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Ohne Drittmittel weniger Forschung

"Hochschulwatch" Ohne Drittmittel weniger Forschung

Mit 17,5 Millionen Euro hat sich die gewerbliche Wirtschaft im Jahr 2012 am Etat der Philipps-Universität Marburg beteiligt.

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Auch an der Philipps-Universität gehört die Forschungsfinanzierung durch Drittmittel zum Hochschulalltag.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Damit ist die gewerbliche Wirtschaft zu etwa 30 Prozent an den Drittmitteln beteiligt, die die Universität im Jahr 2012 eingeworben hat. Das geht aus einer Veröffentlichung des Internetportals „Hochschulwatch“ hervor.
Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) warnt vor einer immer engeren, undurchsichtigeren Verflechtung von Hochschulen und Unternehmen in Deutschland. Gut 1,3 Milliarden Euro flössen derzeit pro Jahr als sogenannte Drittmittel aus der Wirtschaft an die Unis, doppelt so viel wie vor zehn Jahren. „Wir beobachten, dass zunehmend die Verwertungsinteressen der Wirtschaft die Lehre und auch die Forschung weitgehend bestimmen“, sagte die TI-Vorsitzende Edda Müller.

„Mangelnde Transparenz bei privater Hochschulfinanzierung“

Ein wichtiger Gradmesser für diese Befürchtung sind Stiftungsprofessuren an den Hochschulen. Stiftungsprofessuren sind durch einen privaten Drittmittelgeber teilweise oder komplett finanziert – zum Beispiel Unternehmen, Stiftungen oder der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft. An der Philipps-Universität gab es laut Hochschulwatch Stiftungsprofessuren unter anderem in Psychologie (Volkswagen-Stiftung), Biologie (Bosch), verschiedenen medizinischen Fächern (Deutsche Krebshilfe, Heraeus, Dr. Reinfried-Pohl-Stiftung), aber auch in den Sprachwissenschaften (Deutsche Akademie der Wissenschaften und Literatur).
Müller kritisierte, dass die Hochschulfinanzierung aus dem privat-gewerblichen Bereich bislang noch nicht transparent sei. Drittmittelverträge müssten in der Regel nicht veröffentlicht werden. Sie forderte eine Veröffentlichungspflicht über Kooperationsverträge, regelmäßige Sponsoringberichte und die Einbindung von Hochschulen in die Auskunftspflicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause widersprach dem Bericht. Die Datengrundlage, auf der der Bericht basiere, sei undurchsichtig, so Krause. Das Verfahren zur Einwerbung von Drittmitteln an der Philipps-Universität sei transparent. Die Einwerbung müsse bei den Fachbereichsräten angemeldet werden.

Mittel wichtig für klinische Studien

Anfang des Jahres sind an der Philipps-Universität zudem nach längerer Diskussion „Grundsätze und Verfahrensregeln für den verantwortungsvollen Umgang mit Forschungsfreiheit und Forschungsrisiken“ in Kraft getreten, die auch auf die Diskussion um drittmittel-finanzierte Forschung reagieren (die OP berichtete).
„Ohne Drittmittel würde der Forschungs-Output der Universität markant sinken“, sagte Krause – mit Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze. Drittmittel seien eine wichtige Möglichkeit, Forschung an der Philipps-Universität zu finanzieren.

Insbesondere die Anschaffung von Großgeräten wäre ohne Drittmittel überaus schwierig, sagte die Präsidentin. Am Fachbereich Medizin würden zudem klinische Studien zur Entwicklung neuer Medikamente meist durch Drittmittel finanziert.

von Till Conrad und unseren Agenturen

HINTERGRUND

  • Gemeinsam mit dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) haben 
die Antikorruptionsorganisation Transparency International und die „tageszeitung“ vor zwei Jahren das 
Portal www.hochschulwatch.de gegründet. Seit gestern kann dort nachgeschaut werden, welche Unternehmen an welchen Hochschulen Drittmittel zur Verfügung stellen, Veranstaltungen mitfinanzieren, Stipendien vergeben oder Stiftungsprofessuren unterhalten.
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