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Organspende: Informieren statt Zwang

Organspende Organspende: Informieren statt Zwang

Tausende Patienten stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Organ. Die Bereitschaft zur Spende hat in den vergangenen Monaten allerdings abgenommen.

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Die Bereitschaft, einen Organspende-Ausweis auszufüllen, kann im Ernstfall Leben retten.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. „Mein Auge tut weh“, sagte Darius Babai auf die Frage, wie es ihm geht. Es sind die kleinen Dinge, wie ein juckendes Auge, die bei dem 6-Jährigen mittlerweile im Fokus stehen. Noch vor einem halben Jahr sah das ganz anders aus.

Eine Fehlentwicklung der Niere hatte zur Folge, dass Darius ab dem dritten Tag seines Lebens auf eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) angewiesen war. Montags, mittwochs und freitags fuhr das Kind mit seiner Mutter Karina ins Universitätsklinikum nach Marburg, um sich dort der drei- bis vierstündigen Dialyse zu unterziehen. „Es sind erhebliche Einschränkungen für ein Kind“, sagte Professor Dr. Günter Klaus, Leiter des KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche am Uniklinikum Gießen-Marburg. „Alleine schon, dass die Kinder keinen Hunger haben und nicht alles essen dürfen, ist eine Belastung“, sagte Klaus. Im vergangenen Jahr bekam Darius eine Spenderniere transplantiert und er und seine Familie haben ein „großes Stück Lebensqualität“ dazu gewonnen, berichtete die Mutter.

„Man bekommt ein neues Leben geschenkt“, sagte Wolfgang Dickel, dem im November erfolgreich eine Niere und die Bauchspeicheldrüse transplantiert wurden. Der Techniker war seit der Geburt zuckerkrank. Als Folge wurde die Niere geschädigt, ab 2003 eine regelmäßige Dialyse notwendig, zum Teil nachmittags nach der Arbeit. „Man versucht, so lange es geht einen normalen Alltag zu erhalten. Aber irgendwann geht das nicht mehr“, sagte Dickel, der seit der Transplantation insulin- und dialysefrei leben kann.

Tag der Organspende am 1. Juni

Nicht nur Darius Babai und Norbert Dickel waren auf eine Rettung angewiesen. Derzeit warten rund 12000 Menschen in Deutschland auf ein Spendeorgan. Und die Situation hat sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Grund dafür ist vor allem auch ein Skandal in den Universitätskliniken Göttingen (UMG) und Regensburg (UKR), an denen bei Lebertransplantationen Krankenakten manipuliert worden waren, um bestimmte Patienten bei der Vergabe zu bevorzugen. So gab es in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres bundesweit nur 230 Organspender. Im Vorjahreszeitraum waren es 281.

„Die Ermittlungen zu diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen. Trotzdem kann man sagen, dass dies nur ein Einzelfall und im normalen Vergabeprozess nicht möglich ist“, sagte Wolfgang Langer, Facharzt für Anästhesie und Koordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Ziel sei es trotzdem, um Anerkennung in der Öffentlichkeit für das Thema zu werben und Vertrauen zurückzugewinnen.

Ein wesentlicher Bestandteil ist es dabei an Tagen wie dem Organspendetag, der an jedem ersten Samstag im Juni stattfindet, und bei Informationsveranstaltungen, auch verbreiteten Fehlinformationen in der Bevölkerung zu begegnen. „Jeder kann in diese Situation geraten. Und leider wissen viele nicht, dass sie als Spender in Frage kommen. Oft taucht die Frage auf, ob man zu alt ist. Aber man ist nie zu alt“, sagte Ewald Hofmann, Vorsitzender der Dialysepatienten und Transplantierten Mittelhessen. Hofmann setzt dabei auf das Credo „informieren statt zwingen“. „Wir wissen, dass viele Menschen zwar bereit sind, Organe zu spenden, aber keinen Spenderausweis ausgefüllt haben“, sagte Hofmann.

Am „Tag der Organspende“ am 1. Juni stehen in Marburg an zwei Stellen Fachleute für persönliche Gespräche und Informationen zur Verfügung. In der oberen Gutenbergstraße/Schlossbergcenter und am Tegut-Markt in Wehrda sind von jeweils 10 bis 16 Uhr Informationsstände aufgebaut.

von Andreas Arlt

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