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Parksünder fürchten Anschwärz-App

Parken in Marburg Parksünder fürchten Anschwärz-App

Ein Unternehmen rüstet ab März Fußgänger und Radfahrer mit einem neuen Handy-Programm aus. Mit der Smarthphone-App "Straßensheriffs" lassen sich Falschparker in Sekundenschnelle bei Behörden melden.

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Droht Marburger eine Strafzettel-Offensive? Fußgänger und Radfahrer können ab März Falschparker mit einer Smartphone-App beim Ordnungsamt melden.

Quelle: Fotomontage: Björn Wisker / Tobias Hirsch

Marburg. Der Zwist auf den Straßen geht in eine neue Runde: „Wir wollen Radfahren attraktiver machen“, sagt Heinrich Strößenreuther. Der 47-jährige Berliner ist der Initiator des Projekts „Straßensheriff“. Er wolle mit der App „der Rücksichtslosigkeit vieler Autofahrer etwas entgegen setzen“ und die Straßen und Radwege sicherer machen - vor allem für Kinder und ältere Verkehrsteilnehmer.

Seine App ermöglicht, Fotos von Verkehrssündern auf eine Internet-Seite zu laden und in eine Karte einzutragen. Optional ist es auch möglich, eine Foto-Nachricht an das Ordnungsamt zu senden. Doch rechtlich wird das nur als Hinweis und nicht als Anzeige umgesetzt.

"Das wilde Autiabstellen muss ein Ende haben"

Für die Initiatoren ist das allerdings nur Plan-B - nachdem das Testgebiet, der Bezirk Berlin-Pankow im letzten Moment absprang. Die leicht entschärfte App wird Strößenreuther nun bundesweit auf den Markt bringen, und mit den Mail-Adressen der Ordnungsämter und Verkehrsbehörden verknüpfen. Rund 100 Ämter aus größeren Städten sind schon erfasst - weitere, darunter Marburg werden folgen.

Jubel bei Fahrrad-Fans: „Ich wünsche mir so manches Mal, die vielen Flegel spontan und schnell anzeigen zu können. Das wilde Autoabstellen muss ein Ende haben“, sagt Hans Horst Althaus, Marburger Fahrradaktivist. In der Stadt seien Falschparker ein sehr großes Problem. „Sie engen Wege für Fußgänger, für Behinderte mit Rollstühlen, Blinde, Eltern mit Kinderwagen und natürlich Radfahrer ein“, sagt er. Diese müssten den abgestellten Autos ausweichen - „oft muss man deshalb über die Fahrbahn laufen“, sagt er. Schwerpunkte für Rüpel-Parker sind Althaus zufolge die Frankfurter Straße, die Georg Voigt Straße und die

Das Marburger Ordnungsamt entgegnet: „Es gibt keine besonderen Schwerpunkte, weder auf Straßen und Plätzen, noch auf Anwohnerflächen, Behindertenparkplätzen oder ähnlichen“, teilt die Behörde auf OP-Anfrage mit.

Anschwärzen statt austauschen

Die Stadt Marburg plant zwar vorerst keine Kooperation oder Nutzung des Straßensheriff-Dienstes. Jedoch: „Wird das Ordnungsamt per E-Mail oder telefonisch über Falschparker informiert, wird auch zeitnah kontrolliert“, sagt Edith Pfingst, Sprecherin der Stadt. Infos per Mail? Das ermöglicht die Straßensheriff-App.

Der vor wenigen Monaten im Internet gestartete Mängelmelder soll überdies nicht zum Anschwärzen von Falschparkern dienen, erläutert Pfingst. 39 567 Strafzettel wegen Falschparkens verteilten Marburgs Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr. 460 000 Euro flossen somit in den städtischen Haushalt.

Eine mangelnde Zahl von Stellflächen im Zentrum lässt Hans Horst Althaus nicht gelten: „Immer dicker werdende Autos, die nicht mehr in Parkhäuser - etwa am Pilgrimstein - passen, sind doch nicht das Problem der Öffentlichkeit, des Steuerzahlers. Das ist Privatsache, genau wie das Parken die private Verantwortung jedes einzelnen ist“, sagt er.

Unter Marburgern ruft die Anschwärz-App Protest hervor: „Leute sollten sich nicht in die Angelegenheiten von anderen Menschen einmischen“, sagt der 17-jährige Schüler Marius Kuczera. Kritik auch vom Allgemeinen Deutschen Automobil Club (ADAC): „Die Sinnhaftigkeit ist mehr als zweifelhaft, weil der angestrebte Austausch zwischen den Verkehrsteilnehmern kaum zustande kommen wird“, sagt Jürgen Grieving, Verbandssprecher.

von Björn Wisker

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