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OB-Wahl

OB-Kandidaten debattieren Sicherheit

Wohnungsbau im Stadtteil, Altenhilfepolitik und Sicherheit: Das sind die prägenden Themen der Podiumsdiskussion am Richtsberg anlässlich der Oberbürgermeisterwahl gewesen.
Interesse an den Meinungen und Plänen der Oberbürgermeister-Kandidaten: Mehr als 120 Besucher hörten die Antworten der Politiker zu Fragen, die Anwohner vom Richtsberg stellten. Foto: Florian Gaertner

Interesse an den Meinungen und Plänen der Oberbürgermeister-Kandidaten: Mehr als 120 Besucher hörten die Antworten der Politiker zu Fragen, die Anwohner vom Richtsberg stellten.

© Florian Gaertner

Marburg. Anwohner beklagen Vandalismus, verdreckte Spielplätze, Drogenabhängige sowie Alkoholkranke in der Stadtteil-Mitte - die OB-Kandidaten bieten unterschiedliche Lösungen an. Dr. Thomas Spies (SPD): „Ich kenne Vandalismus-Probleme aus Erfahrung, etwa in der Oberstadt. Spricht man mich an, schreibt man mir, kriege ich das in den Griff. Das klappt immer, ich mache so was schon ziemlich lange.“

Dirk Bamberger (CDU) sagt: „Ein Ansatz wäre, den freiwilligen Polizeidienst im Stadtteil zu stärken. Einzelne richten hier jedenfalls großen, sichtbaren Schaden an und - wie in der Oberstadt - es passiert seitens der Stadt nichts. Das Gefühl der Anwohner, dass die Verwahrlosung im Rathaus niemanden interessiert, ist schädlich.“

Jan Schalauske (Linke): „Besser als strenge Ordnungspolitik wirkt die Einstellung von ein, zwei Streetworkern.“ Dr. Elke Neuwohner (Grüne): „Ein Alkoholverbot ist zwar kein Allheilmittel, aber an einem Schwerpunkt wie rund um das Cineplex hat es gewirkt.“

Thema Wohnungsbau:

Nach Angaben von Ortsvorsteherin und Moderatorin Erika Lotz-Halilovic „beschäftigt der zusätzliche Wohnungsbau, die Verdichtung im Stadtteil sehr viele Anwohner“.

Dirk Bambergers Einschätzung: „Die Waldnähe, das Grün zwischen den Häusern macht die Lebensqualität aus, der Richtsberg ist keine Beton-Plattenbau-Siedlung, geteilt durch Teerflächen. Die baulichen Veränderungen hier erfordern mehr Fingerspitzengefühl, ein Zubauen der Grün-flächen für Häuser und Parkplätze lehne ich ab.“

Zwar sei sozialer Wohnungsbau - wie am Damaschkeweg - „keine schlechte Idee“, jedoch müsse die „Durchmischung am Richtsberg erhalten bleiben“. Zudem sei es „eine kritische Entwicklung“, wenn „zusätzlich Flächen Privatinvestoren angeboten werden“.

Dr. Thomas Spies sagt: „Marburg ist eng und voll, maßlos verdichten soll nirgendwo geschehen, aber an anderen Stellen in der Stadt ist die Bevölkerungsdichte viel höher als am Richtsberg.“ Aufgrund der Sorgen der Anwohner seien am Richtsberg was den entstehenden sozialen Wohnungsbau angeht bereits „deutliche Reduzierungen“ vorgenommen worden.

Mieten von etwa sieben Euro pro Quadratmeter seien jedenfalls nur realisierbar, wenn die zu bebauenden Flächen bereits Eigentum der Kommune oder Wohnungsbaugesellschaft seien.

Dr. Elke Neuwohner (Grüne) sagt: „Der Richtsberg ist lebendiger als andere Stadtteile, die Aufenthaltsqualität ist hoch. Aber der Wohnraummangel ist existent, man muss Neubauten in der Stadt natürlich verteilen, aber gerade barrierefreie Häuser braucht es hier mehr.“

Jan Schalauske (Linke) sagt: „Es wird der alte Fehler des sozialen Wohnungsbaus wiederholt, alles in bestimmten Stadtteilen zu konzentrieren“. Rund 40 Prozent des Marburger Billigwohn-Angebots sei bereits am Richtsberg, „da müssen jetzt nicht nochmal zig Prozent mehr kommen“. Zumal der städtische Sozialbericht zeige, dass die von der OB-Kandidaten-Konkurrenz gelobte soziale Durchmischung Tücken habe:„Am oberen Richtsberg sind 23, am unteren 20 Prozent von Hartz-IV betroffen. Daraus resultieren spezifische Probleme, die wir in den Griff bekommen müssen.“

Marius Beckmann (Die Partei) sagt: „Sozialwohnungen sollten auch anderswo, etwa im Südviertel entstehen. Dafür könnte man etwa den Biomarkt in der Gutenbergstraße abreißen.“ Rainer Wiegand (parteilos) sagt: „Platz für Wohnungen wird es genug geben, wenn die Stadtautobahn im Tunnel ist und darauf gebaut werden kann.“

Thema Altenhilfepolitik:

Alle OB-Kandidaten sprechen sich dafür aus, dass alternden Marburgern die Pflege in der eigenen Wohnung so lange wie es geht ermöglicht werden müsse. Spies sagt: „Ein Einzelzimmer-Anspruch in Altenpflege-Einrichtungen sollte Standard werden.“

Schalauske sagt: „Wenn nichts anderes mehr geht, muss es in der Stadt stationäre Aufnahmemöglichkeiten geben - und zwar in einer öffentlichen Einrichtung wie St. Jakob, die alle aufnimmt, unabhängig vom Geldbeutel.“ Speziell am Richtsberg, wo Dutzende Nationalitäten vertreten seien, werde „kultursensible Pflege“ ein wichtiges Thema.

Bamberger kündigt an, die von der CDU kritisierte Entscheidung zum Altenzentrum in der Sudetenstraße zu akzeptieren. „Es gilt, nach vorne zu blicken. Wichtig ist, dass wir Strukturen schaffen, um Menschen das Wohnen daheim sehr lange zu ermöglichen. Ich denke da an wundervolle Projekte wie die helfenden Hände.“

Neuwohner sagt: „Jeder alternde Richtsberger soll in seinem Stadtteil bleiben können, nahe seiner Kirche, seinem Supermarkt, bekannten Gesichtern.“ Deshalb sei es nötig, Häuser und die gesamte öffentliche Infrastruktur barrierefrei zu gestalten. „Auch jeder, der einen Kinderwagen schiebt, ist dankbar für jede Rampe.“

von Björn Wisker


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