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„Parolen unter Stammtisch-Niveau“

Sexismus-Debatte „Parolen unter Stammtisch-Niveau“

CDU-Fraktionschef Philipp Stompfe hat eine emotionale Debatte losgetreten. Er ist FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle zur Seite gesprungen und hat die „Herrenwitz-Affäre“ als überzogen bewertet. Das sehen nicht alle so.

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Quelle: Montage: Alexander Pavlenko

Marburg. „Das soll die junge moderne CDU sein?“, fragt Anke Lindemann-Stark vom Stadtvorstand der Grünen in Marburg. Sie hält Stompfes Aussagen als „Parolen unter Stammtisch-Niveau“. Den Bericht einer seriösen Journalistin peinlich zu nennen, nur weil sie über das sexistische Verhalten eines prominenten Politikers schreibe, sei peinlich. Kerstin Weiß von den Grünen ergänzt: „Herr Stompfe ist peinlich. Von einem Fraktionsvorsitzenden in unserem Stadtparlament hätte ich mehr Sensibilität für die Situation von Frauen erwartet und von dem Juristen Stompfe Grundrechtskenntnisse.“

Ähnlich sieht das auch Steffen Rink, Fraktionsvorsitzender der SPD: „Was er (Stompfe, Anm. d. Red) gemacht hat, ist einfach peinlich und unnötig. Ich verstehe seine Absicht nicht.“ Der SPD-Mann betont, man müsse in der Debatte die Dinge auseinander halten: Zum einen die Sexismus-Diskussion, zum anderen die mediale Wirkung des ausgehenden „Stern“-Artikels. Darin hat Autorin Himmelreich über Anzüglichkeite Brüderles geschrieben und bundesweit hitzige Streitgespräche ausgelöst.

„Worum es geht, das darf nicht verharmlost werden“, sagt Rink. „Brüderle wurde übergriffig und das darf nicht toleriert werden.“ Stompfe hatte in einem Posting bei Facebook, das er auf OP-Nachfrage nachdrücklich vertrat, geschrieben, die Autorin sei einfach nur peinlich.

Auf die Anspielung Brüderles, Himmelreich könne ja problemlos ein Dirndl ausfüllen, schrieb Stompfe: Freuen Sie sich doch über das von Gott gegebene Geschenk!“. Weiter heißt es: „Sie verharmlosen wirklichen Sexismus und wahrhaftige sexuelle Belästigung!“.

Suntheim-Pichler: „Das geht unter die Gürtellinie“

Solche Aussagen gingen gar nicht, sagt Andrea Suntheim-Pichler von den Bürgern für Marburg (BfM). „Das geht unter die Gürtellinie.“ Die Stadtverordnete bewertet die aktuelle Debatte zwar als zu hoch angehoben und überzogen dargestellt. Von diesen Aussagen Stompfes will sich die Marburgerin aber klar distanzieren.

Der CDU-Fraktionschef verteidigte auch gestern seine Aussage. Trotz des Gegenwinds aus den anderen politischen Lagern. „An meiner Meinung hat sich nichts geändert. Es gibt weder etwas zu korrigieren noch etwas hinzuzufügen“, sagt der 28-Jährige. Vielmehr sei die Entwicklung ein Zeichen, Sexismus in der Öffentlichkeit zu diskutieren. „Der Fall Brüderle ist dazu ungeeignet, da er politisch motiviert ist und einzig dazu dient, einen Spitzenkandidaten einer Regierungspartei persönlich zu treffen.“ Vielmehr treffe der Artikel des Nachrichtenmagazins all diejenigen, die ernsthaft unter Sexismus leiden „und damit das Ganze verharmlost wird.“

Seinen persönlichen Gegnern stehe es natürlich frei, seine Aussagen zu bewerten. Anstatt auf einen unseriösen Zug aufzuspringen, solle die rot-grüne Fraktion die Motivation und Intention hinterfragen und das Problem Sexismus auf einer „sachlichen, entpolitisierten Ebene diskutieren“, sagt CDU-Fraktionschef Philipp Stompfe im OP-Interview.

von Carsten Bergmann

Feedback

  • Befürworter ...

„Herr Stompfe bringt die Sachlage auf den Punkt und zeigt die Lächerlichkeit der Kampagne auf. Wer hat denn da nachts um eins an der Hotelbar gestanden und „seriös“ den Kontakt gesucht: Herr Brüderle (vielleicht mit offenem Hemdkragen?) oder Frau Himmelreich im prallen Dirndl? Na also!“ Wolfgang Kraska (via Facebook)

"Philipp Stompfe hat recht: Ein flotter Spruch nach Feierabend, wie hier unterstellt, hat nichts mit sexueller Belästigung zu tun. Sexismus im eigentlichen Sinne ist etwas völlig anderes. Die Journalistin Frau Himmelreich hat offenbar ein eigenes Problem, mit sich als Frau und mit ihrer beruflichen Profession." Peter Brkitsch (via OP-Forum)

  • ... und Gegner 

„Herr Stompfe, drehen wir die Sache mal rum: Wenn eine ‚höhere Parteifreundin‘, etwa aus dem Landesvorstand, Ihnen halböffentlich nach einem abschätzenden Blick auf Ihre Hose mitteilte, Sie seien aber gut bestückt, oder - andernfalls - Sie verfügten wohl eher über ‚innere Werte‘ - wie würde Ihnen das gefallen? Würde nicht geschehen? Genau. Frauen reden so nicht. Evtl. Ihr Glück!" Nutzer „globeskimmer“ (via OP-Forum)

„Es sind Leute wie Stompfe gewesen, die mich damals davon überzeugt haben, aus der CDU auszutreten ohne jemals zurückblicken zu wollen." Grischa Beissner   (via Facebook)

Weitere Reaktionen bei Facebook und im OP-Forum.

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