Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Oberster Strahlenschützer der Republik

Studium und Promotion in Marburg Oberster Strahlenschützer der Republik

Professor Joachim Breckow stellt den Schutz vor unnötiger medizinischer Bestrahlung, vor Radon und UV-Strahlen in den Fokus seiner Arbeit.

Voriger Artikel
Zeltlager und Reisen in ferne Länder
Nächster Artikel
Förderung und Integration sind Fremdwörter

Joachim Breckow ist in den Vorsitz der Strahlenschutzkommission berufen worden.

Quelle: Martin Schäfer

Marburg. Eigentlich sollte das Studium in Marburg für den Ostfriesen Joachim Breckow ein Intermezzo bleiben. „Doch dann bin ich in der WG hängen geblieben“, sagt Breckow. Die WG war willkürlich zusammengewürfelt. „Wir kannten uns nicht.“ Das war in diesem Fall wohl ein Vorteil fürs Zusammenwohnen, denn das klappte prima. Enge Freundschaften entstanden. „Wegen der WG im Südviertel, gleich beim Café Klingelhöfer, und Marburg bin ich dann hier geblieben.“ Aus dem Intermezzo wurden acht Jahre, in denen Breckow Physik studierte. In Biologie wurde er promoviert. Das war noch im alten Jahrtausend.

Mittelhessen muss der Ostfriese dann doch lieb gewonnen haben: In Grünberg wohnen er und seine Familie mitten im Vogelsberg. An der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lehrt der mittlerweile 61-Jährige Physik und Strahlenschutz. Mit der Uniklinik Marburg arbeiten

Breckow und seine vier Professorenkollegen vom Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz der THM, Gießen, in Projekten etwa zur Dosisverteilung in der Strahlentherapie zusammen. Jetzt hat ihn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (CDU) in den Vorsitz der Strahlenschutzkommission berufen. Das ist ein Ehrenamt. Und für einen Strahlenphysiker die höchste Auszeichnung. Die 18-köpfige Strahlenschutzkommission berät die Bundesregierung in allem, was strahlt. Und das ist ziemlich viel. Die Bandbreite reicht von nuklearer Strahlung von Atomkraftwerken, deren Rückbau hierzulande und der Endlagerung, Strahlung von Handys und Handymasten, Röntgenstrahlung beim Arzt etwa in der Brustkrebsvorsorge und die Strahlenbelastung beim Fliegen insbesondere auf Piloten und Flugbegleitung.

In der Regel tritt die Kommission erst durch einen Beratungsauftrag durch die Bundesumweltministerin in Aktion. „Unsere Arbeit ist aber nicht politisch geprägt“, sagt Breckow. Was zählt, ist die Wissenschaft. Da habe sich die Strahlenschutzkommission als unabhängiges Gremium einen guten Namen erarbeitet. In sieben Ausschüssen und etlichen Projektgruppen arbeiten rund hundert Wissenschaftler für die Kommission.

Jürgen Trittin löste Gremium 1998 auf

Dennoch sind politische Verwerfungen der Strahlenschutzkommission nicht unbekannt. Im Kampf um die Atomkraft wurde sie zum Spielball der Politik: Im Jahr 1998 löste der frisch gebackene Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) das Gremium kurzerhand auf. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) war verstimmt, da Trittin das nicht mit ihm abgesprochen hatte. Ein Jahr später setzte der erste grüne Bundesumweltminister die Kommission wieder ein, „um die in der Fachwelt unterschiedlichen Auffassungen ausgewogener zu repräsentieren“, wie es damals hieß. Da war dann auch Joachim Breckow als einfaches Kommissionsmitglied erstmals dabei.

Heute liegen Breckow drei Aspekte am Herzen: das Vermeiden unnötiger Strahlenexposition in der Medizin sowie der Schutz vor Radon und UV-Strahlen. „Deutschland ist das röntgenfreudigste Land der Welt“, sagt Breckow. 150 Millionen Aufnahmen werden hierzulande jährlich gemacht. „Das gilt es zu reduzieren, ohne die Qualität der medizinischen Versorgung einzuschränken“, fordert der Strahlenphysiker.

Radon ist ein radioaktives Element, das auf natürliche Weise im Gestein vorkommt. Aus dem Boden kann es in Kellerräume gelangen und erhöht dort die natürliche Radioaktivität. „In Mittelhessen liegen die Werte im mittleren Bereich, im Odenwald und Vogelsberg etwas höher“, sagt der Strahlenschützer. Mit einer schlichten Folie unter der Bodenplatte eines neuen Gebäudes ließe sich die Gefahr schon bannen. Doch insgesamt sei das Risiko nicht allzu hoch. Durch Grenzwerte hat sich die Strahlenbelastung in vielen Lebensbereichen reduziert; das Schutzniveau ist hoch, sodass man sich jetzt auch der geringen Gefahren annehmen kann.

Im Sommer gegen UV-Strahlen schützen

Gefragt, wie er sich selbst gegen Strahlen schütze, meint Breckow, er verhalte sich im Alltag wie jeder andere auch. Doch halt, eine Sache sei noch wichtig: Im Sommer oder an grellen Sonnentagen gelte es, sich gegen die UV-Strahlen zu schützen. Der Körper gehört mit langer Kleidung und Hut bedeckt. Und Solarien sollte man möglichst meiden. Doch das hat man ja selbst in der Hand.

von Martin Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr