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Pfarrer ist neuer Erster Kreisbeigeordneter

Kreistag wählt Marian Zachow Pfarrer ist neuer Erster Kreisbeigeordneter

Mit 55 von 79 gültigen Stimmen wählte der Kreistag Marburg-Biedenkopf gestern Abend den Pfarrer Marian Zachow (CDU) zum Nachfolger des zuvor abgewählten Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne).

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Landrätin Kirsten Fründt gratuliert ihrem neuen Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mit acht Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung schlug der Vorsitzende des Wahlvorbereitungs-Ausschusses, Werner Waßmuth (CDU), dem Kreistag die Wahl des Bewerbers Marian Zachow aus Caldern vor. Der 35-Jährige Pfarrer, im vergangenen Jahr unterlegener Landratskandidat der CDU, solle der Nachfolger des soeben abgewählten Dr. Karsten McGovern (Grüne) als Erster Kreisbeigeordneter werden.

Einen zweiten Bewerber um das politische Amt, den 29-jährigen Sascha Dürfeldt (ebenfalls CDU) aus Kirchhain, lehnte der Ausschuss ab. „Er verfügt nicht über die ausreichenden Erfahrungen zur Bekleidung des Amtes und Leitung der Dezernatsaufgaben“, erklärte Waßmuth zur Begründung.

Mit 55 von 79 gültigen Stimmen wählte der Kreistag gestern Abend den Pfarrer Marian Zachow (CDU) zum Nachfolger des zuvor abgewählten Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne).  Zuvor wählte der Kreistag McGovern (Grüne) ab. SPD, CDU und FDP kamen auf zusammen 57 Stimmen, womit die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit gegeben war. (Fotos: Nadine Weigel)

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Marian Zachow stellte sich dem Kreistag vor. Während Schulzeit und Studium habe er begonnen, sich politisch zu betätigen – und dabei die Freude am Mitgestalten entdeckt. Von 2006 bis 2009 war er Mitglied im Kreistag. 2011 wurde er als Pfarrer ordiniert und war seither in der Kirchengemeinde Caldern tätig. „Eine gute Voraussetzung für ein politisches Amt“, sagte Zachow und erklärte, in beiden Berufen müsse man die „Menschen mitnehmen, um die Zukunft zu gestalten“.

McGoverns Rat „wird teuer“

Zuhören, auf die Menschen eingehen, Konflikte durchstehen – das seien Fähigkeiten, die er aus dem Beruf als Pfarrer kenne und als Erster Kreisbeigeordneter gut gebrauchen könne. „Auch, mich minütlich auf neue Anforderungen einstellen, habe ich gelernt.“ Pflichtgemäß wolle er auch die eigenen Schwächen einräumen: „Ich bin kein klassischer Verwaltungsmann – ich muss mich einarbeiten. Dafür macht mich die Fähigkeit, Zuzuhören, und meine Kritikfähigkeit stark.“ Er vertraue darauf, dass sein Amtsvorgänger ihm in einigen Fragen noch mit Rat und Tat zur Seite stehen werde. „Das wird aber teuer“, ruft Dr. Karsten McGovern dazwischen.

Zachow nannte das zentrale Ziele seiner künftigen Arbeit: „Eine starke Region bilden.“ Er kündigte unter anderem ein leistungsstarkes Standortmarketing an. Seine Maxime sei: „Wo Marburg-Biedenkopf ist, geht es den Menschen besser.“

„Wir sehen darin einen Wahlbetrug an der Bevölkerung“

Angelika Aschenbrenner führte für die FDP aus, warum ihre Fraktion die Wahl Zachows nicht unterstützen könne: „Die Wähler haben im September mit ihrem Votum deutlich gemacht, dass sie ihn nicht wollen. Wir sehen darin einen Wahlbetrug an der Bevölkerung.“ Aschenbrenner verglich die Ausschreibungstexte für die Stelle des Ersten Kreisbeigeordneten in der aktuellen Fassung und in der Version, bevor McGovern die Stelle erhielt.

Der Ausschreibungstext sei der Hauptgrund, warum die FDP die Wahl Zachows nicht unterstützen könne. „Mit welcher Methode wollen Sie das Profil überprüfen? Weil er zehn Monte freigestellt die Klinken geputzt hat und doch nicht gewählt wurde? Weil ein Pfarrer in der Lage ist, das Amt eines hauptamtlichen Kreisbeigeordneten wahrzunehmen? Was treibt einen Pfarrer in die Politik? Soll das ehemals grüne jetzt in ein schwarzes Versorgungswerk ausgebaut werden? Wir hoffen, dass SPD und CDU bei der nächsten Kommunalwahl die Rechnung für die Wahl von Herrn Zachow bekommen.“

Waßmuth (CDU) warb für die Wahl Zachows: „Sein Wirken im Kreistag ist vielen bekannt. Er hat gezeigt, dass er sich schnell und kompetent in neue Themen einarbeiten kann und neue Ideen und Zukunftsthemen anpackt.“ Zachow habe das Thema Gesundheitsregion angestoßen und den Weg bereitet für „eine der größten Erfolgsgeschichten des Landkreises“. Er habe „schon immer einen Riecher für Zukunftsthemen“ gehabt. Auch als Pfarrer habe er viel Neues auf den Weg gebracht – das zeuge von seinem Elan und der Fähigkeit, Ideen auch umzusetzen. „Er kennt viele Menschen über Parteigrenzen hinweg – das ist eine gute Grundlage.“

„Was wir brauchen, ist Potenzial“

Anna Hofmann, Fraktionsvorsitzende von Die Linke sagte zur Wahl Zachows: „Eines hat er sicher gelernt – wie man mit vielen Worten nicht sehr viel sagen kann.“ Die Linke werde ihn nicht wählen – obwohl er im Wahlkampf für die Abschaffung des Regierungspräsidiums und für Inklusion an Schulen im Wahlkampf argumentiert habe, was die Linke begrüße. „Schade ist auch, dass der zweite Bewerber Sascha Dürfeldt hier nicht vorgestellt wird“, kritisierte sie.

Jörg Behlen, FDP, erklärte: „Wenn Zachow der Beste sein soll, was ist dann bitte Herr Pöppler? Ich dachte, es sei ein Aprilscherz, dass Zachow nominiert wurde und nicht Pöppler. Was sollen die Menschen in der Verwaltung denken? Ich habe mich selten so für die Mitgliedschaft in diesem Gremium geschämt.“ Behlen wies damit auf den Fachbereichsleiter Familie, Jugend und Soziales beim Landkreis hin, auf Uwe Pöppler aus Kirchhain, der sich ebenfalls für die CDU als Erster Kreisbeigeordneter bewerben wollte – die CDU-Kreistagsfraktion nominierte jedoch mit großer Mehrheit Zachow als Kandidaten.

Die Wahl sei ein Missbrauch der großen Koalition, die Ausschreibung für die Stelle sei „ein solcher Witz, dass ich hier schon im Faschingskostüm auflaufen wollte“, wetterte Behlen.
Werner Hesse, Fraktionsvorsitzender der SPD, verteidigte die Ausschreibung. Sie sei bewusst so offen gewesen, um nicht zu sehr einzuschränken. „Was wir brauchen, ist Potenzial. Fragen Sie sich, ob Marian Zachow Potenzial für die Aufgabe hat. Ich persönlich glaube, er hat es. In seiner Struktur und Herangehensweise hat er alles, was man braucht, um eine Verwaltung kennenzulernen und steuern zu können.“

von Carina Becker

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Ab jetzt trägt Marian Zachow er statt Fliege immer eine Krawatte, denn Politik ist nun sein Job: der neue Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

Vom Pfarrhaus ins Kreishaus, von der Kanzel ans Rednerpult - es ist schon fast ein fliegender Wechsel für Marian Zachow, der am Mittwoch noch Pfarrer war und am Donnerstag schon politischer Beamter ist.

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