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Ombudsmann: „Vielleicht sind wir zu unbequem“

Spies lädt Flüchtlingshelfer ein Ombudsmann: „Vielleicht sind wir zu unbequem“

Am Freitag wollen sich ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Schließung des Flüchtlingslagers abstimmen.

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Das Flüchtlingscamp Cappel soll nach dem Willen des Landes geschlossen werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Spies hat die Flüchtlingshelfer für Freitag, 17 Uhr, zu einem Treffen in den Stadtverordnetensitzungssaal zu einem „Informationsaustausch“ eingeladen.

Er hatte in einem Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier die Schließungspläne am Montag als „falsch“ und als „Schlag ins Gesicht der Helferinnen und Helfer“ bezeichnet und Bouffier aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken und zurückzunehmen. „Wahrscheinlich sind wir die einzige Stadt in Hessen, die sich für den Erhalt der Erstaufnahmeeinrichtung in ihren Grenzen einsetzt“, sagte Spies der OP.

Das Aufnahmelager in Cappel ist wahrscheinlich in puncto Gebäude, Umgebung, Infrastruktur und Integrationshelfern allen anderen Erstaufnahmeeinrichtungen voraus.

Beckmann: Wollen den Menschen die Angst nehmen

Einer der von der Stadt eingesetzten Ombudsleute für die Flüchtlinge im Camp Cappel, Karl-Otto Beckmann, mutmaßt, dass Marburg deswegen ganz oben auf der Schließungsliste des Landes stehe, weil hier die Ombudsleute für die Interessen von Flüchtlingen eingestanden wären. „Ich habe den Eindruck, dass wir dem Land zu unbequem waren.“

Dabei habe er lediglich die Interessen der Geflüchteten vertreten, sagt Beckmann und berichtet von einem Flüchtling, der ihn im Camp Cappel angesprochen habe, weil er schwer traumatisiert von seiner Flucht sei, einen Teil seiner Familie verloren habe und permanent Selbstmordgedanken hatte.

Beckmann hat den Mann stationär untergebracht und kümmert sich darum, dass er nach seiner Entlassung eine Psychotherapie erhält. „Gegen eine solche humanitäre Arbeit kann keiner etwas haben“, sagt der Ombudsmann.

Beckmann berichtete, dass derzeit ein knappes Drittel der Flüchtlinge in Campus der Dublin-Verordnung unterliegen. Heißt, sie sind aus einem „sicheren Drittland“ (etwa Holland) nach Deutschland eingereist und können dorthin wieder abgeschoben werden.

Der Rechtsanwalt vermutet System hinter dieser Konzentration von „Dublin-Flüchtlingen“. Mit einer Rechtsberatung im Camp will er die Geflüchteten darüber informieren, dass sie keineswegs mit einer schnellen Abschiebung zu rechnen, sondern vor dem Verwaltungsgericht gute Chancen haben. „Wir wollen den Menschen die Angst nehmen, in ihre Heimat abgeschoben zu werden.“

von Till Conrad

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„Maßstäbe für Erstversorgung gesetzt“

Die Entscheidung der Landesregierung, die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Umgehungsstraße zu schließen, ist, so OB Dr. Thomas Spies (SPD), ein „Schlag ins Gesicht“ der mehr als 1000 ehrenamtlichen Betreuer.

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