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Parteiverbot machte dieSozialdemokratie nur noch stärker

150 Jahre SPD Parteiverbot machte dieSozialdemokratie nur noch stärker

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - so steht es bereits auf der Gründerfahne von 1863. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus gedachte den Anfängen der Sozialdemokratie.

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Lokalhistoriker Reinhold Drusel hielt den Festvortrag über 150 Jahre Sozialdemokratie.Foto: Ina Tannert

Marburg. „Was kann man Schöneres an einem Ostersamstag machen, als an diesem wichtigen Tag unserer Partei zu gedenken“, begrüßte Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer die rund 50 Versammelten. Der offiziell angenommene Gründungstag der Sozialdemokraten wird zwar auf den 23. Mai datiert, aber die SPD ist eben schnell unterwegs und feiert schon mal im Voraus, schmunzelte er. Auch Michael Richter-Plettenberg, Landratskandidat der SPD, gratulierte und betonte, wie wichtig das Jahr 2013 für die Partei und für ihn selber sei.

Reinhold Drusel, seit 50 Jahren Mitglied der Marburger SPD und Lokalhistoriker aus Überzeugung, gab anlässlich des Jubiläums einen umfassenden und lebendigen Überblick über die vergangenen 150 Jahre Parteigeschichte.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Einigkeit macht stark, prangte während der Powerpoint-Präsentation auf der Wand des historischen Rathaussaals. Der Leitspruch der Gründerfahne vom Einigungsparteitag am 23. Mai 1863 habe auch 150 Jahre später noch Gewicht und sei ausschlaggebend für die Partei, sagte der Referent in seinem Festvortrag.

Die Traditionsfahne des Arbeiterführers Ferdinand Lassalle wurde über Jahrzehnte hinweg immer wieder versteckt, vergraben und geschmuggelt und kehrte schließlich wieder in die Hände der SPD zurück. Während des Vortrags wurde ein Foto von ihr gezeigt, die echte Fahne wird natürlich wohlbehütet an einem sicheren Ort aufbewahrt. „Lassalle war als Wortführer der frühen deutschen Arbeiterbewegung eine bemerkenswerte und überaus wichtige Person für die Sozialdemokratie“, betonte Drusel.

Das Gedankengut der amerikanischen Verfassung sowie der französischen und späteren deutschen Revolution brachte die sozialdemokratische Idee in Bewegung. Trotzdem sei es ein holpriger Weg bis zum Verfassungsstaat gewesen. Bedeutende Denker der Geschichte wie Wilhelm Weitling, Marx, Engels und Liebknecht gelten als Urväter der sozialdemokratischen Bewegung, so Drusel.

Doch habe der schwere Stand der Arbeiterklasse und deren anfänglich noch unorganisiertes Aufbegehren im Verlauf des 19. Jahrhundert Meilensteine für künftige Generationen geschaffen.

So habe Drusel selber etwa in jungen Jahren noch das Lied der Arbeiter von Georg Herwegh und die Textzeile „Mann der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht...“ des Öfteren gesungen, schmunzelte der Referent.

In der Stadt Marburg gab es im Jahr 1874 eine erste Erwähnung einer SPD-Organisation. Die Geschichte der Partei durchlief weitere Höhen und Tiefen. So brachte etwa das Sozialistengesetz von 1878 und das damit einhergehende Parteiverbot herbe Rückschläge mit sich. Dies habe die Sozialdemokraten, die sich daraufhin heimlich im Untergrund weiter organisierten, jedoch nicht wie geplant zerschlagen, sondern viel eher gestärkt. „Der Vormarsch der Sozialdemokratie war nicht mehr aufzuhalten“, betonte Drusel. Die neue Kraft war schließlich bei den Reichstagswahlen 1912 zu sehen, bei denen sich die SPD als stärkste Partei behaupten konnte. Im eher konservativ geprägten Marburg, Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte die Partei jedoch lange einen schweren Stand.

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte weitere schwere Einschnitte. Bereits im Jahr 1933 wurden in Marburg zehn Sozialdemokraten in „Schutzhaft“ genommen. Und doch hatte die SPD das Privileg, als letzte Partei Widerstand gegen das ­Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zu leisten, so Drusel.

Die Nachkriegszeit brachte ein „unstetes Auf und Ab für die Partei“, und doch erhielt sie neuen Aufschwung und steigende Wählerstimmen. Die Stadt Marburg war jedoch noch lange Zeit eher national-liberal geprägt. Mit Bundeskanzler Willy Brandt konnten die Sozialdemokraten einen weiteren Meilenstein setzen.

Heute sei die Marburger SPD mit Sören Bartol im Bundestag, Dr. Thomas Spies im hessischen Landtag und Oberbürgermeister Egon Vaupel im Rathaus gut aufgestellt, freute sich Drusel und verabschiedete die Parteikollegen fröhlich ins Osterwochenende.

von Ina Tannert

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