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Operationen im Hals werden leichter

Medizin-Tagung Operationen im Hals werden leichter

Von Sonntag bis Dienstag werden in der Marburger Hals-Nasen-Ohren-Klinik modernste Operationsverfahren der Laser- und transoralen Roboterchirurgie vorgestellt.

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Professor Jochen Werner (von rechts) sowie Professor Afshin Teymoortash, Professorin Sabine Wiegand (Zweite von links) und Dr. Magis Mandapathil haben den Kurs zur Laser- und Robterchirurgie vorbereitet.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Lasertechnologie wird bereits seit mehr als 30 Jahren erfolgreich in verschiedenen Gebieten der Medizin eingesetzt. Auch in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hat die Laserchirurgie eine lange Tradition. Ihre Vorteile bestehen unter anderem darin, in engen anatomischen Bereichen blutungsarm operieren zu können, erläutert Professor Afshin Teymoortash, Chefarzt der Marburger HNO-Klinik. Er leitet die Tagung, die ab Sonntag in Marburg stattfindet, gemeinsam mit Professor Jochen Werner, dem Ärztlichen Geschäftsführer des Uni-Klinikums und Direktor der HNO-Klinik.

Heutzutage stehen modernste Lasersysteme zur Verfügung, mit denen schonend in allen Bereichen des HNO-Gebiets operiert werden kann. Einsatzbereiche des Lasers in der HNO-Heilkunde sind unter anderem die Behandlung von gutartigen und bösartigen Neubildungen in Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf oder die Behandlung von Gefäßfehlbildungen.

Maximale Präzision

Dies wird durch den Einsatz verschiedener Lasersysteme ermöglicht. Die Roboterchirurgie ist die Weiterentwicklung der Laserchirurgie. Das am häufigsten verwendete System ist das „da Vinci-Operationssystem“, das seit Herbst 2012 auch im Marburger Uni-Klinikum zur Verfügung steht. Zwar ist es vor allem auf Operationen in der Urologie wie bei Prostatakrebs zugeschnitten, aber auch bei Krebs in Rachen, Kehlkopf oder Mundhöhle konnte es gut verwendet werden, erklärt Werner.

Die roboterunterstützte Technik ermöglicht es, mit maximaler Präzision Patienten auch in schwer zugänglichen Bereichen unter optimalen Sichtbedingungen zu operieren. Dabei wird bei der Tumorentfernung ein En­dos­kop verwendet. Der HNO-Chirurg arbeitet an einer Konsole, über die er die Arbeitsarme des da Vinci-Systems kontrolliert.

Das Robotersystem führt im Rachen mechanisch die Bewegungen aus, die der neben dem Operationstisch an der Konsole sitzende HNO-Chirurg mit seinen eigenen Händen vorgibt. Die Operationsinstrumente werden über den Mund des Patienten eingeführt und können in einem Radius von über 360 Grad frei bewegt und bedient werden.

Neues Robotersystem

In den vergangenen Jahren wurden weitere Operationsroboter entwickelt, die speziell an die engen anatomischen Gegebenheiten im Bereich des Rachens und Kehlkopfs angepasst sind. Eines ist das „Medrobotics Flex System“ , mit dem aufgrund seiner Flexibilität Zielstrukturen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich schonend und sicher erreicht werden können. Dieses neuartige System wird im Rahmen des Kurses erstmalig bundesweit vorgestellt. Denn die Marburger Uni-Klinik ist eine von vier Kliniken europaweit, an denen dieses neu System künftig bei Operationen erprobt wird. „Wir erhoffen uns dadurch, dass wir Tumorpatienten chirurgisch künftig noch besser helfen können“, sagt Professor Werner.

Auch für Eingriffe an den Halsweichteilen wie bei der Schilddrüsenchirurgie werden Operationsroboter in den vergangenen Jahren vermehrt eingesetzt.

Bedeutend ist hierbei der ästhetische Aspekt, weil Tumore im Bereich des Rachens und der Schilddrüse insbesondere bei jungen Menschen und Frauen verunstaltend wirken können. Spezielle Techniken mittels des Operationsroboters ermöglichen die Behandlung dieser Patienten unter Vermeidung von Narben an exponierten Körperstellen wie dem Hals. Als Pioniere gelten zwei Professoren aus Seoul (Südkorea). Sie berichten in Marburg beispielsweise darüber, dass die Eingriffe an der Schilddrüse über die Achselhöhle in den Körper eingeführt werden, so dass später im Halsbereich keine sichtbare Narbe entsteht. Die Besonderheit des Marburger Kurses, an dem 30 Mediziner aus der ganzen Welt teilnehmen, ist die Möglichkeit, die neuen Operationstechniken an den Geräten zu erproben.

von Manfred Hitzeroth

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