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OB-Kandidat will Oberstadt fluten

Oberbürgermeisterwahl OB-Kandidat will Oberstadt fluten

Konkurrenz für die klassischen Parteien in Marburg: Die Polit-Satiriker „Die Partei“ steigen in das Rennen um die Oberbürgermeister-Wahl ein – sie aben einen Kandidaten nominiert.

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Politische Sprech- und inhaltliche Seifenblasen? Die Satire-Gruppierung „Die Partei“ hat Marius Beckmann (Mitte) als Oberbürgermeisterkandidaten nominiert. Hilfe bekommt er vom Kreisvorstand um Stefan Grötzsch (links) und Björn Bürger.

Quelle: Lena Liebau

Marburg. Die Tagesordnung steht handgeschrieben auf einem zerknitterten Blatt Papier, es läuft Musik der Band „ACDC“ und die Parteimitglieder tragen Schirmmütze zum Jacket. Zum Nominierungstreffen des Kreisverbands von „Die Partei“ in einer Weidenhäuser Kneipe kommen 13  – nach längerem Ausknobeln wohl stimmberechtigte – Unterstützer. Lange aufhalten will man sich mit Formalien nicht. „Wir wollen schnell an die Theke“, sagt Stefan Grötzsch, Kreisvorsitzender.

Sein Parteifreund Marius Beckmann holt sich just in dem Moment ein Bier, als seine Kandidatur zum Oberbürgermeister für die Universitätsstadt verkündet wird. Anschließend stellt sich der Politikwissenschaftsstudent samt seiner kommunalpolitischen Pläne vor. „Ich bin für eine Flutung der Oberstadt, gegen die Bundesgartenschau und für die Entsorgung von Hindenburgs sterblichen Überresten aus der Elisabethkirche“, sagt Beckmann, der auch im Studierendenparlament der Philipps-Universität aktiv ist. Die Konzepte ernten in der Weidenhäuser Kneipe Beifall: „Endlich seriöse Politik“, lobt ein Parteikollege.

Bald sollen in der Stadt satirische Wahlplakate aufgehängt werden. Unter anderem wird für einen Wiederaufbau der Mauer, einen wöchentlichen Dönertag oder bedingungsloses Mindesthirn für alle geworben. Diese Forderungen sind dem Parteiprogramm zu entnehmen. Ein „schmutziger Wahlkampf“ stehe bevor, in welchem man vor allem Spitzen gegen die übrigen Parteien erwarten könne. Schon während des Parteitags sparte er nicht mit Häme.

Einstimmig gewählt – jetzt braucht es Unterschriften

Der neue Oberbürgermeisterkandidat kündigt an, Geld sparen und mit gutem Beispiel vorangehen zu wollen: „Ich würde diesen Job auch für ein Drittel des Gehalts machen.“ Laut Beckmann siedelt er sich wie die gesamte Formation in der „politisch extremen Mitte“ an. Deutliche Worte findet Beckmann zu Organisatoren und Anhängern der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands „Pegida“: „Wir sind das Volk“ ist deren Slogan, doch er müsste anders heißen, und zwar „wirr ist das Volk“.

Seine Wahl für eine Kandidatur zum Oberbürgermeister wird einstimmig angenommen, nun müssen in der Stadt noch Unterschriften für eine Teilnahme an der Wahl gesammelt werden.

von Lena Liebau und Björn Wisker

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