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Özhan Cayukli ist einer der 160 besten Jura-Studenten

Stipendium Özhan Cayukli ist einer der 160 besten Jura-Studenten

Realschulabschluss, Makler-Job und nun auf dem Weg zum Professor: Der Marburger Özhan Cayukli ist einer von bundesweit 160 Top-Studenten der "Deutschlandstiftung Integration"

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Jura ist die Leidenschaft von Özhan Cayukli. Dabei deutete in seiner Jugend wenig darauf hin, dass er einige Jahre später auf dem Weg zum Doktor- und Professorentitel ist. „Erfolg haben Migranten nur, wenn sie noch härter arbeiten als andere “, sagt er.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Auf Schule hatte er keine Lust mehr. Damals, 2002, nach dem Einser-Abschluss als Jahrgangsbester schien Özhan Cayukli nichts ferner als der Besuch einer Universität. Raus wollte er, arbeiten. Als Makler verdiente er Geld, nebenbei tüftelte der Technik-Fan an Erfindungen. Mit 16 Jahren baute er einen Hybridmotor mit speziellen Propellern um, hat ein Patent darauf angemeldet. Er werkelt zeitweise an derselben Antriebs- und Batterietechnik wie der Autohersteller Tesla, der die Fahrzeugwelt revolutionieren will und damit Millionengewinne einstreichen könnte. Dann, 2009, fasst der Marburger einen Entschluss: „Ich will Professor werden, in Jura habilitieren“, sagt der heute 28-Jährige.

Fünf Jahre sind seit dem nachgeholten Abitur, der Einschreibung an der Philipps-Universität vergangen. Das erste Staatsexamen hat er - mit Prädikat, also Top-Note - abgeschlossen. Er möchte promovieren, sich dem Unternehmensrecht, speziell dem Pharmarecht widmen. „Die Branche bietet in Marburg und Umgebung viel, da sehe ich eine Berufschance.“ Eine Habilitation werde folgen, sagt er.

Im Eiltempo rast Cayukli, in der Türkei geboren, durch das Hochschulprogramm. Zwei statt drei Jahren brauchte er bereits nur für das Abend-Abitur, nach vier Semestern Jura hatte er alle Leistungsnachweise gesammelt, Zwischenprüfung und Staatsexamen folgten im Nu.

„Ich habe mich schon damals in der Schule schnell gelangweilt. Ich habe mich daran gewöhnt, mehr zu machen als andere“, sagt er. Er lese einen Text und verstehe ihn. Wieso, woher das Talent komme, wisse er selbst nicht. Sein IQ - getestet - liegt bei 143. Ab 130 gilt jemand als hochbegabt.

Erfolg aus eigener Kraft

Die „Deutschlandstiftung Integration“ wurde auf den Marburger aufmerksam. Vorstellung in Frankfurt, Alte Oper. Einladung nach Berlin, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen. „Ihr Ski-Unfall kam dazwischen. Jetzt habe ich, um das Treffen nachzuholen, eine Einladung ins Kanzleramt“, sagt er.

Die Stiftung fördert Migranten, die außergewöhnliche, erfolgreiche Lebenswege beschritten haben, mit Mentorenprogrammen. Ein persönliches Promi-Netzwerk soll ihnen helfen, trotz Vorurteilen gegen ausländische Arbeitskräfte in Unternehmen eine Chance zu erhalten. „Meine Eltern sind nunmal keine Richter oder Anwälte, ich habe keine Beziehungen, die mir etwas erleichtert hätten. Aus meiner Familie bin ich der erste, der je studiert hat“, sagt er.

Seine Vergangenheit, die Einwanderung der Eltern als Gastarbeiter empfindet er als Antrieb. „Ich musste als Ältester unter den Geschwistern immer Verantwortung übernehmen. Und ich will das auch, Vorbild sein, mich richtig verhalten“, sagt er. Eines von „Milliarden Rädchen in einem Uhrwerk“ wolle er sein, um die Welt besser zu machen.

Genervt ist der Marburger von latenter Ausländerfeindlichkeit, die ihm in seinem Leben begegnet ist - ja, man müsse mehr leisten, härter arbeiten, um dieselbe Anerkennung zu bekommen wie Deutsche. Ebenso „bescheuert“ sei jedoch die Tendenz zu einer möglichst aggressiven Abgrenzung von Migranten zu ihren Mitmenschen. „Dass Ausländer eine Schablone loswerden, dafür will ich kämpfen. Man muss kein U-Bahn-Schläger werden, nur weil man sich ausgegrenzt fühlt.“ Er will, dass mehr Migranten aus dem Verteidigungskampf kommen, ihre Möglichkeiten offensiv ausnutzen. „Es gibt nichts fataleres als Desinteresse. Das versaut das Leben“, sagt er. Cayuklis These: „Es gilt, erst das eigene Leben richtig zu machen, bevor man um sich schlägt.“

von Björn Wisker

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