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Pfand-Sammelstellen sollen Armen helfen

Neues Sammelsystem Pfand-Sammelstellen sollen Armen helfen

In Zukunft sollen an vielen Mülleimern in der Stadt Pfand-Sammelanlagen installiert werden. Das soll armen Marburgern helfen, leichter an das Leergut zu kommen, um in ­Supermärkten dafür Kleingeld zu bekommen.

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An Mülleimer montierte Pfandringe, fest verschraubte Leergutkästen – immer mehr Städte installieren Hilfsmittel, um armen Bewohnern das Pfandsammeln zu erleichtern.

Quelle: Archiv

Marburg. „Das erspart den Betroffenen das unwürdige Durchsuchen der Mülleimer. Viel Pfand wird weiterhin weggeworfen, das ist sowohl ein soziales als auch ein Umweltproblem, da durch das Weggwerfen auch wiederverwertbare Rohstoffe verloren gehen“, sagt Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg). Ihre Idee: Dort, wo es möglich ist, sollen sogenannte Pfandringe an die Müllbehälter montiert werden. In Bamberg, Stuttgart, Bielefeld, Köln und Magdeburg gibt es den Ring bereits. Zu prüfen, ob sich diese oder andere Systeme – etwa ganze Leergut-Kästen – auch in der Universitätsstadt anbauen lassen, haben die Mitglieder des Umweltausschusses am Dienstagabend beschlossen.

Der SPD-Politiker Thorsten Büchner wirbt für „Systeme mit größerer Kapazität, Leergut-Kästen etwa“. Er erinnert an die private Initiative des mittlerweile geschlossenen Skatershops „Green Hill“ in der Gutenbergstraße. Dort stellten Fußgänger ihre leeren Dosen und Flaschen in einen an das Geländer geschraubten Kasten (die OP berichtete).

Sorge vor Mitnahme-Effekt

„Aufpassen muss man, dass der Geruch etwaig halbvoll abgestellter Flaschen nicht Tiere anzieht. Waschbären machen sich dann über das Zeug her, auch Vögel halten sich dann an den Mülleimern vermehrt auf“, sagt Dr. Petra Baumann (Grüne). Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sieht zudem technische Probleme. „Die Leerung der Müllbehälter darf nicht erschwert werden.“ Sollte sich eine für Marburg kompatible Variante finden, strebt Kahle eine Testphase an. „Dann schauen wir, ob das angenommen wird oder mehr zu Verschmutzungen führt“, sagt er.

CDU-Mann Joachim Brunnet begrüßt die Idee, schränkt aber ein: „Solche Pfandsysteme können leider dafür sorgen, dass nicht die Leute, die das Leergut dringen benötigen, auch bekommen. In anderen Städten ist die Erfahrung, dass plötzlich die Anzugträger das offen Präsentierte und damit das Geld mitnehmen.“ Die Flaschensammler seien sich „für das Wühlen nicht zu schade“. Entwürdigend sei das nur in den Augen „der feinen Leute“.

von Björn Wisker

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