Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Pate will „Kinder zu Königen machen“

Weltarmutstag Pate will „Kinder zu Königen machen“

Anpacken statt Apelle: Hunderte Marburger helfen armen Kindern und Familien in Elendsregionen. Die Initiative Compassion vermittelt vom Südviertel aus Patenschaften - etwa die von Ernst und Gertraud Engelbert.

Voriger Artikel
Einbrecher erbeuten Parfüms im Wert von rund 60 000 Euro
Nächster Artikel
„Dort kann man sich richtig wohlfühlen“

Ernst Engelbert aus Ockershausen zeigt Fotos seiner Patenkinder Elali aus Burkina Faso und Daniel aus Bolivien.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Von dem Eckhaus in Ockershausen könnten Burkina Faso und Bolivien weiter kaum weg sein. Hier ein Theaterprogramm an der Tür, eine Tierschnitzerei im Schrank, Hochzeitsfotos auf Leinwänden - dort vor allem Sand, Staub und Sorgen.

Dr. Ernst Engelbert, ehemaliger Lehrer am Philippinum, öffnet eine Mappe und zückt zwei Fotos. Eines zeigt die zehnjährige Elali, sichtbar schüchtern, etwas steif. Auf dem anderen posiert der 14-jährige Daniel, streckt die Daumen in die Höhe. Womöglich ahnt der Junge aus einem Bergdorf, dass er als eines von zwei Patenkindern der Familie Engelbert Glück gehabt hat. Dass er eine Chance erhält, die Millionen Altersgenossen nie bekommen werden.

„Auf unseren Reisen in der Welt haben wir sehr viel Not gesehen. Die schwächsten Glieder in der Armutskette sind Kinder, und da wir selbst welche haben, im ganzen Berufsleben mit Kindern arbeiteten, waren Patenschaften für uns irgendwie selbstverständlich“, sagt er. Auch angesichts des eigenen Wohlstands in Deutschland, fühle die Familie eine „Mit-Verantwortung für die, denen es anderswo sehr schlecht geht“.

Mit je etwa 400 Euro im Jahr unterstützen der 68-Jährige und seine sechs Jahre jüngere Frau die beiden Kinder aus Afrika und Südamerika. Schulbesuch, Kleidung, Essen, Arztbesuche und andere Sachleistungen: Helfer christlicher Kirchengemeinden in den Regionen achten darauf, dass das Geld den Kindern, nicht direkt den Familien zugutekommt.

Ortswechsel. In seinem Büro im Südviertel blickt Steve Volke auf zwei Gläser. „Seit dem ersten Tag lege ich für jede Patenschaft aus Deutschland ein Senfkorn in ein Glas“, sagt der Direktor der Initiative. Zwei sind voll, in einem dritten liegen bereits Dutzende Körner. Jedes einzelne symbolisiert eine geschlossene Patenschaft. 400 sind es alleine aus Marburg und Umgebung. Sie haben, wie Volke sagt, „Lebenswege ermöglicht“.

Einer dieser Wege ist der von Margret Makhoha. Die 35-Jährige besuchte früher als Patenkind ein Compassion-Kinderzentrum und ist heute - nach einem Pädagogikstudium in ihrem Heimatland - Parlamentsabgeordnete in Uganda. Seit Jahren kämpft sie für notleidende Frauen, weil sich deren Geschichten mit ihrer eigenen deckt. Sie kümmert sich, neben der politischen Arbeit, um 20 Waisenkinder, damit diese zur Schule gehen können.

Nicht alle geförderten Jungen und Mädchen gelingt eine derartige Vorzeige-Karriere. „Der durch Geld ermöglichte Schulbesuch und die von den christlichen Helfern vor Ort vermittelten Werte, geben eine Richtung für das Leben. Sobald sie Bildung und Ausbildung bekommen, macht das die Kinder in ihren Ländern zu Königen“, sagt Engelbert.

Über Compassion haben auch er und seine Frau zu Daniel und Elali gefunden. Rund fünf Jahre nach Beginn der Patenschaft haben sie sich einander noch nie persönlich gesehen. „Wir könnten sie besuchen. Aber beide leben in sehr abgelegenen Regionen, so ohne Weiteres kommt man dort nicht hin. Und letztlich bringt es ihnen mehr, wenn wir das Geld nicht für die teure Reise, sondern direkt für sie ausgeben.“ So bleibt es bei Fotos und regelmäßigen Briefwechseln, vorwiegend auf Englisch oder Spanisch. „Es ist schön zu sehen, wie sie groß werden.“ So, wie Compassion-Chef Volke hofft, dass die Zahl der Senfkörner in seinen Gläsern immer größer wird.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr