie die Sicherstellung der Versorgung von Kindern mit chronischen Krankheiten wie Diabetes. Jeden Tag gehen sie oder eine ihrer Kolleginnen zu Marie und anderen Kindern in Schulen, Kindergärten oder eben in der Ferienbetreuung, um zu messen und zu spritzen.

Die Häusliche Kinderkrankenpflege ist in Marburg und im Landkreis die einzige Einrichtung, die sich auf die häusliche Versorgung kranker Kinder spezialisiert hat. Der Verein unterstützt auch Eltern bei der pflegerischen Nachsorge ihrer Kinder nach einem Klinikaufenthalt, führt Pflegeberatungsgespräche und betreut und pflegt schwerkranke und sterbende Kinder, teilweise rund um die Uhr.

Ganzheitlicher Ansatzsteht im Vordergrund

In diesem Jahr kommen mit der Beratung von Eltern mit Säuglingen, die Regulationsstörungen - zum Beispiel mit unstillbarem Schreien oder motorischer Unruhe - haben und der sozialmedizinischen Nachsorge zwei weitere Arbeitsgebiete hinzu. Bei ihren Pflegen verfolgt die Häusliche Kinderkrankenpflege den Ansatz, die häusliche Versorgung Kranker sicherzustellen, sich an der aktuellen, krankheitsbedingten Lebenssituation des jeweiligen Kindes zu orientieren und dies mit aller Zeit, die dafür nötig ist, zu tun. Einem ganzheitlichen Ansatz folgend, soll sowohl die medizinische Versorgung im gewohnten Umfeld des Kindes garantiert, wie auch dessen seelisches Wohlbefinden und sein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gefördert werden.

Hinzu kommt der besondere Austausch mit den Eltern, die anders als bei erwachsenen Kranken einbezogen werden müssen. Kinderkrankenpflege erfordere viel Fingerspitzengefühl sagt Kaisinger. „Hier beim Verein kann ich individuell pflegen und dabei das häusliche Umfeld gut einbeziehen.“

Der einjährige Lian Valentin ist ein weiteres Kind, das von der Häuslichen Kinderkrankenpflege unterstützt wird. Seit er bei seiner Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hat, ist er bewegungs- und hörgeschädigt und muss durch eine Magensonde ernährt werden.

An jedem Wochentag wird er von einer Mitarbeiterin des Vereins für acht Stunden besucht, um Mutter Esther Valentin in der Pflege zu unterstützen und sie zu entlasten. Auf Lians Wochenplan stehen neben der Körperpflege, der Sondenernährung sowie der kontinuierlichen Krankenbeobachtung und -beurteilung unter anderem Inhalationen, Bewegungsübungen und Maßnahmen zur Wahrnehmungsförderung.

„Ohne die Häusliche Kinderkrankenpflege wäre alles schwieriger und stressiger“, sagt Esther Valentin, „und Lian wäre bestimmt nicht so gut gefördert worden.“

von Kristina Gerstenmaier

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