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Online-Kontrolle während der Therapie

Neues Verfahren zur Strahlendosis-Überwachung Online-Kontrolle während der Therapie

Die Technische Hochschule Mittelhessen kooperiert bei der Entwicklung des Verfahrens unter anderem mit der Marburger Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie.

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Professorin Rita Engenhart-Cabillic, Professor Klemens Zink (links) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Thilo Seliger diskutieren den Bestrahlungsplan für einen Patienten. Im Hintergrund ein klinischer Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie, mit dem das Forschungsprojekt umgesetzt wird.

Quelle: Technische Hochschule Mittelhessen

Marburg. Ein neues Verfahren zur Überwachung der individuellen Strahlendosis in der Krebstherapie entwickelt die Technische Hochschule (TH) Mittelhessen. Leiter des Forschungsprojekts am Gießener Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz ist Professor Klemens Zink. Kooperationspartner sind Professorin Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Philipps-Universität Marburg, und die MedCom Gesellschaft für medizinische Bildverarbeitung in Darmstadt. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 424 000 Euro.

Fast 500 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Neben Chirurgie und Chemotherapie ist die Strahlentherapie eine der Hauptbehandlungsmethoden.

Mehr als die Hälfte aller Tumorpatienten erhält eine solche Behandlung. Ziel ist die Zerstörung der Tumorzellen. Die Nebenwirkungen im gesunden Gewebe sollen so gering wie möglich sein. Wichtig für den Therapieerfolg moderner Bestrahlungstechniken, die hochenergetische Röntgenstrahlen nutzen, ist deshalb, die jeweils im Zielgewebe und den anliegenden Risikoorganen deponierte Dosis noch während der Behandlung zu bestimmen, teilt die Pressestelle der TH Mittelhessen mit.

Mithilfe der am Bestrahlungsgerät vorhandenen Flachdetektoren messen die Wissenschaftler die während der Bestrahlung aus dem Patienten austretende Dosis. Daraus rekonstruieren sie mittels bestimmter Algorithmen die Dosisverteilung im Patienten. Das Verfahren erlaube es dem Arzt zukünftig, auf Veränderungen des Tumors oder andere anatomische Änderungen des Patienten schnell zu reagieren und die Dosisverteilung in den nachfolgenden Bestrahlungssitzungen anzupassen, erläutert  Professorin Engenhart-Cabillic.

Darüber hinaus erhöhe das System die Sicherheit strahlentherapeutischer Anwendungen. Die neue Software, so Proferssor Zink, „ermöglicht eine patientenindividuelle Online-Überwachung und damit eine Dosis-Kontrolle während der Strahlenbehandlung. Dies führt zu  einer höheren Patientensicherheit und verspricht bessere Therapieerfolge.“  Das Programm soll in ein bereits existierendes strahlentherapeutisches Softwarepaket des Kooperationspartners MedCom integriert werden, das schon am Markt etabliert ist.

Das Vorhaben hat ein Gesamtvolumen von 565 000 Euro und läuft bis Mitte 2017. Es wird im Zuge der Förderlinie 3 der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (Loewe) unterstützt. Damit bezuschusst die Landesregierung Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

International renommierte Wissenschaftler tagen

Zum Schwerpunktthema „Partikeltherapie: Quantensprung in der Tumorbestrahlung“ findet von Mittwoch bis Samstag im Audimax die 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) statt. International renommierte Wissenschaftler tauschen sich über neue Erkenntnisse aus allen Bereichen der Medizinischen Physik aus und diskutieren aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zu vielfältigen Themenschwerpunkten – von der Audiologie, den bildgebenden Verfahren der Diagnostik, über Hybridsysteme, Nuklearmedizin bis hin zu Stereotaxie, der bildgesteuerten Strahlentherapie, der Dosimetrie und dem Strahlenschutz, teilt die Pressestelle der Philipps-Universität mit.

Die Medizinische Physik ist geprägt durch eine starke Anwendungsorientierung und große Anteile an Forschung an der Schnittstelle von vorklinischer und klinischer Forschung. Doch auch die Grundlagenforschung spielt zunehmend eine Rolle, wie zum Beispiel die neuen Forschungen zu laserbeschleunigten Protonen, zum Phasenkontrast-CT oder der Bildgebung mit magnetischen Nanopartikeln.

„Unsere Marburger Tagung soll all diese Facetten unseres Fachgebietes widerspiegeln und den Rahmen bilden für Diskussionen zwischen den klinisch tätigen Medizinphysikern, unseren Partnern aus der Industrie und den in der Forschung tätigen Kolleginnen und Kollegen“, sagen die Tagungsleiter Professor Martin Fiebich und Professor Klemens Zink von der TH Mittelhessen, Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz, Gießen.

Schnuppertag für Schüler und Lehrer

Die medizinische wissenschaftliche Leitung der Tagung liegt bei Professorin Rita Engenhart-Cabillic, Professorin für Strahlentherapie an der Philipps-Universität Marburg und Direktorin der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM).

Vor dem Hintergrund, dass das Partikelzentrum in Marburg in diesem Jahr den klinischen Betrieb aufnimmt, ist  die Partikeltherapie ein wichtiges Schwerpunktthema der Tagung. Als besonderes Highlight gibt es dazu zwei Vorträge zu Magnetresonanz- und Strahlentherapie mit Anti-Protonen in der gemeinsamen Session der DGMP und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) – mit über 64 000 Mitgliedern die weltgrößte Physikalische Gesellschaft.

Weitere Schwerpunkte sind die Dosisoptimierung in der Radiologie und das Risikomanagement in Diagnostik und Therapie, bei dem es um die Umsetzung der neuen EU-Richtlinie zum Strahlenschutz mit der Verpflichtung zur Risikoanalyse in der Strahlentherapie geht.

Ein besonderer Event ist der Schülerschnuppertag am Donnerstag. Interessierten Schülern und Lehrern werden bei der kostenlosen Teilnahme an der Jahrestagung ein Übersichtsvortrag zur Medizinischen Physik, Fachvorträge sowie eine von Medizinphysikern begleitete Führung in kleinen Gruppen über die Industrie- und Posterausstellung geboten.

Eröffnet wird die Tagung morgen ab 17.45 Uhr. Den Festvortrag „Angst im Kopf – Einblicke mittels funktioneller MRT“hält Professor Rudolf Stark vom Fachbereich Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Weitere Informationen zur DGMP-Jahrestagung gibt es auf der Tagungshomepage www.dgmp-kongress.de

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