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Oberstadt bekommt Flüchtlings-Heim

Umbau im Hainweg Oberstadt bekommt Flüchtlings-Heim

Ein ehemaliges Seniorenheim am Hainweg in der Oberstadt soll zu einer Flüchtlings-Unterkunft werden. Bis zu 100 vom Land zugewiesene Asyl-bewerber könnten künftig darin leben.

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In dem ehemaligen Seniorenheim am Hainweg in der Oberstadt könnten nach Plänen des Magistrats künftig Dutzende zugewiesene Asylbewerber längerfristig untergebracht werden.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Das Gebäude, die bislang vorhandenen 45 Zimmer, werden nach OP-Informationen bereits umgebaut. Voraussichtlich können in dem Haus 80 bis 100 Personen untergebracht werden. Der Magistrat bestätigt in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Stadtparlament das Vorhaben.  Die Stadt befinde sich in Vertragsverhandlungen mit dem neuen Investor des ehemaligen Altenheims, welcher der Stadt das Haus zur Unterbringung von Flüchtlingen angeboten habe, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Weitere Planungsschritte und ein mögliches Einzugsdatum seien  noch nicht festgelegt, sagte die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters, Elke Siebler, auf OP-Anfrage. Fest steht laut Spies aber, dass am Hainweg vor allem Familien und alleinreisende Frauen untergebracht werden sollen.

Die Unterbringung in dem Objekt am Hainweg ist nicht unumstritten: „Ob die Unterbringung so vieler Leute an einem Ort noch zum Vorhaben eines dezentralen, kleinteiligen Konzepts zählt, ist doch sehr zweifelhaft“, sagt Henning Köster (Marburger Linke).

Einige Marburger äußerten inzwischen  Skepsis über die Standortwahl, da sich entlang des Hainwegs die Häuser mehrerer Studentenverbindungen befinden: Alemannia, Palatia, Thuringia und die jeweils pflichtschlagenden Nibelungia und Corps Teutonia. Keine der Organisationen gehört jedoch dem umstrittenen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ an – diese sorgte vor wenigen Jahren unter anderem mit der Debatte um einen Arier-Paragrafen für Aufsehen. Die Hainweg-Verbindungen gelten als liberal bis gemäßigt. Spies kann solche Bedenken nicht teilen:  „Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass farbentragende Studenten sich wie alle anderen an Recht und Gesetz halten und unseren Gästen – im Sinne der Marburger Bleibekultur – mit angemessenem Respekt und Freundlichkeit begegnen“, sagt der OB. Sein Eindruck sei zudem, dass „in den Verbindungen besonderer Wert auf Umgangsformen und Konventionen gelegt wird“.

Nach Angaben des Magistrats leben derzeit rund 400 Asylbewerber in Marburg.  Die vom Land zugewiesenen Männer, Frauen und Kinder wohnen in Gebäuden, die in der gesamten Stadt inklusive der Außenstadtteile verteilt sind.
Nach OP-Informationen laufen derzeit rund 300 Mietverträge auf die Stadt, weitere 100 Verträge haben Privatpersonen mit Asylbewerbern geschlossen. 115 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben in mehreren Wohngruppen, in der Erstaufnahme sind es zurzeit etwa 600.

Neben dem Haus in der Oberstadt prüft der Magistrat nach OP-Informationen die Asylbewerber-Unterbringung in einer Immobilie in der Mauerstraße nahe des Hauptbahnhofs.

Die FDP kritisiert den Umgang des Magistrats  mit den Plänen. „Gerade bei einem solchen sensiblen Thema wäre es angebracht gewesen, die Bevölkerung früh zu informieren“, kritisierte Marburgs FDP-Chef Christoph Ditschler.

Nur mit Transparenz und Kommunikation könne die Herausforderung der Integration gelingen.

von Björn Wisker
und Till Conrad

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