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„Ohne uns würde alles stillstehen“

Demo der Sozialberufe „Ohne uns würde alles stillstehen“

Kleinere Gruppen, mehr Personal, mehr Geld – Erzieher und Sozialpädagogen verdeutlichten am Donnerstagabend bei Kundgebungen in der Marburger Innenstadt, was alles passieren müsse, um ihre Arbeit attraktiver zu machen.

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Unterstützung für Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter bei der Kundgebung auf dem Marburger Marktplatz gestern Abend: Viele Eltern mit ihren Kindern bewiesen Solidarität.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Birgit Emmerich will Erzieherin werden. Die 49-jährige Marburgerin sitzt am Donnerstagabend am Brunnen auf dem Marktplatz und wartet auf den Zug der Demonstranten, der gerade über den Steinweg hinauf in die Oberstadt unterwegs ist. Ihre Umschulung zur Erzieherin läuft noch, Emmerich will die künftigen Berufskollegen bei ihrer Demonstration unterstützen. „Ja, trotzdem will ich diesen Beruf ergreifen“, sagt sie und lacht. „Diese Frage wird mir dieser Tage häufiger gestellt – aber wissen Sie, ich denke immer, unsere Bildung, das ist doch im Prinzip alles, was wir haben. Deshalb möchte ich diesen Job machen“, erklärt die Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder und einstige Rechtsanwaltsgehilfin, die immer noch viel Lust hat auf Erziehungsarbeit.

Erzieher Demo - Marburg,11 Juni 2015 - Dunja Hilgenberg : Foto / Michael Hoffsteter

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Die späteren Ausführungen des Verdi-Sekretärs Julian Jaedicke auf dem Marktplatz knüpfen zufällig an die Geschichte von Birgit Emmerich an. Er würdigt in seiner Ansprache „alle jene, die einen sozialen Beruf ergriffen haben – und zwar, ohne vorher nachgerechnet zu haben.“ Jaedicke  erntet lauten Applaus.

Respektsbekundungen und breite Unterstützung – die rund 200 Demonstranten, Vertreter der sozialen Berufe aus der Region, spüren gestern Abend viel Rückenwind. So überbringt Tobias Klös schon beim Demonstrations-Auftakt auf dem Blochmann-Platz die Solidaritätsbekundung von der Fachschaft Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität.

Auf dem Markplatz schließen sich Worte von Björn Borgmann vom Betriebsrat des Uniklinikums an. „Was ihr leistet, das ist eigentlich unbezahlbar – und es ist ein Skandal, wie schlecht die sozialen Berufe tatsächlich bezahlt werden“, ruft er den Demonstranten zu. Für Borgmann ist der Streik der Sozial- und Erziehungsberufe nur ein Anfang einer gesellschaftlichen Entwicklung – so heben es auch andere Redner des Abends hervor. Borgmann bringt es auf den Punkt und erklärt eine Sorge des Verbands der kommunalen Arbeitgeber für durchaus berechtigt. „Wenn ihr eure Aufwertung bekommt, geht als nächstes das Pflegepersonal auf die Straße.“

Gleicher Tarif für alle

Dass der Republik ohne die Arbeit der Beschäftigten in den sozialen Berufen der Kollaps drohen würde, führt Erzieherin Dunja Hildenberg zum Auftakt der Demonstration ins Feld: „Ohne uns würde alles stillstehen. Wenn wir alle gleichzeitig kündigen würden, dann würde die Wirtschaft zusammenbrechen, weil die Arbeitnehmer ihre Kinder selbst betreuen müssten und nicht mehr zum Dienst erscheinen könnten“, unterstreicht sie die Wichtigkeit der Sozial- und Erziehungsdienste.

Und Verdi-Sekretär Jaedicke greift ein Thema aus den Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband auf. Es dürfe nicht über ein Bezahlungsgefälle zwischen den Erziehern in der Stadt und auf dem Land diskutiert werden, sagt er und stellt klar: „Für eine qualitativ hochwertige Arbeit muss überall der gleiche Tarif gelten.“

von Carina Becker

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Kundgebung
Rund 200 Erzieher, Sozialarbeiter, Eltern und Kinder zogen am Donnerstagabend demonstrierend durch die Marburger Innenstadt.

Nach einer Auftaktkundgebung am Elisabeth-Blochmann-Platz starteten gestern Abend rund 200 Demonstranten ihren Zug über die Biegenstraße und den Steinweg auf den Marburger Marktplatz.

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