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Opfer mit Messer bedroht

Jugendschöffengericht Opfer mit Messer bedroht

Der 19-Jährige Marburger stand mit einem drei Jahre älteren Komplizen vor dem Jugendschöffengericht. Beide Angeklagten erhielten die Chance, sich zu bewähren.

Marburg. Gemeinsam hatten die beiden 19- und 22-Jährigen Ende vergangenen Jahres die Scheibe eines Autos eingeschlagen und einen Koffer mit rund 100 Euro Kleingeld entwendet. Die Beute teilten sie anschließend untereinander auf. Der ältere Angeklagte, der bereits vorbestraft ist, stritt diesen Tathergang ab. Er bezichtigte seinen Komplizen der Lüge, äußerte sich jedoch nicht weiter vor Gericht. „Erzählen sie uns keine Geschichten aus 1001 Nacht, sondern die Wahrheit“, warnte Richter Cai Boesken bereits zu Beginn der Verhandlung die beiden Männer.

Der jüngere Beschuldigte gab den Diebstahl von Anfang an zu. Neben diesem wurden ihm noch weitere schwere Straftaten vorgeworfen. So hatte sich der junge Mann aus Marburg im Oktober und November vergangenen Jahres mehrfach des schweren Raubes und der räuberischen Erpressung schuldig gemacht. In drei Fällen hatte er andere Personen mit einem Butterflymesser bedroht und Bargeld von ihnen verlangt. Eines der Opfer konnte fliehen, als der Angeklagte das Messer zog. In den beiden anderen Fällen setzte er den Geschädigten das Messer an die Kehle und bedrohte sie, bis ihm das Geld ausgehändigt wurde. In beiden Fällen wurden weniger als 50 Euro erbeutet. Genaue Beträge konnten vor Gericht nicht bestimmt werden. Der 19-Jährige gab alle Anklagepunkte zu. Er sitzt bereits seit drei Monaten in Untersuchungshaft.

Während der Verhandlung wurden die Tathergänge ausführlich erläutert. Dabei zeigte sich das eher unübliche Verhalten des Täters. Während er einem der Geschädigten vor einer Marburger Diskothek das Messer an den Hals setzte und das erpresste Bargeld einsteckte, unterhielt er sich noch mit diesem und fragte sein Opfer, ob es noch Geld für die Nachhausefahrt benötigte. Nachdem der Beraubte verwirrt verneint hatte, entfernte sich der Angeklagte.

Vor Gericht gab der betroffene Zeuge an, dass er den Beschuldigten als nervös und aufgeregt wahrgenommen habe. „Er wirkte nicht wie ein abgebrühter Gewohnheitsverbrecher“, so der Geschädigte. Trotz des Messers an seiner Kehle habe er zudem keine Angst um sein Leben gehabt. Der Angeklagte entschuldigte sich bei den beiden Geschädigten, die vor Gericht als Zeugen aussagten. „Ich kann mir nicht erklären, wie und warum das passiert ist“, sagte er. Seine Taten hätten immer spätnachts stattgefunden, nachdem er gefeiert habe. Während seiner Überfälle habe er aber nicht unter Alkoholeinfluss gestanden. Zudem habe er weder Schulden noch Geldnot.

Der Bericht der Jugendgerichtshilfe brachte auch keine ausschlaggebende negative Vorgeschichte hervor. Strafrechtlich war der Angeklagte vorher noch nie in Erscheinung getreten.

Gericht: Angeklagter ist nicht der typische Räuber

Das Gericht zeigte sich daher in Anbetracht der plötzlichen massiven Taten bei ansonsten „positiver Biografie“ sehr verwundert. „Ich verstehe nicht, was in ihrem Kopf vorgeht“, sagte Richter Boesken streng. Nach Meinung des Gerichts ist der Angeklagte nicht der typische Räuber. Die Taten passen nicht zu seiner Persönlichkeit.

Durch seinen einwandfreien Lebenslauf sowie sein umfassendes Geständnis kam der junge Mann daher noch mal mit einem blauen Auge davon. Er wurde nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Sein schweigsamer Komplize wurde nach Erwachsenenstrafrecht wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro verurteilt.

von Ina Tannert

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