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Opfer-Freundin: „Laura ahnte nicht, was auf sie zukommt“

Prozess gegen Messerstecherin Opfer-Freundin: „Laura ahnte nicht, was auf sie zukommt“

Die Richter am Landgericht interessieren sich bei der Verhandlung gegen eine Jurastudentin (27), die die Tötung von Laura S. (29) gestanden hat, ob es vor dem Überfall Drohungen gegen das Opfer gab, oder ob die Getötete bei einem Streit unmittelbar vor dem Angriff provozierte.

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Die Mutter der getöteten Laura S. trägt ein Shirt mit dem Foto ihrer Tochter.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mehrere Zeugen schildern während der Gerichtsverhandlung einen Vorfall: Die Angeklagte habe Laura bereits Monate vor der Messerattacke in einem Modeladen in der Universitätsstraße getroffen und massiv beleidigt. „Mehr als alles andere hat sie diese Sache verängstigt, sie war richtig verdattert, denn da ging es erstmals direkt gegen sie“, sagt die beste Freundin der Getöteten, eine 26-jährige Lehrerin. Es - damit meint sie den Konflikt und die Anschuldigungen zwischen ihrem Freund, einem 25-jährigen Wirtschaftsstudenten, und dessen Ex-Freundin, der angeklagten Jurastudentin. Monatelang soll die 27-Jährige dem Ex-Partner Hunderte Briefe, Internet-Nachrichten und SMS geschrieben, um eine „Aussprache, eine zweite Chance, einen Neuanfang“ - so steht es in einem Brief, den die Angeklagte bei der Tat „Am Kupfergraben“ dabei hatte - gebeten haben.

Außer der öffentlichen Beleidigung in dem Geschäft habe es ihres Wissens nach „keine konkreten Bedrohungen“ gegen Laura gegeben, sagt die Freundin. Vielmehr habe sich die Fremdsprachenstudentin gewünscht, dass ihr Freund den Kontakt zur Ex kappt. „Laura ging Konfrontationen stets aus dem Weg. Sie war völlig ahnungslos, was und wer da auf sie zukommt“, sagt sie. „Wir dachten, dass diese Frau aus Eifersucht erstmal Spaß am Radau hat, eine Drama-Königin ist, was sich wieder legt“, sagt sie.

Irritationen gibt es um einen Vorwurf der Nebenklage, wonach die angeklagte Jurastudentin die Wohnungstür des Apartments ihres Ex-Freunds in der Oberstadt eingetreten haben soll, als sie das Pärchen sah. Zu dieser Anschuldigung machten Zeugen bislang widersprüchliche Angaben.

Frage nach dem F-Wort

Der Ex-Freund spricht bei seiner Vernehmung davon, dass es bei „zwei zufälligen Treffen“, unter anderem vor dem Oberstadtaufzug, zu Auseinandersetzungen gekommen sei. Die Angeklagte sei „ausgerastet“, als sie das Paar gesehen habe, soll beide beleidigt und ihn angegriffen haben. In den Nachrichten, die der Verbindungsstudent bekam und von deren Ausmaß und Inhalt Laura nach Angaben ihrer Freundin „nichts wusste“, soll vom Opfer häufiger als „Hexe“ die Rede sein, ebenso von „Gehirnwäsche“. In den bislang als Beweismittel eingebrachten Briefen geht es jedoch mehr um die Beziehung zu dem Mann als um Laura S.

Vor den 36 Messerstichen am Morgen des 26. März kam es Zeugenaussagen zufolge erst zu einem Streit zwischen den Frauen. Die Angeklagte, die zwei Küchenmesser dabei hatte und nach der Attacke 30 Schlaftabletten schluckte, berichtet, dass Laura ihr vor dem Haus gesagt habe, sie solle „sich einen Anderen zum Ficken suchen“.

Diese Provokation könnte der Auslöser für die Eskalation gewesen sein, weshalb etwa der psychiatrische Gutachter nach OP-Informationen bislang von einer Affekttat gegenüber Laura S. auszugehen scheint. Freunde und Familie der Getöteten bezeichnen es hingegen als „unwahrscheinlich, dass sie so eine Sprache benutzt hat. Das F-Wort mochte sie sowieso nicht“, sagt etwa die 26-jährige Zeugin.

von Björn Wisker

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Prozess gegen Messerstecherin
Die Angeklagte versteckt sich beim Prozessauftakt hinter einem Ordner, vertreten wird sie von Anwalt Sascha Marks. Foto: Weigel

Im Prozess gegen eine 27-Jährige, die die Tötung von Laura S. (29) gestanden hat, geben Zeugen Einblicke in das Leben der Angeklagten und die Beziehung zum Ex-Freund.

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