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Obst und Gemüse sind in Kitas Pflicht

Gesundes Essen Obst und Gemüse sind in Kitas Pflicht

Kindgerechtes, ausgewogenes Essen steht nur in jeder dritten deutschen Kita auf dem Speiseplan. Anders in Marburg, dort gibt es laut Stadt täglich Obst und Gemüse.

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Frischer Obstsalat und Gemüsesnacks warten in der großzügigen Küche der Kita Erfurter Straße auf 90 hungrige Kinder. Jasmin und Daniel probieren schon mal zusammen mit Kita-Leiterin Susan Schmeier (von links), Jugendamtsleiter Christian Meineke und Kita-Köchin Anita Naumann.Fotos: Ina Tannert

Marburg. Frühstück, Mittagessen, Nachmittagssnack - täglich erhalten fast 2000 Marburger Kinder einen Großteil ihrer Mahlzeiten in den zahlreichen Kindertagesstätten (Kitas) der Stadt. Ernährungsexperten und Betreuer versuchen dabei, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-stiftung gelingt dies bundesweit lange nicht allen Institutionen. Das Essen in deutschen Kitas ist der Erhebung zufolge nur selten gesund und kindgerecht. Ein Großteil der Kindergärten bietet eine zu unausgewogene Ernährungsgrundlage an. Zu oft Fleisch, zu wenig Fisch oder Obst und Gemüse stehen auf den Speiseplänen, so die Untersuchung mit dem Titel „Is(s)t Kita gut?“(die OP berichtete).

Diese häufig gravierenden Mängel in der kindgerechten Ernährung soll es in Marburg nicht geben, ist die Stadtverwaltung überzeugt und hat strenge Regeln für die Kita-Küchen aufgestellt. Mehr als 1860 Mittagessen landen jeden Tag auf den Tellern der Kindergärten. Die Stadt verfügt über rund 50 Tageseinrichtungen für Kinder, bei 16 davon ist die Stadt der alleinige Träger. Diese hat die OP genauer in Augenschein genommen: Tatsächlich kochen überdurchschnittlich viele städtische Kitas täglich selbst komplette Menüs, über die Hälfte verfügt über eine ausreichend große Küche. Das ist weit mehr als der von der Bertelsmannstiftung ermittelte Bundesdurchschnitt.

Auch die Einrichtungen, die aufgrund fehlender Ausstattung das Mittagessen liefern lassen oder auf Tiefkühlkost zurück greifen, peppen jede Mahlzeit mit frischen Produkten auf, teilen die örtlichen Kindergärten mit. „Marburg ist bundesweit ganz vorne beim Thema Ernährung, das ist schon städtische Tradition“, betont Christian Meineke, Fachbereichsleiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie. Dabei achten die Küchen äußerst genau auf die tägliche gesunde Dosis an Gemüse und Obst für ihre Schützlinge.

Die Stadt lege Wert auf die richtige Herkunft und Zubereitung. Bereits Ende 2005 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass in den städtischen Einrichtungen nur noch Bio- oder regionale Produkte verwendet werden dürfen, teilt die Verwaltung mit. Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind verboten. Pro Woche kommt nicht mehr als zweimal Fleisch und mindestens einmal Fisch auf den Teller. Der Großteil der Kitas verwendet hauptsächlich ökologisch erzeugte Produkte. Auch die Einrichtungen in freier Trägerschaft werden dazu angehalten und erhalten von der Stadt einen zusätzlichen Zuschuss für Bio-Produkte, teilt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) mit.

Kinder dürfen denSpeiseplan mit erstellen

Das Kochen in den großen Kita-Küchen übernehmen in der Regel nicht die Erzieher, sondern ausgebildete Fachkräfte. Neben einer gesunden, kindgerechten Ernährung hat eine eigene Küche einen weiteren Vorteil: Die Kinder nehmen so aktiv am Tagesgeschehen teil, werden bei der Zubereitung des Essens und beim Erstellen des Speiseplans mit einbezogen und lernen die Herkunft und Zubereitung der Produkte kennen. „Wir wollen bewusste Ernährung als Teil des Erziehungskonzeptes stärken“, sagt Kahle.

Täglich gesundes Essen kostet jedoch auch mehr Geld. Dafür springt die Stadt für die höheren Kosten ein, stellt für das Kita-Essen mehr Mittel als üblich zur Verfügung und bezuschusst jedes Essen mit zwei Euro. Die Eltern zahlen pro Kita-Mahlzeit ihrer Kinder etwa drei Euro, nicht viel mehr als der Bundesdurchschnitt.

Die Lebensmittelkosten- und Personalkosten pro Mittagessen in den Kitas mit eigener Küche betragen somit etwa fünf Euro, teilt die Verwaltung mit. Dies sind nur 50 Cent mehr als beim Lieferservice. Im Bundesvergleich zahle die Universitätsstadt somit überdurchschnittlich viel für ihre Kitas, erklärt Stefanie Lambrecht von der Fachdienstleitung der städtischen Kinderbetreuung und begründet es so: „Das ist einfach eine Einstellungssache, Marburg ist bei der Ernährung eben konsequent“.

Beispiel-Speiseplan

Der Speiseplan der Kita an der Erfurter Straße sah Ende Mai so aus:

Montag: Salami- oder Margaritapizza und Eisbergsalat. Nachtisch: Schokopudding

Dienstag: Hähnchen- oder Gemüsecurry mit Reis und Kopfsalat. Nachtisch: Obst

Mittwoch: Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Knabbergemüse mit Dip

Donnerstag war Feiertag

Freitag: Fischburger mit Gurke und Röstzwiebeln. Nachtisch: Eis

Vor- und nachmittags nach Bedarf: Belegte Brote, Gemüse-Snacks und Obststückchen

von Ina Tannert

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