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Oberbürgermeister Egon Vaupel: Nach 18 Jahren ist nun Schluss

Die Amtszeit im Zeitraffer Oberbürgermeister Egon Vaupel: Nach 18 Jahren ist nun Schluss

Am 30. November endet die Amtszeit von Egon Vaupel als Oberbürgermeister der Stadt Marburg. Er war 18 Jahre hauptamtliches Magistratsmitglied. Einige markante Stationen von Vaupels Amtszeit.

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Blick zurück: Der Sozialdemokrat Egon Vaupel war 18 Jahre lang Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt Marburg. Am Montag hat er seinen letzten Arbeitstag

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der gebürtige Schlierbacher wohnt seit 1972 in Marburg, war ehrenamtlich unter anderem in der SPD Richtsberg aktiv. Ausgerechnet die Niederlage des SPD-Bewerbers und Bürgermeisters Dr. Gerhard Pätzold gegen Dietrich Möller markiert den Startschuss der hauptamtlichen Politik-Karriere von Egon Vaupel.

1993

Nach der Wahl von Dietrich Möller (CDU) zum Oberbürgermeister beschließt die SPD Marburg eine Zusammenarbeit mit den Grünen. Die SPD-Fraktion folgt diesem Beschluss jedoch nicht; Abweichler sind unter anderem Christa Czempiel, Reinhold Becker, Hans-Joachim Wölk und Arno Niekamp.

1996

Die Liste der SPD zur Kommunalwahl berücksichtigt die „Abweichler“ der rot-grünen Parteilinie nicht mehr. Parteichef Norbert Schüren setzt auf den früheren SPD-Ortsvereinsvorsitzenden vom Richtsberg, Egon Vaupel, als künftigen starken Mann, der Rot-Grün verkörpern soll.

1997

Vaupel setzt sich auf einem Parteitag als SPD-Kandidat für den Bürgermeisterposten gegen Stadtrat Professor Jürgen Gotthold durch. Er wird in der Folge vom Stadtparlament zum Bürgermeister gewählt. Er erhält sämtliche Stimmen von SPD und Grünen. Gleichzeitig wählt das Parlament Ulrike Kober (Grüne) zur Stadträtin. Die Ära der rot-grünen Koalition im Marburger Stadtparlament beginnt. Sie dauert bis heute und ist damit die „dienstälteste“ in Hessen.

1998

Zu Beginn seiner Amtszeit wird Vaupel im politischen Raum oft belächelt, vor allem wegen seiner zunächst eher hölzernen Reden. Bei den Bürgern kommt der Bürgermeister aber gut an. Politisches Geschick beweist er unter anderem mit einem Programm zur Schulumfeldgestaltung. Sein anfänglich schlechtes Verhältnis zu Oberbürgermeister Dietrich Möller verbessert sich im Laufe der Jahre.

1999

Vaupel unterliegt bei der Oberbürgermeister-Direktwahl knapp gegen Amtsinhaber Dietrich Möller.

2001

Ulrike Kober (Grüne) wird von der rot-grünen Koalition als Stadträtin abgewählt. Ihr Nachfolger wird Dr. Franz Kahle.

2002

Das Aquamar, Vaupels wichtigstes Projekt als Baudezernent, wird eröffnet.

2003

Vaupel wird vom Stadtparlamente als Bürgermeister wiedergewählt.

2005

Vaupel wird bei der Direktwahl zum Oberbürgermeister gewählt. Dr. Franz Kahle folgt ihm in das Amt des Bürgermeisters, Dr. Kerstin Weinbach wird Stadträtin.

2005

Aufgrund eines Beschlusses des Hessischen Landtages werden die bisher eigenständigen Universitätskliniken Marburg und Gießen zum Universtätsklinikum Gießen und Marburg“ fusioniert und später privatisiert.

2006

Maßgeblich auf Initiative von Vaupel wird der Runde Tisch der Religionen in Marburg ins Leben gerufen. Hier treffen sich Mitglieder verschiedener Religionsgemein-schaften, die in Marburg zu Hause sind, zu regelmäßigem Austausch. Dazu gehören Vertreter aus dem Christentum, dem Islam und dem Judentum, der Baha‘i-Religion und dem Buddhismus.

2007

Der Magistrat verhängt nach monatelangen Diskussionen ein nächtliches Alkoholverbot im Bereich des Elisabeth-Blochmann-Platzes .

2009

Das Krisenjahr der Koalition: Teile der SPD-Fraktion versuchen, die Koalition mit den Grünen zu beenden und führen Geheimgespräche mit Vertretern der CDU. Vaupel setzt durch, dass die Koalition mit den Grünen fortgesetzt wird. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhold Becker verliert in Folge der Auseinandersetzungen sein Amt.

2011

In der Stadtkasse entsteht ein Millionenschaden, weil ein Mitarbeiter der Beihilfestelle über Jahre große Summen unterschlagen kann.

2011

Bei der Oberbürgermeisterwahl wird Vaupel im ersten Wahlgang mit knapp 60 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach werden im Herbst vom Stadtparlament in ihren Ämtern bestätigt. Weinbach kündigt an, nur halbtags als Stadträtin arbeiten zu wollen.

2012

Der Marburger Ehrenbürger Dr. Reinfried Pohl bedenkt die Stadt mit einer Spende in Höhe von 4 Millionen Euro. Eine Million davon ist für soziale Projekte gedacht, drei Millionen für den Bau eines Schrägaufzugs zum Schloss. Erst 2014 wird klar, dass der Bau kurzfristig nicht verwirklicht werden kann. In den letzten Tagen seiner Amtszeit einigt sich Vaupel mit den Erben des inzwischen verstorbenen Ehrenbürgers über eine alternative Verwendung der Spende.

2012

Der Versuch der rot-grünen Koalition, die Stelle der Stadträtin zu teilen, scheitert. Trotz eines gegenteiligen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung teilt Vaupel mit, dass er aus rechtlichen Gründen das Bemühen um eine Stellenteilung einstellt. Stelleninhaberin Dr. Kerstin Weinbach arbeitet künftig dennoch nur noch halbtags. Vaupel übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz in der Marburger Altenhilfe und das Sozialdezernat.

2013

Die Marburger Stadthalle wird ab Oktober komplett umgebaut. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit, ob die Stadthalle nicht besser an anderer Stelle neu gebaut wird. Aus den zunächst geplanten 26 Millionen Euro Umbaukosten werden schon vor Beginn der Bauarbeiten 28,5 Millionen Euro, Ende 2015 spricht der Magistrat von gut 35 Millionen Euro Baukosten.

2013

Vaupel erleidet Ende Oktober einen Herzinfarkt. Seine Ärzte raten ihm an, deutlich kürzer zu treten. Vier Wochen nach dem Infarkt ist Vaupel aber schon wieder im Rathaus.

2014

Vaupel gibt seinen vorzeitigen Rückzug vom Amt des Oberbürgermeisters bekannt. Sein Nachfolgekandidat Matthias Acker wirft wenige Wochen nach seiner Nominierung aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch. Stattdessen tritt der Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Spies an, der in der Stichwahl am 28. Juni 2015 mit knapp 60 Prozent der Stimmen gewählt wird und Vaupel am 1. Dezember nachfolgt.

2015

In seinem letzten Amtsjahr gibt Vaupel bekannt, dass die Stadt Marburg eine Gewerbesteuernachzahlung von mehr als mehr als 40 Millionen Euro erhält. Netto verbleiben Damit vermeidet Vaupel auch, dass sein letzter Haushalt nicht ausgeglichen werden kann. Er schließt stattdessen mit einem satten Plus von 23,5 Millionen Euro.

2015

Die letzten Monate in der Amtszeit von Vaupel sind geprägt von dem Umgang der Stadt mit Flüchtlingen. Die Einrichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung ab Anfang Juli begleitet der OB mit starkem persönlichen Engagement. In Marburg engagieren sich hunderte von Menschen in der Betreuung dieser Flüchtlinge. Zum Ende der Amtszeit von Egon Vaupel können fast alle Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Umgehungsstraße in winterfesten Holzunterkünften schlafen.

von Till Conrad

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