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Obduktionsergebnis erst nächste Woche

Frühchen-Exhumierung Obduktionsergebnis erst nächste Woche

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es weitere Versuche gegeben hat, Frühchen mit Narkosemitteln zu töten.

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Grab eines Frühchens auf dem Marburger Hauptfriedhof. In Willingshausen wurde ein Frühchen exhumiert.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Mit der Exhumierung eines Babys am Freitag in Willingshausen im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis erhält die Befürchtung neue Nahrung, dass eine Krankenschwester in der Kinderklinik des UKGM in mehreren Fällen unbefugt Narkosemittel an Frühchen gegeben haben soll.

Indes ist nach den bisherigen Ermittlungen nur sicher, dass ein Frühchen, das überlebte, Opfer einer Narkosemittel-Attacke geworden ist. Ob dies auch im Fall des am Freitag exhumierten Kindes, das im Dezember gestorben ist, zutrifft, muss erst die Obduktion zeigen. Frühestens im Lauf der nächsten Woche soll das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung vorliegen.

Ob es Hinweise auf weitere Verdachtsfälle gibt, ließ die Staatsanwaltschaft offen. Eine weitere Exhumierung sei aber nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge „nicht konkret angedacht“, sagte die Sprecherin des Staatswanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg, am Freitag der OP. Zweierlei steht nach den bisherigen Erkenntnissen fest:

* Zufällig sind die Narkosemittel nicht in den Körper des Babys oder der Babys gekommen.

*  Die Staatsanwaltschaft geht nach wie vor von einer einzigen Täterin aus, wie Sehlbach-Schellenberg sagte. Der Tatverdacht sei dringend, auch wenn die Verdächtige bisher nicht gestanden habe.

Bei den im Blut des Frühchens nachgewiesenen Narkosemitteln handelt es sich um Dormicum und Ketamin. Nach OP-Recherchen werden beide Mittel auch in der Kinderklinik des UKGM eingesetzt. Ketamin kann das Schmerzempfinden stark mindern und Bewusstlosigkeit hervorrufen. Es wird auch als Rauschdroge missbraucht. Dormicum findet Verwendung unter anderem als angstlösender und schlaffördernder Wirkstoff.

Bisher keine Tötungen auf Frühchenstationen bekannt

Beide Wirkstoffe fehlten nach OP-Informationen im Medikamentenschrank, in dem die Mittel aufbewahrt werden, die auch in der Frühchenstation eingesetzt werden.

Die Ärzte der Kinderklinik hatten die Vergiftung am vergangenen Freitag aufgedeckt, nachdem sich der Gesundheitszustand eines Frühchens zwischenzeitlich deutlich verschlechtert hatte. Die Klinik erstattete daraufhin Anzeige und arbeitet seitdem eng mit der Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung der grausamen Fälle zusammen.

Bislang handelt es sich nur um einen Verdacht. „Es gilt die Unschuldsvermutung gegenüber Beschuldigten bis zum Beweis des Gegenteils“, betonte UKGM-Sprecher Frank Steibli.

Laut Deutscher Presse-Agentur können sich Fachleute an keinen Fall erinnern, in dem es Tötungsversuche oder Tötungen auf Frühchenstationen gab. - anders als in Pflegeheimen oder auf Intensivstationen. „Die Bindung des Pflegepersonals zu den Patienten ist auf der Frühchenstation besonders eng“, sagt der Ärztliche UKGM-Direktor Professor Harald Renz. Über mögliche Motive schweigt die Staatsanwaltschaft aber bisher.

Pflegepersonal, das ihm anvertraute Patienten verletzt oder tötet, könnte nach Einschätzung des Wiesbadener Kriminologen Rudolf Egg aus Mitleid gehandelt haben. Als Motiv komme die wohlmeinende, wenn auch irregeleitete Absicht zu helfen infrage, sagte Egg der Deutschen Presse-Agentur.

„Man meint, eingreifen zu müssen, wenn es andere nicht tun.“ Meist seien Männer die Täter, aber wenn Frauen töten, sei das Entsetzen größer, sagte Egg, der bis 2014 die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden leitete.

von Till Conrad und unserer Agentur

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Verdächtige bleibt in Haft

Im Fall der schweren Medikamentenvergiftung bei einem in der Marburger Kinderklinik geborenen Frühchen hat die Staatsanwaltschaft in Marburg noch keine neuen Erkenntnisse.

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