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Onkel missbraucht 12-jähriges Kind

Prozess vor dem Landgericht Onkel missbraucht 12-jähriges Kind

Sexueller Missbrauch eines Minderjährigen, versuchte Vergewaltigung eines Jungen: Ein 44-jähriger Marburger gestand am Mittwoch vor dem Landgericht einen Großteil der Vorwürfe. Er schrammt an einer Gefängnisstrafe vorbei.

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Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden rund 15 000 Kinder im Jahr 2012 sexuell missbraucht. Eine Zahl, die seit neun Jahren stabil ist.

Quelle: Larisa Lofitskaya

Marburg. Das Opfer des Marburger Unternehmers ist sein eigener Neffe. Den Zwölfjährigen bedrängte der Angeklagte in seiner Wohnung so lange mit Gesprächen über Sex und fasste ihn im Intimbereich an, bis dieser ihn befriedigte. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die Staatsanwältin Annemarie Petri zum Prozessauftakt verlas.

Der konkrete Vorwurf: Im Februar 2013 soll der Junge zu Besuch dem geständigen Täter gewesen sein - es war nach Aussage des Opfers erst das zweite Mal, dass er zum Filmeschauen bei dem Onkel blieb. In der Wohnung von S. soll der 44-Jährige - so die Video-vernehmung des Kindes - immer wieder gefragt haben, auf welchen Internetseiten sich der Junge Pornovideos und Sexbilder anschaue. Der Unternehmer fragte den Jungen, ob dieser „schon einmal Analsex gehabt“ habe oder solchen würde haben wollen. Der Junge zog sich verstört in das Badezimmer zurück, kam später wieder - und wurde erneut von seinem Onkel bedrängt.

"Ich war kuschelbedürftig"

Er forderte den Jungen auf, seinen Penis anzufassen, verlangte von dem Zwölfjährigen, sich die Hose auszuziehen, fasste dem Jungen an dessen Geschlechtsteil. Das Kind stand auf, wollte weglaufen, doch der Täter schubste den flüchtenden Jungen, stieß ihn auf die Couch. Der 44-Jährige beugte sich über das Kind und zwang ihn zum Oralsex. Der Junge wehrte sich, lief wieder ins Bad. „Lass mich doch, lass mich das machen!“, rief der Täter hinter ihm her - die Situation beruhigte sich, später schliefen beide im selben Bett ohne dass es - wie das Opfer aussagte - zu Annäherungsversuchen des Onkels gekommen sei.

Während des Prozesses bestritt der Firmeninhaber den Vorwurf des Opfers, bei den Übergriffen einen Samenerguss gehabt zu haben. „Ich war kuschelbedürftig.“ Zudem habe er, der in Kindheitstagen selbst Opfer sexuellen Missbrauchs gewesen sein soll, Alkohol- und Antidepressiva geschluckt. „Mir tut das unendlich leid, ich würde alles rückgängig machen, wenn ich könnte.“ Nie zuvor und nie danach habe er eine Neigung zu Sex mit Kindern gespürt - eine Therapie begann er zwei Monate nach dem Missbrauch seines Neffen trotzdem.

Ein Jahr und elf Monate auf Bewährung

„Das hier ist ein Grenzfall. Sie haben das Vertrauen ihres Neffen ausgenutzt, der in bester Erwartung und freudiger Absicht zu ihnen kam. Auch wenn das Kind diesen Vorfall scheinbar ohne Trauma überwunden hat, ist das eine heftige Sache“, sagt Richter Thomas Wolf. Dennoch: Im Vergleich zu anderen Missbrauchsfällen und der Tatsache, dass „an dem Abend noch viel mehr möglich gewesen wäre“ sei der Übergriff - auch nach Auffassung der Staatsanwältin - nicht zu gravierend gewesen. Eine versuchte Vergewaltigung sahen die Prozessbeteiligten als nicht erwiesen an.

Das Urteil des Landgerichts: ein Jahr und elf Monate auf Bewährung sowie Kontaktverbot zu unter-18-Jährigen und psychologische Langzeittherapie.

Gesetzeslage
  • Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen ist in Deutschland nicht grundsätzlich verboten. Es kommt auf das Alter des Teenagers und des älteren Sexualpartners an – und darauf, in welchem Verhältnis sie stehen.Sexuelle Handlungen mit Minderjährigen bis einschließlich 13 Jahren sind generell verboten. Sie gelten laut Paragraph 176 des Strafgesetzbuches als sexueller Missbrauch von Kindern und werden mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Verboten ist nicht nur Geschlechtsverkehr mit den Kindern, man darf vor ihnen auch selbst keine sexuellen Handlungen vornehmen oder ihnen Pornos zeigen.
  • Sexuelle Kontakte mit 14- oder 15-Jährigen sind erlaubt – vorausgesetzt der ältere Sexualpartner ist höchstens 21. Ist er älter, können sexuelle Kontakte nach Paragraph 182 des Strafgesetzbuches als sexueller Missbrauch von
  • Jugendlichen geahndet werden, wenn die „fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung“ ausgenutzt wird. Nach Paragraph 174 des Strafgesetzbuches sind sexuelle Handlungen mit 14- oder 16-Jährigen verboten, wenn man sie erziehen, ausbilden oder betreuen soll.
  •  Sex mit 16- oder 17-Jährigen ist auch älteren Erwachsenen erlaubt. Allerdings ist es nach Paragraph 182 des Strafgesetzbuches verboten, dafür eine Zwangslage auszunutzen – darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft. Wer älter als 18 ist, darf unter 18-Jährige auch nicht für Sex bezahlen. Auch hier gilt Paragraph 174 Strafgesetzbuch (siehe oben).

von Björn Wisker

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