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Parkinson deutet sich im Schlaf an

Bundesgesundheitsminister besucht Uniklinikum Parkinson deutet sich im Schlaf an

Auf seiner Sommertour bekam Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit einem Tross von Journalisten zunächst Einblicke in Forschungen von Professor Wolfgang Oertel.

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Professor Wolfgang Hermann Oertel (rechts) referiert über seine Parkinsonforschung. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (vorne, Zweiter von links) hörte bei seiner Sommertour im Uni-Klinikum in Marburg aufmerksam zu.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Dass ein Minister bei einem Besuch in Marburg zu früh kommt, ist eher ungewöhnlich. Am Donnerstag jedoch kam der Sommertour-Bus mit Gesundheitsminister Gröhe und mitgereisten Medienvertretern geschlagene 20 Minuten früher als erwartet an der Bushaltestelle vor dem Uni-Klinikum an. Doch das Empfangskomitee, bestehend aus der Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause, Medizin-Dekan Professor Helmut Schäfer und mehreren Medizin-Forschern, war trotzdem bereits anwesend.

Hauptdarsteller von Teil eins des Besuchs war der Neurologe Professor Wolfgang Hermann Oertel: Der langjährige Chef der Neurologischen Uni-Klinik und derzeitige Seniorprofessor ist mit seinem Forscherteam auf den Spuren der Bekämpfung von neurodegenerativen Erkrankungen wie der ParkinsonKrankheit oder der Alzheimer-Erkrankung.

Wie wichtig das Thema ist, machte Oertel auch klar: Nach derzeitigen Schätzungen wird sich die Zahl der Parkinson-, Demenz- und Alzheimer-Patienten in den kommenden 30 Jahren verdoppeln, wenn es keine erfolgversprechenden neuenTherapiekonzepte gibt.

Auf seiner Sommertour bekam Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit einem Tross von Journalisten in Marburg unter anderem Einblicke in Forschungen von Professor Wolfgang Oertel.

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Oertel gab den Gästen mit einem informativen und kurzweiligen Vortrag Einblicke in ein ambitioniertes Marburger Forschungsvorhaben. Das Ziel ist es, möglichst frühzeitig Vorstufen der Krankheit zu erkennen –  und zwar in einem Stadium, in dem man so medikamentös eingreifen könnte, dass die Krankheit erst gar nicht entsteht.

Dabei greifen die Forscher auf Erkenntnisse aus der Schlafforschung über Patienten zurück, die während der durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichneten Traumphase im Tiefschlaf  – der so genannten Rapid-Eye-Movement-Phase (REM) – unkontrollierte Bewegungen ausführen, ohne dass sie es bemerken oder aufwachen.

Es sind meistens angstbetonte Träume, in denen sich die Patienten beispielsweise gegen Gegner wehren, wie nachträgliche Befragungen ergeben haben. Dabei können sie mit ihren echten Fußtritten oder Armbewegungen unter Umständen aber auch den neben ihnen im Bett schlafenden Partner verletzen.  Normalerweise ist man ansonsten im REM-Schlaf wie gelähmt und bewegt sich gar nicht.

Forscher haben herausgefunden, dass diese Patienten   zu 85 Prozent das Risiko haben, in einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren nach dem Auftreten der nächtlichen Bewegungsstörungen an Parkinson zu erkranken.

Messwerte für Ausmaß der Störung gesucht

Für Oertel hat sich so seit einigen Jahren ein reizvolles Forschungsfeld ergeben. Es geht darum, diese spezifische Vorstufe der späteren Krankheit besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine Behandlung zu finden, die nicht nur die Symptome kuriert. Beispielsweise will der Neurologe die Erkenntnis der wichtigen Verbindungen zwischen dem Magen-Darm-Trakt und dem Gehirn nutzen. Doch wie genau kann man einen Messwert finden, der das Ausmaß der Störung zeigt? Die Marburger Forscher kamen auf die Idee, die Schnelligkeit der Magenbewegungen beim Verdauen als Gradmesser zu nehmen. Klar ist jetzt schon. Bei Gesunden bewegt sich der Magen dabei deutlich schneller.

Ein anderer Ansatzpunkt sind die Unterschiede bei der Pupillenerweiterung, wobei die Neurologen dieses Mal von der Zusammenarbeit mit den Neurophysikern profitieren.

Genau für dieses über die eigenen Fachgrenzen hinausweisende wissenschaftliche Querdenken sei eine kleinere Universität besonders geeignet, machte Oertel deutlich. Vor kurzem hat sich übrigens eine Selbsthilfegruppe der Patienten gegründet, die aufgrund ihrer schweren nächtlichen Schlafstörungen  potenzielle zukünftige Parkinson-Patienten sind.

Eine von ihnen – eine 71-jährige Frau –  hatte Oertel auch mitgebracht. Sie hatte sich ursprünglich geschämt, wegen ihrer nächtlichen Unruhe zum Arzt zu gehen, und hatte sich nur wegen einer Herzbeutel-Entzündung in ärztliche Behandlung begeben. Gesundheitsminister Gröhe zeigte sich bei mehreren Nachfragen interessiert an dem Forschungsprojekt.

„Das war sehr spannend, weil Sie uns hier Einblicke in den Beginn einer Entwicklung in der Forschung gegeben haben“, bilanzierte Gröhe am Ende von Oertels Vortrag.

von Manfred Hitzeroth

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