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Pädagogen nur scheinbar mittelmäßig

Hochschulranking Pädagogen nur scheinbar mittelmäßig

Mit einem „starken Bezug zur Praxis“ wirbt das Fach Erziehungswissenschaften der Uni Marburg um Studierende. Beim neuen CHE-Ranking landet man genau in diesem Punkt aber nur im Mittelfeld.

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Quelle: Thorsten Richter

Wer sich für das Fach Erziehungswissenschaften einschreibt, darf das Studium nicht mit einer Ausbildung zum Erzieher verwechseln. Trotzdem ist die Quote der Studierenden, die eine rein wissenschaftliche Karriere anstreben, vergleichsweise gering, so dass vielen der Bezug zur Praxis im Studium wichtig sein dürfte.
Die Logik verfolgt auch der Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften, der seinen Studiengang online wie folgt bewirbt: „Der Bachelor „Erziehungs- und Bildungswissenschaft in Marburg zeichnet sich durch einen starken Praxisbezug aus“. Die Gelegenheit zur Berufsfeld-Erkundung und zu Praktika sei gegeben.

Lücke zwischen Darstellung und Realität?

Ein gestern veröffentlichtes Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) sieht die Marburger Erziehungswissenschaftler in puncto Praxis allerdings nur im Mittelfeld, noch hinter den hessischen Universitäten in Gießen und Frankfurt. Klafft also eine Lücke zwischen Selbstdarstellung und Realität? Nur bei sehr oberflächlicher Betrachtung: Der Maßstab, den das CHE-Team anlegt, sind die Modulhandbücher und Studienordnungen der jeweiligen Studiengänge. Darin kann man die Anzahl von Praxismodulen, Praktika und Veranstaltungen mit Praxisbezug – wie etwa Seminare zur Berufserkundung – zählen, eine rein quantitative Analyse also. In Marburg wird neben einem achtwöchigen Praktikum sowie vor- und nachbereitenden Kursen ein Seminar zur Berufserkundung angeboten. „Andere Universitäten bieten darüber hinaus noch weitere Projektarbeiten an, etwa Kurse, für die Studierende selbstständig Konzepte entwerfen müssen“, erklärt Petra Giebisch vom CHE.
Eine Aussage über die Qualität der Angebote sei damit aber noch nicht getroffen. „Dazu wäre eine Befragung der Studierenden zum Arbeitsmarktbezug und zur Berufsfeld-Erkundung nötig gewesen, die liegt in diesem Ranking aber nicht vor“, räumt  Giebisch ein.
Schaut man genauer hin, scheint die Uni Marburg zumindest Studenten anzuziehen, für die Praxis besonders wichtig ist. In den ersten beiden Absolventen-Jahrgängen des neuen Bachelors 2011 und 2012 haben über 80 Prozent der Studierenden nebenher gearbeitet, zwei Drittel davon im Bereich Bildung, wie eine Umfrage des Fachbereichs ergab, die der OP vorliegt.

Forschung und Lehre bei Psychologen exzellent

„Das CHE hat in diesem Fall einen reinen Papiermaßstab angelegt. Daraus ergibt sich keine wirklich differenzierte Bewertung der Universitäten“, sagt Susanne Igler. „Aussagekräftig sind die CHE-Rankings eigentlich erst über einen längeren Zeitraum“, so Igler. Sei ein Fachbereich über Jahre weit vorne oder weit hinten dabei, könne das ein guter Indikator für dessen Professionalität sein.
Unter diesem Indikator lässt sich die erneute Spitzenposition der Marburger Psychologie sehen. Sowohl in puncto Forschungsreputation als auch Studiensituation insgesamt nimmt die Philipps-Universität Marburg hier Spitzenplätze ein. „Die Marburger Psychologie hat sich die letzten Jahre kontinuierlich von den Top 10 in die Gruppe der Top 5 hochgearbeitet. Es ist eine tolle Leistung, über Jahre hinweg eine Spitzenposition zu erhalten“, freut sich der Dekan des Fachbereichs Psychologie, Harald Lachnit. Die Hochschulen in Hessen bieten ihren Studenten vor allem im Fach Psychologie überdurchschnittlich gute Studien- und Forschungsbedingungen. Das geht aus der jährlich vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann-Stiftung und dem „Zeit“-Studienführer veröffentlichten Rankingliste hervor.
In Marburg und Gießen sind die Studenten laut CHE-Ranking vor allem mit dem Lehrangebot und der Studiensituation sehr zufrieden. Immer noch gute Ergebnisse erzielt auch die Goethe-Universität in Frankfurt. Wer sein Psychologie-Studium möglichst schnell absolvieren will, sollte sich laut Studienführer dort bewerben.

Kommentar: Genau hingucken
Aus dem Ranking des CHE kann man einiges über das Studium lernen. Zwar nicht unbedingt über die Qualität der Studiengänge, wie eigentlich vorgesehen. Wohl aber kann der Studienanfänger in spe hier schon lernen, dass das Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse abhängig von der Frage­stellung ist. Bevor man sich also entscheidet, lieber noch mal genau hingucken, welche Kriterien das CHE im Einzelfall angelegt hat.

von Tim Gabel

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