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Ortsbeirat will "Runden Tisch" hören

Moschee-Pläne für Cappel Ortsbeirat will "Runden Tisch" hören

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde feiert ihre Gottesdienste bisher in einem Gebetsraum in der Innenstadt. Sie will nun eine eigene Moschee bauen - im Industriegebiet Cappel.

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Auf diesem Grundstück im Cappeler Industriegebiet will die Ahmadiyya-Gemeinde eine Moschee bauen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bestätigte auf Nachfrage der OP, die Ahmadiyya-Gemeinde habe eine Bauvoranfrage gestellt. Sie plant auf einem eigenen Grundstück im Industriegebiet Cappel eine Moschee mit Kuppel und Minarett.

Gegenstand einer Bauvoranfrage können laut Baurecht alle Fragen sein, die im Baugenehmigungsverfahren geprüft werden. Sie dient unter anderem dem Zweck, vorab zu prüfen, was geht und was nicht geht, ehe ein Bauantrag gestellt wird. 

Der Ortsbeirat in Cappel hat sich Ende Januar in einer öffentlichen Sitzung mit der Bauvoranfrage befasst, die tags zuvor an Ortsvorsteher Heinz Wahlers geleitet worden war.

Wahlers berichtete der OP, der Ortsbeirat habe sich außerstande gesehen, so schnell eine endgültige Stellungnahme abzugeben und deswegen empfohlen, dass sich der Runde Tisch der Religionen mit diesem Vorhaben beschäftige.

Moschee bei St. Jost wird noch dieses Jahr fertig

Hintergrund ist unter anderem der Umstand, dass die islamische Gemeinde Marburg derzeit eine Moschee bei St. Jost baut, die noch in diesem Jahr eingeweiht werden soll. In dieses Gotteshaus soll Platz „für alle Marburger“ sein, hatte Vorsitzender Dr. Bilal Al-Zayat betont. Der Runde Tisch der Religionen und alle Religionsgemeinschaften unterstützen den Bau der Moschee bei St. Jost.

Die Ahmadiyya-Gemeinde ist eine Religionsgemeinschaft, die in Indien ihren Ursprung hat und sich auf den Islam und den „verheißenen Messias“ Mirza Ghulam Ahmad beruft. Ihr Status innerhalb der muslimischen Religionsgemeinschaften ist vielleicht am ehesten zu vergleichen mit dem einer christlichen Sekte. Die Ahmadiyya-Gemeinde gilt als wertkonservativ, aber liberal. Sie grenzt sich vom islamischen Fundamentalismus ab und tritt für ein friedliches Miteinander aller Religionen ein.

Die etwa 200 Mitglieder, die in Marburg leben, bemühen sich ausdrücklich um Integration und gute Nachbarschaft. Bekannt sind etwa ihr Engagement am Neujahrsmorgen, an dem sie seit Jahren die Überreste der silvesterlichen Feiern auf den Straßen Marburgs beseitigen, der jährliche Neujahrsempfang oder ein regelmäßiger Spendenlauf für soziale Projekte. Seit 2009 feiern sie ihre Gottesdienste in einem Gebetsraum in der Bunsenstraße. Der sei inzwischen viel zu klein, sagt Mubarik Sabir von der Ahmadiyya-Gemeinde.

Marburgs FDP-Chef Christoph Ditschler reagierte auf erste Meldungen über das Projekt mit scharfer Kritik am Oberbürgermeister. Dessen Informationspolitik sei „eine reine Katastrophe.“ „Ich frage mich auch hier, wann Magistrat und Oberbürgermeister damit an die Öffentlichkeit gehen wollten“, erklärt Ditschler. Er fordert „umgehend vollständige Informationen.“

Ahmadiyya kündigt Info-Veranstaltung an

Spies weist die Kritik zurück: Eine Bauvoranfrage sei für ihn noch kein Anlass, an die Öffentlichkeit zu gehen - „ich bin auch nicht sicher, ob der Daten­schutz das zulässt.“ Es gebe keine Geheimniskrämerei.

Muhammed Ilyas, der Vorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde in Marburg, wies den Verdacht zurück, man wolle „durch die Hintertür“ eine zweite Moschee in Marburg errichten. Die Gemeinde werde in einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Cappel ihre Pläne vorstellen. „Wir waren einfach noch nicht soweit“, begründet Mubarik Sabir, warum die Ahmadiyya-Gemeinde bislang keine öffentliche Information herausgegeben hat.

Jede Religionsgemeinschaft solle ein Gotteshaus bauen können, wenn sie es wolle, sagte Ilyas zur Frage, warum die Ahmadiyya-Gemeinde eine eigene Moschee errichten wolle. Und Sabir verweist auf andere Ahmadiyya-Gemeinden in Hessen, die eine eigene Moschee errichtet hätten: in Friedberg etwa, in Wabern, in Kassel oder mehrfach im Rhein-Main-Gebiet. In Gießen entsteht zur Zeit in der Marburger Straße eine Moschee der Ahmadiyyas.

Gemeinde zeigt sich schon jetzt kompromissbereit

Wie genau die Moschee aussehen soll, soll noch gemeinsam beraten werden. Die Ahmadiyya-Gemeinde zeigt sich dabei vorab kompromissbereit: Ein Minarett sei ein symbolisches Zeichen für eine Moschee und gehöre eigentlich dazu, sagt Ilyas, „aber es wird sicherlich kein Muezzin vom Dach rufen“, ergänzt Mubarik. Ähnlich wie im Falle der Moschee der Islamischen Gemeinde bei „St. Jost“, die ohne Minarett errichtet wird, sei auch die Ahmadiyya-Gemeinde in dieser Frage gesprächsbereit.

Zeitdruck hat die Ahmadiyya-Gemeinde jedenfalls nicht. „Die Aufklärung und das gemeinsame Gespräch sind für uns wichtig“, sagt Ilyas. Die Ahmadiyya-Gemeinde sei schon mehr als 20 Jahre in Marburg, da komme es auf ein paar Monate nun nicht an.

von Till Conrad

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