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OB-Kandidat der SPD will Wohnungsbau forcieren

Oberbürgermeisterwahl OB-Kandidat der SPD will Wohnungsbau forcieren

Skeptisch gegenüber der Windkraft, Verfechter einer Offensive des kommunalen Wohnungsbaus: Der von der SPD als Oberbürgermeister-Kandidat gewählte Matthias Acker skizziert seine politischen Ideen.

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Für die SPD tritt Matthias Acker (52) als Oberbürgermeister-Kandidat im Juni 2015 an.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Applaus brandet auf, minutenlang feiern die 115 Parteimitglieder den Diplom-Kaufmann aus Wehrda. 98 Prozent haben ihm während der Vollversammlung am Dienstagabend ihre Stimme gegeben. So recht umzugehen weiß der 52-Jährige mit dem Jubel nicht, er nickt artig, lächelt, hält die Hände ineinander gefaltet im Schoß. Wenige Minuten sind seit seiner Bewerbungsrede vergangenen. Darin umreißt er, welche Schwerpunkte er in der Universitätsstadt setzen will.

Einige Vorstellungen sind konkret, andere bleiben vage.

  • Wohnungsbau: „Jeder Marburger soll ein Dach über dem Kopf haben. Für Familien, Alleinerziehende, Studenten und Behinderte müssen wir mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen“, sagt Acker. In den vergangenen Jahren sei von der Gemeinnützigen Wohnungsbau Gesellschaft (Gewobau) viel Geld in den Bestand investiert worden, nun „müssen wir dafür sorgen, dass Wohnungen zusätzlich geschaffen werden“.
  • Außenstadtteile: „Für alle muss es schnelles Internet geben. Die Busanbindung soll verbessert und mehr Wohn- und Betreuungsangebote für ältere Menschen geschaffen werden“, sagt Acker. Er plant zudem,  einen aktuellen SPD-Beschluss umzusetzen, der fordert, mehr Bauland in den Stadtteilen auszuweisen. „Das müssen wir tun, damit die Familien, die bleiben wollen, auch bleiben können.“
  • Windkraft: „Das ist nur dann umsetzbar, wenn sie sich in Marburg rechnet. Und nur wenn sie umweltverträglich ist und man bei der Planung die Menschen vor Ort mitnimmt“, sagt der Wehrdaer. Die Energiewende selbst wolle er vorantreiben, „das sind wir unseren Kindern schuldig“. Er befürworte vor allem den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen.
  • Altenhilfe: „Kommunale Altenpolitik ist mehr als die eigene Gesellschaft, die Stiftung St. Jakob. Wir müssen alle, die im Pflegebereich helfen, unterstützen, zusammenbringen und Konzepte entwickeln“, sagt er. Er wolle mehr und modernere Angebote schaffen.
  • Universität: „Die Verzahnung von Wirtschaft und Universität möglich zu machen und zu verstärken, ist eine Kernaufgabe eines Oberbürgermeisters in Marburg“, sagt Acker. Am Beispiel des großen Fachbereichs Pharmazie und der nahen Ansiedelung von Pharmaunternehmen lasse sich der Erfolg ablesen. „Dieser Weg sichert und schafft Arbeitsplätze.“
  • Keine Privatisierung der Gewobau
  • Finanzen: „Das Ziel ist, so gut zu wirtschaften wie in den vergangenen Jahren“, sagt er. Allerdings wolle er mehr Unterstützung vom Land Hessen einfordern, mehr Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich bekommen. „Gerade, weil wir Aufgaben des Landes übernehmen, etwa Flüchtlingsversorgung“, sagt er. Acker verlangt auf Bundesebene die Einführung der Vermögenssteuer. „Dann ist das Argument, es sei kein Geld für etwas da, keines mehr.“
  • Städtische Gesellschaften: „Eine Privatisierung etwa von Gewobau oder Stadtwerken wird es mit mir nicht geben. Es ist ein Glück, dass wir diese haben, nicht wie andere im neoliberalen Wahn der 90er verkauft haben. So können wir selbst gestalten, haben direkten Zugriff auf unsere Infrastruktur wie Verkehr, Strom, Gas und Wasser.“
  • Klinikum Lahnberge: „Es ist unerträglich, wie die Rhön AG ihre Pflegekräfte behandelt“, sagt er. Für die Zukunft müsse garantiert werden, dass Marburg ein Klinikum der Maximalversorgung bleibe. „Bei allem Schauen auf Zahlen müssen die Bedingungen für Beschäftigte und Patienten gut sein“, sagt der 52-Jährige.

von Björn Wisker

Zur Person: Geboren wurde Acker 1962, besuchte als Kind die Grundschule Wehrda, wechselte für das Abitur auf die Martin-Luther-Schule. Sein Wirtschafts-Studium absolvierte er (Abschluss: Diplom) an der Philipps-Universität.
Er arbeitete bei verschiedenen Industrie- und Handelsbetrieben außerhalb Marburgs und kehrte 1993 in die Universitätsstadt, nach Wehrda zurück. Seitdem arbeitet er bei den Stadtwerken Gießen, ist als Abteilungsleiter (Kundenservice) Chef von 75 Mitarbeitern. Acker ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. In die SPD trat er 1982 ein.
Kommunalpolitisch war er für die Marburger SPD als Stadtverordneter im Bauausschuss sowie Haupt- und Finanzausschuss tätig. Den Fraktionsvorsitz hatte er ebenfalls vorübergehend inne.

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