Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Obama ist der Chef von Amerika

Leichte Sprache Obama ist der Chef von Amerika

Kurze Sätze, kein Konjunktiv, keine Fremdwörter - Einfache Regeln, die Texte nicht nur für Menschen mit Lernschwächen verständlicher machen, sondern auch für alle anderen. Am Samstag ist Tag der Deutschen Sprache - ein gute Anlass, über Leichte Sprache zu sprechen.

Voriger Artikel
Solidarität mit den Terror-Opfern im Irak
Nächster Artikel
Ganz ohne Esoterik geht es nicht

Das Wort Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz kann man zusammenschreiben. Wer verstanden werden will, sollte es sein lassen.

Quelle: Britta Pedersen

Marburg. Auf der Webseite des Hessischen Ministeriums für Inneres und Sport gibt es nicht nur einen Link zur englischen Übersetzung der Seite. Es gibt auch einen Link zu Informationen in Leichter Sprache. Wer mit den Texten, die täglich in der Oberhessischen Presse erscheinen, zurecht kommt, wird sich fragen, wer Leichte Sprache braucht. Manche Leser schreiben uns sogar Briefe, wenn wir „Obama ist der Chef von Amerika“ schreiben - den Genitiv vermeiden oder inhaltlich stark vereinfachen.

Entwickelt wurde die Leichte Sprache in erster Linie für Menschen mit Lernschwierigkeiten - besser bekannt als Menschen mit geistiger Behinderung. Aber auch Demenzkranke und Menschen, für die Deutsch eine Fremdsprache ist, bekommen mit der Übersetzung in Leichte Sprache eine Hilfe, sich im gesellschaftlichen Leben zurechtzufinden.

Nicht nur Grammatik und Wortschatz, sondern auch Layout zählen

Henrik Nolte ist Fachreferent im Marburger Zentrum für Leichte Sprache. In Zusammenarbeit mit Behörden und sozialen Einrichtungen übersetzen er und seine Kollegen „normales“ Deutsch in Leichte Sprache. Normalerweise, so Nolte, gehe es um Informationen, die mit der Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen zu tun haben: „Wie beantrage ich den Behindertenausweis? Wie nutze ich den Fahrdienst? Auch Broschüren zum Beispiel über das Halten von Haustieren oder gesunde Ernährung gibt es in Leichter Sprache.

Dabei geht es nicht nur um Grammatik und Wortschatz, sondern auch um die Gestaltung der Texte: Die Schrift ist groß. Nach jedem Satz beginnt in der Leichten Sprache eine neue Zeile. Die Texte werden durch Strichlisten, Zwischenüberschriften und Grafiken gegliedert; Komposita mit Bindestrich geschrieben. Den Grafiken kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: „Menschen, denen das Lesen schwerfällt, haben vor langen Texten auch Angst. Bilder machen das Lesen angenehmer und unterstützen beim Verstehen und Merken“, erklärt Nolte.

So weit sind das alles Regeln, die grundsätzlich auch für Gebrauchstexte in der Zeitung gelten. Nolte und seine Kollegen halten sich aber konsequenter daran als Journalisten. Und wenn sie es nicht machen, erscheinen die Texte nicht in Leichter Sprache. Zu den Regeln gehört nämlich auch, dass die Texte von Zielgruppenvertretern probegelesen werden. „Wir schulen Behinderte darin, Texte zu prüfen“, sagt Nolte. Viel gebe es dabei allerdings nicht zu schulen. Sie müssten vor allem lernen, ehrlich zu sagen, wenn sie den Text nicht verstehen. „Es ist in Ordnung, wenn jemand etwas nicht versteht. Das heißt nicht, dass er dumm ist. Das heißt nur, dass der, der spricht, sich mehr Mühe geben muss.“

In der vergangenen Woche haben in Marburg 16 sozialpädagogische Fachkräfte eine einjährige Fortbildung zum Thema Leichte Sprache begonnen. In den Seminaren der Lebenshilfe Hessen werden sie lernen, wie sie Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten Informationen leichter vermitteln können.

Viele weitere Informationen finden Sie zum Beispiel unter www.leichtesprache.org

Aktionstag zum Tag der Sprache:

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe, der Landesverband Hessen und die Down-Syndrom-Initiative des Ortsvereins Marburg laden am Samstag von 11 bis 14 Uhr zu einem Familientag auf dem Marburger Marktplatz vor dem Rathaus ein. Was braucht eine familienfreundliche Gesellschaft? Über diese Frage möchten sich die Veranstalter mit Bürgern, Touristen und Passanten austauschen. Sie wollen außerdem deutlich machen, wie wichtig die Leichte Sprache für eine barrierefreie Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist. Dazu gibt es ein Gewinnspiel, bei dem jeder testen kann, wie gut er sich bei der Leichten Sprache auskennt.

Ein Beispiel für Leichte Sprache:

Die Teilnehmer des Seminars haben den Aufmacher-Text aus der Freitagsausgabe der Oberhessischen Presse bearbeitet. Exemplarisch haben sie einige Begriffe erklärt, über die viele Menschen stolpern würden:

Barack Obama

Herr Obama ist der Präsident von Amerika.

Das bedeutet: Er ist der Chef.

Er entscheidet alle wichtigen Sachen.

Frank-Walter Steinmeier

Herr Steinmeier ist ein Politiker in Deutschland.

Er ist Außen-Minister.

Das bedeutet: Er reist oft in andere Länder.

Dort spricht Herr Steinmeier mit anderen Politikern und Politikerinnen.

Die Gruppe Islamischer Staat

Die Abkürzung für Islamischer Staat ist: IS

Man spricht es: i es.

Die Gruppe IS will ein eigenes Land haben.

Deshalb macht sie Krieg.

Die Gruppe IS hat strenge Regeln.

Alle Menschen sollen sich an die Regeln halten.

Die Gruppe IS tötet Menschen, die sich nicht an die Regeln halten.

Sie haben darum schon viele Menschen getötet.

Naher Osten

Naher Osten sind bestimmte Länder.

Sie sind weit weg von Deutschland.

Die Länder heißen zum Beispiel:

  • Irak
  • Syrien das spricht man: Süri-en
  • Iran

Dieses Beispiel ist aus folgenden Gründen keine echte Leichte Sprache: Die Schriftgröße ist zu klein. Der Text wurde nicht von Zielgruppenvertretern probegelesen. Erst nach diesem Test ist Leichte Sprache offiziell Leichte Sprache.

von Thomas Strothjohann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Katharina Kaufmann

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr