Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Oberstadt-Plakate: Störer sollen raus

Aktion Oberstadt-Plakate: Störer sollen raus

Denk-Zettel als Dank: Das Ordnungsamt verteilt diesmal keine Knöllchen, sondern Plakate und Flyer an die Geschäftsleute in der Oberstadt. Diese geben die ungewöhnlichen „Danke“-Zettel an ihre Kunden weiter.

Voriger Artikel
Augenklinik wird Pharmazie-Standort
Nächster Artikel
Gasalarm in der Marburger Oberstadt

Mit diesem Plakat soll für mehr Ruhe in der Oberstadt geworben werden.

Quelle: Grafik: MorgenWelt, Kommunikation & Verlags GmbH

Marburg. Betrunken, aggressiv, laut und dreckig: Wer so durch die Stadt zieht, ist nicht willkommen. Die Oberstadt-Bewohner und Geschäftsleute sagen seit Längerem, dass sie sich abends mehr Ruhe, Ordnung und Sicherheit wünschen. Nun versuchen die Oberstädter sich mit einer neuen Methode, ihren Wunsch zu erfüllen.

Sie rufen die Besucher in der Oberstadt mit einer provokanten Plakat- und Flyeraktion auf, sich zu benehmen. Der Magistrat der Stadt Marburg ist Initiator der Aktion, die vom Werbekreis Oberstadt mit unterstützt wird.

„Wir arbeiten als Stadt derzeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen an der Situation in der Oberstadt. Die Plakate sollen den Spiegel vorhalten, zur Einsicht der Bürger aufrufen, auf das Nachdenken statt allein auf Eingriffsverwaltung setzen“, erklärt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf Anfrage der OP.

Die Idee, die ursprünglich aus Aschaffenburg kommt, habe dankenswerter Weise ein Bürger der Stadt an ihn herangetragen. Gearbeitet wird für die Plakate mit leicht verständlichen Texten in gelber Schrift auf schwarzem Grund. „Danke, dass du dir die Mühe machst, diesen Text zu lesen“, heißt er unter anderem. „Unserer Erfahrung nach gehörst du also auch zu denen, die wissen, was Vernunft und Respekt bedeutet. Wir danken dir für die ganz tollen Partys, die wir mit dir gefeiert haben und für dein respektvolles Verhalten in und außerhalb der Clubs, Gaststätten und Diskotheken“, richtet sich die Aktion an ein junges Publikum.

„Du sprichst sogar andere an, die sich nicht an die Spielregeln halten“, wird auf positive Vorbildfunktion gesetzt. „Wir wollen dazu anregen, das eigene Verhalten selbst kritisch zu hinterfragen und uns bei allen bedanken, die sich vernünftig verhalten, die darauf achten, dass in der Oberstadt auch Menschen wohnen“, betont der Oberbürgermeister.

Eine Passage für die „Idioten“

Aber – und jetzt kommt das Provokative an der Sache – es gibt auch eine Passage für die „Idioten“: „Benimm dich oder bleib zu Hause! Bis Mutti dich erzogen hat“.

Diese Passage können diejenigen, die sich den besagten Dank verdient haben, ignorieren.

Insgesamt gehen für Marburg 1 000 Postkarten in den Druck. Hinzu kommen 600 Plakate, die in den nächsten Tagen den Besuchern in der Stadt auffallen werden. Die Reaktionen unter den Geschäftsleuten sind bisher positiv. „Wir finden die Aktion schwierig, aber gut, und das Plakat sehr gelungen“, erklärt eine Geschäftsfrau aus der Oberstadt. Sie hat mehrere hundert Postkarten bestellt, um diese mit den Einkaufstüten an ihre Kundschaft zu verteilen. Die Stadt stellt die Karten kostenfrei zur Verfügung.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Oberstadt
Spurensicherung nach der tödlichen Messerstecherei Mitte Oktober am Schuhmarkt. Archivfoto

Anwohner contra Konfliktforscher der Universität: Während Bewohner Gewaltprobleme benennen, erkennen Forscher keine Hinweise auf eine eskalierende Entwicklung.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr