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Patenmodell als „Win-win-Situation“

„Runder Tisch für Integration“ Patenmodell als „Win-win-Situation“

Als sich vor Jahren der „Runde Tisch für Integration“ in Marburg mit Vertretern aus Politik, Glaubensgemeinschaften und Ausländerbeirat konstituierte, lag der Fokus weitgehend auf dem Thema eines Moschee-Neubaus.

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Die Bewohner des Flüchtlingscamps sollen künftig auf die Hilfe von Paten zurückgreifen können.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mittlerweile blicken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Runden Tisches nicht mehr so sehr in Richtung St. Jost, sondern eher nach Cappel und Gisselberg – bei der Zusammenkunft in der vergangenen Woche ging es um den Sachstand und die Perspektiven der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung in der Universitätsstadt.

„Wir stehen vor einer neuen Integrationsherausforderung“, sagte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), als er über das neuerliche Treffen des Runden Tisches berichtete: „Dieses Gremium wirkt aufklärend und versachlichend und hilft, die Tradition der Offenheit in Marburg fortzusetzen.“

Beratungsangebote werden ausgeweitet

Spies sagte, dass die Arbeit im „Portal Gisselberg“ sehr gut angelaufen sei. Dort gibt es seit Anfang des Jahres zahlreiche Angebote für die Männer, Frauen und Kinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel: Neben Deutschunterricht und Alphabetisierungskursen sowie einer rege genutzten Kinderbetreuung wurden dort ein IT-Treffpunkt, eine Teeküche und eine Spiele-Ecke eingerichtet. Darüber hinaus bieten Haupt- und Ehrenamtliche Alltagstraining sowie Asylberatung an.

Die Beratungsangebote im Portal werden, so der OB, ständig ausgeweitet: Gynäkologinnen und Hebammen bieten Sprechstunden an, eine Konfliktberatung für Familien kommt ebenso hinzu wie ein psychosoziales Beratungsangebot. Außerdem findet sich in einem Nebengebäude des Portals die Kleiderkammer, die nicht nur Flüchtlingen, sondern auch allen Stadtpassinhabern offen steht.

Mit Blick auf die zurzeit 670 zugewiesenen Marburger Flüchtlinge sagte Spies: „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir den Umgang mit den Menschen gestalten wollen, die mit uns zusammenleben, aber noch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, weil sie sich noch im Asylverfahren befinden.“

Willkommensmappe soll Ankommen erleichtern

Je früher, desto besser, so lautet dort das erklärte Motto – in der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt Ehrenamtliche als Paten fungieren, die neu zugewiesene Flüchtlinge betreuen und mit ihnen gemeinsam die ersten Wege zu Behörden oder Banken gehen, die ihnen beim Einkaufen helfen oder bei der Orientierung in der Stadt, die zumindest für eine gewisse Zeit ihre Heimat sein wird.

Dieses Patenmodell bezeichnete Spies als „echte Win-Win-Situation“ und verwies in diesem Zusammenhang auf eine neu gestaltete, in allen relevanten Sprachen gehaltene Willkommensmappe, die den Neubürgern das Ankommen in Marburg erleichtern soll.

In Arbeitsgruppen will sich der „Runde Tisch für Integration“ weiterhin treffen, um an einzelnen Projekten für die Flüchtlingsbetreuung konkret weiterzuarbeiten, sagte Spies abschließend.

von Carsten Beckmann

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