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Schul-Projekt

Paten erleichtern Integration

„Ich hätte nicht erwartet, dass wirklich alle Familien zusammenkommen“, sagt Miriam Gerhardt.
Auf dem Schulhof stellten sich alle Familien zum Gruppenfoto auf.

Auf dem Schulhof stellten sich alle Familien zum Gruppenfoto auf.

© privat

Marburg. Sie arbeitet ehrenamtlich für „Freundschafter“, das Patenschaftsprojekt mit Kindern der Deutschintensivklasse, das die Otto-Ubbelohde-Schule in Kooperation mit dem Marburger Verein „Passion1“ ins Leben gerufen hat.

Zusammen mit Veronika Göttlicher, die seit März die Intensivklasse unterrichtet, überlegten die beiden Freundinnen, wie sie den Kindern dieser Klasse helfen könnten, sich so optimal wie möglich in Deutschland einzuleben und so schnell wie möglich die neue Sprache und Kultur kennenzulernen, sprich sich heimisch zu fühlen.

Die Idee eines Patenschaftsprojektes war geboren: Die Kinder der Intensivklasse, vorwiegend Geflüchtete aus Syrien und Afghanistan, aber auch ein Kind aus Japan, gehen für den Zeitraum von einem Jahr an einem Tag der Woche mit einem ihnen bekannten und gleichaltrigen Schüler der Regelklasse nach Hause und erleben, so normal wie möglich, den Alltag in Deutschland in einer deutschen Familie. Nach dem gemeinsamen Mittagessen und Hausaufgabenmachen bleibt den Kindern genügend Zeit zum freien Spiel in der häuslichen Umgebung und wenn gewünscht, nehmen die Kinder an Nachmittagsangeboten der Otto-Ubbelohde-Schule teil.

„Integration kann nur gelingen, wenn wir Deutsche unsere Türen aufmachen und die Menschen einladen, zu uns zu kommen“, ist Göttlicher überzeugt. „Alles, was wir dazu brauchen, ist Zeit, Aufmerksamkeit und Respekt.“

Zudem lernen die Kinder während des gemeinsamen Spiels oft schneller und unbefangener Deutsch.

Bei Kennenlernnachmittag erste Kontakte geknüpft

Die größte Koordinationsaufgabe wartete im Vorfeld auf die beiden Initiatorinnen, denn zunächst mussten alle Beteiligten ins Boot geholt werden.

Nachdem die Wünsche der Pateneltern nach bestimmten Wochentagen und Uhrzeiten mit den Patenkindern und deren Eltern miteinander ausgelotet worden waren, wurden alle Familien mit ihren Kindern zu einem Kennenlernnachmittag in die Schule eingeladen. Bei einem fröhlichen Zusammensein mit Kaffee und Gebäck wurden erste Kontakte geknüpft. „Oft mit Händen und Füßen, aber wir hatten auch Übersetzer dabei, die allen Eltern bei Bedarf zur Seite standen“, berichtet Gerhardt.

Am Ende gingen die geflüchteten Familien mit nach Hause zu den Pateneltern, um zu sehen, wo ihr Kind künftig einen Nachmittag in der Woche verbringen wird. „Wir wünschen uns, dass sowohl die Patenfamilie als auch die Patenkinder mit ihren Eltern Unsicherheiten und Vorurteile gegenüber dem Fremden abbauen können, indem sie positive Erfahrungen miteinander machen und dass die Kinder bereichernde Freundschaften aufbauen können“, sagt Göttlicher zur Frage nach dem Ziel des Patenschaftsprojektes, dessen Laufzeit auf ein Schuljahr angelegt ist.

Regelmäßige Rückmeldungen über den Verlauf der Patenschaften wird sich Gerhardt bei den beteiligten Familien einholen.

Sie ist im Vorstand von „Passion1“, der die Umsetzung des Projekts betreut sowie Verwaltungsaufgaben und Versicherungen übernimmt.


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