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Onanist vor Gericht

Exhibitionismus Onanist vor Gericht

Weil er sein exhibitionistisches Verlangen nicht unter Kontrolle hatte, musste sich ein 29-jähriger Mann aus dem Landkreis vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

Marburg. Von Juli bis September 2012 fuhr der Angeklagte mehrfach auf den Parkplatz an der Universitätsbibliothek in Marburg. Dort parkte er sein Auto in der Nähe anderer Wagen und befriedigte sich selbst. In mindestens drei Fällen überraschte er dabei Frauen, die gerade auf den Parkplatz fuhren, und suchte gezielt Blickkontakt zu ihnen. Eine der Frauen, die alle drei vor Gericht aussagten, habe minutenlang im Auto gewartet, bis der Angeklagte wieder davon fuhr.

Einmal stieg er sogar aus dem Auto aus und befriedigte sich weiter. Die Frau bekam Angst und verließ fluchtartig den Parkplatz. „Nach diesem Erlebnis bin ich viel ängstlicher geworden“, sagte die Zeugin vor Gericht. Auch eine weitere Frau betonte, dass sie seitdem große Parkplätze meidet, insbesondere im Dunkeln. Direkten Kontakt habe der Beschuldigte jedoch bei keiner der Frauen gesucht.

Angeklagter war pornosüchtig

Der Angeklagte gab seine Taten zu. „Ich wollte mir einen Kick verschaffen“, sagte er ruhig vor Gericht. Richter Dirk-Uwe Schauß fragte ihn nach dem Auslöser für sein Verlangen. Der 29-Jährige betonte, dass der Trieb, sich zu entblößen, im Affekt kommen würde, gerade im Sommer, wenn viele Frauen nur leicht bekleidet herumliefen. Der vorbestrafte Mann stand Mitte 2012 schon einmal wegen sexuellen Handlungen vor Kindern vor Gericht und befand sich zur Zeit der jetzt verhandelten Taten bereits innerhalb einer Bewährungsfrist.

Im Jahr davor wurde er zudem wegen Körperverletzung verurteilt. Er befindet sich wegen schweren Depressionen seit 2011 in psychologischer Betreuung und nimmt Antidepressiva. Er war lange Zeit süchtig nach Pornografie und hatte immer ein starkes sexuelles Verlangen, gab er zu. Von Juli bis September vergangenen Jahres sei er daher sicher an die 40 Mal zu dem Universitätsparkplatz gefahren und habe sich selbst befriedigt.

Er sei mehrmals gesehen worden, aber nur drei Frauen hatten dies zur Anzeige gebracht. Seine Medikamente hatte er kurz vor den Zwischenfällen eigenmächtig abgesetzt, woraufhin er rückfällig wurde. Er hatte große Probleme im Alltag, nachdem er nach der vorherigen Verurteilung seine Arbeit verlor. Mittlerweile habe er aber einen neuen Job und sein Leben stabilisiert.

Therapeutin ist optimistisch

Seine Medikamente nimmt er seit September wieder regelmäßig, beteuerte er. Diese würden gegen die Depressionen helfen und seinen Sexualtrieb vermindern. Er gehe nun auch wieder regelmäßig zur Therapie. Auch diese hatte er vor den Taten abgebrochen. Er habe sich nicht mehr gemeldet, sagte die Therapeutin vor Gericht aus. Sie habe sich dabei aber nichts gedacht. Die Therapie diene nur als unterstützende Maßnahme neben den Medikamenten. Die voran gegangenen sexuell orientierten Handlungen seien auch nicht Thema in den Gesprächen gewesen.

Das Gericht zeigte sich erstaunt, dass der Angeklagte dies in der Therapie nicht zur Sprache brachte. Die Therapeutin betonte, dass alle Handlungen von ihm nur phasenweise aufträten und von seinem Gemütszustand beeinflusst würden. Wenn er seine Medikamente weiter nimmt und in geregelten Lebensumständen bleibt, sollte es nicht mehr zu exhibitionistischen Vorfällen kommen.

Die Staatsanwältin riet schließlich zu einem gerichtlichen Gutachten über den psychologischen Zustand des Angeklagten. Daher wird in den kommenden Wochen ein forensischer Gutachter den Angeklagten beurteilen und eventuell ein Schuldunfähigkeitsgutachten erstellen. Die Hauptverhandlung wird ausgesetzt.

von Ina Tannert

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