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OB-Wahl: Alle gegen Videoüberwachung

Podiumsdiskussion OB-Wahl: Alle gegen Videoüberwachung

Oberstadt-Sicherheit, Seilbahn-Pläne, Windräder-Ausbau: Während der Fragestunde des Verkehrs- und Verschönerungsvereins erläuterten vier der sechs Oberbürgermeister-Kandidaten ihre Haltung zu den Politikbereichen.

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Vier der sechs Oberbürgermeister-Kandidaten – Dr. Thomas Spies (von links, in der Mitte: Hans-Christian Sommer) , Dr. Elke Neuwohner, Dirk Bamberger und Jan Schalauske – stellten sich den Fragen von Besuchern im Cineplex auf dem Podium, die beiden anderen – Marius Beckmann und Rainer Wiegand – äußerten sich aus der Mitte der rund 100 Besucher.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Rund 100 Besucher haben die Schilderungen der Kommunalpolitiker am Sonntag im Cineplex-Kino gehört. Das Konzept, dass Vereinsvorsitzende fragen und die OB-Amtsbewerber antworten, ging nur bedingt auf - vor allem die Vertreter der Piratenpartei und den Satirikern von „Die Partei“ stellten Fragen, sorgten für Kontroversen unter Dr. Thomas Spies (SPD), Dirk Bamberger (CDU), Dr. Elke Neuwohner (Grüne) und Jan Schalauske (Linke). Für jede Frage blieb ihnen eine Minute Antwortzeit.

Sicherheit in der Oberstadt

„Amtsinhaber Egon Vaupel hat sich vorbildlich um die Sicherheit in der Stadt gekümmert, siehe Alkoholverbot am ehemaligen Problempunkt Marktdreieck. Forderungen nach Videoüberwachung halte ich für unsinnig, die Technik hat noch nirgendwo ein Verbrechen verhindert. Prävention ist wichtiger“, sagte Spies zu der Frage eines Vertreters der Oberstadtgemeinde. CDU-Mann Bamberger sagte: „Es gibt sehr wohl einige Probleme im Stadtteil, Gewalt und Vandalismus, das weiß ich als jemand aus einer Ur-Oberstädter-Familie nur zu gut. Aber Videoüberwachung, zumal an vermeintlichen Schwerpunkten, schränkt diese Sachen nicht ein, verlagert sie höchstens.“

Grünen-Kandidatin Dr. Elke Neuwohner sagte: „Die Oberstadtwache ist dort, wurde ausgebaut und es gibt Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei - das hat schon vieles entschärft. Die Wege durch die Stadt sind sicher, etwa vom Marktplatz über Marktdreieck nach Hause, da muss niemand mehr Angst haben.“ Jan Schalauske (Linke) sagte: „Die Probleme haben sich lange aufgestaut und wurden ebenso lange nicht angegangen. Es gibt für deren Lösung kein alleine wegweisendes Konzept, Videoüberwachung zählt jedenfalls nicht hinzu.“

Windkraft

„Das Stadtbild wird von Windrädern zu stark beeinträchtigt, die nächstgelegenen Anwohner zu sehr beeinträchtigt. Ich bin froh, ob des Aus‘ für die Pläne am „Lichter Küppel“, auf einer Erhebung solche Anlagen zu bauen, das halte ich für äußerst grenzwertig“, sagt Bamberger auf die Frage des Marburger Piratenparteimitglieds Bastian Zapf. Neuwohner entgegnete: „Der Anblick von Windkraftanlagen ist speziell für Anwohner sicher ungewohnt und erst mal unangenehm. Aber wir könnten hier von Marburg aus ein Aufbruchsignal senden.“

Schalauske sagte: „Ich befürworte Windräder auf geeigneten Flächen in der Stadt, weil ich das Sankt-Florians-Denken, dass die nötigen Anlagen am besten nur in der Nordsee gebaut werden sollen, nicht teile. Es wäre schön, wenn, wie im Vogelsberg, die Bürger in Windpläne einsteigen, von Rädern wirtschaftlich profitieren“ Dr. Thomas Spies sagte: „Dort, wo das Stadtbild zu sehr beeinträchtigt ist, sollte man keine Windräder bauen. Grundsätzlich sollte man die Bürger einbeziehen und dafür sorgen, dass die Energiewende nicht nur Theorie ist.“

Seilbahn / Schrägaufzug

„Bevor man sich solche Extras gönnt, müssen erst mal die grundlegenden Dinge des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) besser funktionieren. Die Busse müssen von viel mehr Nicht-Studenten genutzt, die Anbindungen und Takte verbessert werden, Schnellbusse müssen eingesetzt werden. All das kostet Geld, wovon man über eine Erhöhung der Gewerbesteuer etwas einnehmen würde“, sagt Schalauske. Das sieht Neuwohner anders und sagt: „Die Seilbahn ist die cleverste Lösung für die Verkehrsanbindung zwischen Stadt und Lahnbergen. Der Schrägaufzug ist nötig, um das Schloss, den Park so zu erschließen, dass es der belebte und lebenswerte Ort ist, der er sein kann.“

Bamberger sagt: „Klares Nein zur Seilbahn. Das Stadtbild wird verschandelt, die Ortenberg-Anwohner massiv gestört und allen voran ist die Technik nicht wirtschaftlich zu betreiben. 7,50 bis 9 Euro dürfte eine Fahrt kosten, um den Betrieb zu finanzieren.“ Spies sagte: „Die Seilbahn­idee muss man nicht mehr vorantreiben. Wir brauchen jetzt Lösungen, nicht in vielen Jahren über ein Millionenprojekt. Heißt: Schnellbusse und Busse mit Anhängern zwischen Innenstadt und Lahnbergen.“

Skurriles

„Da das Herz am Spiegelslustturm ausgefallen ist und jetzt mehr denn je wie Eierstöcke aussieht, eignet sich der Standort doch wunderbar für Windräder“, sagte Marius Beckmann, OB-Kandidat von „Die Partei“. Rainer Wiegand, parteiloser OB-Amtsbewerber, forderte indes eine Änderung der Einreisebestimmungen für ausländische Familienangehörige nach Marburg und bezeichnete Veranstaltungsorganisator Hans-Christian Sommer als „Nicht-Demokraten“, da dieser ihn nicht für die Podiumsdiskussion eingeladen habe. Sommer erläuterte, dass die Nicht-Einladung von Wiegand und Beckmann mit dem späten Bekanntwerden von deren Kandidaturen zusammenhänge.

von Björn Wisker

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