Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Partyplaner statt Sargverkäufer

Beerdigungen Partyplaner statt Sargverkäufer

Der Tod ist für Bestatter kein großes Geheimnis. Sie haben täglich mit dem Sterben zu tun und spüren den Wandel bei den Beisetzungswünschen.

Voriger Artikel
Zweidrittel der Marburger lassen sich verbrennen
Nächster Artikel
Trauerrednerin mit Gespür für die Geschichte des Lebens

Bestatter Guido Vaupel (49) bietet viele Urnen-Modelle an. Ins Wohnzimmer stellen darf sie jedoch niemand.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Seit 100 Jahren existiert der Bestatter-Familienbetrieb. 100 Jahre in denen schon Großvater und Vater von Guido Vaupel (49) unzählige Tote gesehen und bestattet haben. Er selbst sah mit acht Jahren die erste Leiche. Der Tod ist früh Routine geworden für den Familienvater. Er begegnet ihm nüchtern. „Wir Bestatter sind heute Eventmanager. Veranstaltungsplaner, Abteilung Sterben“, sagt er. Musik, Redner, Karten, Versicherungen: Er kümmere sich bei Bedarf um alles. „Sargverkäufer, das war einmal“, sagt er.

Seit einiger Zeit beobachtet er den Trend zur Individualisierung der Bestattungen. „Der Verstorbene möchte bei der Aufbahrung seinen Lieblings-pullover tragen, es wird während der Beisetzung Rockmusik gespielt: Das Abschiednehmen hat sich über die Jahre völlig verändert“, sagt er. In Marburg sei die Veränderung noch stärker spürbar als in den Dörfern und Gemeinden rund herum.

Dass immer mehr Kunden eine Urne, die Feuerbestattung für ihre toten Verwandten wählen, bemerkt er aber nicht nur in der Kernstadt. „Beerdigt in Marburg, ein Kind in Hamburg, das andere in München. Dann geht eben am Sonntag niemand mehr den Grabstein putzen“, sagt er. Und die Kosten als Grund? Vaupel schüttelt den Kopf, blickt auf seine Preisliste. „Billig kann jeder. Aber das ist nicht immer seriös. Dann kommen versteckte Kosten hinzu.“

Sein Job ist einer in Dauerbereitschaft. Gestorben wird nicht nach Bürozeiten. Anruf um 2 Uhr? Normal. Besonders der Tod von Kindern setzt Vaupel zu. Auch heute noch, nach Jahrzehnten im Job. „Man muss sich schon ein dickes Fell zulegen. Und wenn ich bei meiner Familie bin, kann ich den Beruf völlig ausblenden“, sagt er.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Trauerrednerin mit Gespür für die Geschichte des Lebens

Trauerrednerin Julia Schumacher spricht darüber, wie fremd der Tod den Menschen geworden ist.

mehr
Zweidrittel der Marburger lassen sich verbrennen

Die Zahl der Marburger, die ihren Leichnam verbrennen lassen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: Zweidrittel der Marburger lässt sich nach dem Tod verbrennen. Wissenschaftler erklären den Trend, der in Städten stärker ist als in Dörfern.

mehr
Mehr zum Artikel
Beruf
Julia Schumacher arbeitet als Trauerrednerin. Privatfoto

Trauerrednerin Julia Schumacher spricht darüber, wie fremd der Tod den Menschen geworden ist.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr