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„Nur wer liest, kann auch verstehen“

Welttag des Buches „Nur wer liest, kann auch verstehen“

Es ist eines der ältesten Medien der Welt: Das Buch. Um dessen Stellenwert herauszustellen, erklärte die Unesco den 23. April zum „Welttag des Buches“. Auch in Marburg beteiligen sich einige Buchhandlungen.

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Quelle: Roland Weihrauch

Marburg. Welchen Wert hat in unserer digitalisierten Gesellschaft eigentlich noch ein Buch? Einen hohen, wenn es nach Dr. Roland Bernecker geht. Für den Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission ist das Buch in Zeiten von Fernsehen und Internet weiterhin „das bedeutendste Kulturmedium“.

Grund genug dafür, dass seit 1996 auch in Deutschland – so wie in inzwischen mehr als 100 Ländern der Erde – der Welttag des Buches gefeiert wird. Das Datum des 23. April geht auf eine Tradition in Katalonien zurück und markiert zugleich den Todestag der berühmten Autoren William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

„Eine aufgeklärte Gesellschaft braucht Bücher, denn nur wer liest, kann auch verstehen“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Gemeinsam mit einigen Kooperationspartnern führt der Verein heute Aktionen in deutschen Buchhandlungen durch. Besonders die Kinder stehen dabei im Fokus. Bei der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ erhalten rund 800 000 junge Lesefreunde ein kostenloses Exemplar des diesjährigen Welttags-Buches „Die Jagd nach dem Leuchtkristall“. Auch vier Marburger Buchhandlungen sind an der Aktion, die schon zum 18. Mal stattfindet, beteiligt.

Aktionen größtenteils nach den Schulferien

„Wir wollen unter anderem die Kinder erreichen, die sonst nicht in eine Buchhandlung gehen würden“, erklärt Christine Fortier von Lehmanns Media. „Die wissen oft gar nicht, dass es so viele schöne Bücher gibt“.  Da der Tag in diesem Jahr in die Osterferien fällt, „passiert dort gar nicht so viel“, verrät sie. Jedes Kind könne sich das Welttags-Buch abholen, Aktionen rund um den Welttag gebe es jedoch erst in der kommenden Woche. Auch bei Thalia, der Kinderkiste und der Buchhandlung Lesezeichen werden die Events wie Vorlesestunden und Buchrallyes durch die Geschäfte auf die Woche nach den Ferien verschoben, damit auch Schulklassen daran teilnehmen können.

Die Buchhandlung Lesezeichen veranstaltet am Samstag, 3. Mai, ein Lese-Event auf dem Marktplatz. Beim sogenannten „Lümmel-Lesen“ darf jeder, der möchte, aus eigenen Büchern vorlesen. In der Kinderkiste wird es hingegen eine „Buchstabenwerkstatt“ geben, in der Schulklassen die Technik des Buchdrucks nachempfinden können. Das Welttags-Buch können sich interessierte Kinder dennoch bereits heute in den Buchhandlungen abholen.

Starke Konkurrenz durch Internethandel

„Wir müssen immer am Ball bleiben“, erläutert Katja Pohl von der Kinderkiste den Beweggrund, am Welttag teilzunehmen. Schließlich entwickelten die Jugendlichen heute „ganz andere Lesegewohnheiten“ und seien besonders häufig im Internet aktiv. „Wir wollen vermitteln, das ein Buch etwas Tolles ist“, so Pohl. Daher seien „gute Aktionen, wie der Welttag“ sehr wichtig, um die Vorzüge des lokalen Buchhandels hervorzuheben. „Gerade in Zeiten des voranschreitenden Online-Handels gilt es, unseren Kunden mit persönlichen Erlebnissen und buchhändlerischer Kompetenz zur Seite zu stehen“, findet auch Julia Hattrup, Pressereferentin bei Thalia. Die persönliche Beratung sei das große Plus, dass der Buchhandel vor Ort bieten könne.

Dennoch wird es für die stationären Buchhändler zunehmend schwieriger sich auf dem Markt zu behaupten, weiß auch Dorothee Altfeld von der Buchhandlung Lesezeichen zu berichten. „Es wird nicht weniger gelesen, aber anders“, so Altfeld. Besonders schwer werde es aber durch den Internethandel.

Abhilfe schaffen könnte dabei möglicherweise eine Smartphone-App. Die App „LChoice“ bietet dem Kunden Bücher mobil zu bestellen – jedoch nicht von weit her bis nach Hause. Stattdessen wird automatisch die nächstgelegene Buchhandlung ausgewählt, bei der das Buch dann sofort oder am nächsten Tag abgeholt werden kann. „Wir befassen uns damit und wollen uns überlegen da mitzumachen“, so Altfeld. Lesezeichen wäre die erste Buchhandlung in Marburg, die diese neuen Wege geht.

  •  Für alle erwachsenen Leseratten findet heute Abend um 20 Uhr eine Lesung des Bad Nauheimer Autors Andreas Maier im Hessischen Landestheater statt. Maier, der zu den bekanntesten Schriftstellern Hessens zählt, liest aus seinem Roman „Die Straße“, in dem er auf humorvolle Art die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter beleuchtet.

von Peter Gassner

Hintergrund:

Auf dem Sofa oder im Bett: die Deutschen lesen gern. Klingt falsch? Ist aber so. Das Lesen gehört laut Statistiken nach wie vor zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Einige Zahlen und Fakten sind im Folgenden aufgelistet:

  •  Bücher sind einer repräsentativen Umfrage aus dem vorigen Jahr zufolge für gut 61 Prozent der Deutschen ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Für jeden Zweiten sind sie sogar „wie gute Freunde“. Bei den 14- bis 19-Jährigen liegt die Zustimmung zum Buch bei 45,5 Prozent.
  •  Auf einer Liste der 50 beliebtesten Freizeitaktivitäten belegte 2012 die Lektüre einer Tageszeitung Platz sechs, von Zeitschriften Platz zehn, das Lesen eines Buches rangierte auf Platz elf. An der Spitze steht das Fernsehen.
  •  2012 bestellten 21,1 Millionen Menschen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften online. Seit 2007 stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Internet-Buchkäufer um 4,4 Millionen. Etwa jeder vierte Online-Käufer war zwischen 35 und 44 Jahre alt, nur sieben Prozent waren im Rentenalter.
  •  Frauen haben mehr Interesse an Büchern als Männer. 2012 nutzten laut einer Befragung 45 Prozent der Frauen, aber nur 30 Prozent der Männer täglich oder mehrmals in der Woche ein Buch.
  •  58 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren kauften 2012 Bücher, so viele wie ein Jahr zuvor.
  •  Gut 71 Prozent lesen am liebsten auf dem Sofa oder im Sessel, ergab eine deutschlandweite Umfrage. Viele lesen auch gern im Bett oder im Freien. 15,6 Prozent der Männer machen es sich öfter mit einem Buch auf dem WC bequem, bei den Frauen sind es 10,6 Prozent.
  •  7,5 Millionen der Erwachsenen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben.

Umfrage:

Hans-Walter & Beate Pfeil, Ehepaar aus der Eiffel:
Für uns bieten Bücher eine tolle Perspektive und Anregungen für ein anderes Leben. Durch sie kann man sich anlesen, was man vielleicht persönlich nicht erleben kann. Literatur im Allgemeinen ist generell sehr wichtig. E-Books und Internet werden vermutlich zwar noch größer im Markt, aber für uns ist das Gedruckte immer noch wesentlich einprägender. Auch unsere Tochter benutzt noch beide Varianten. Sie hat zahlreiche gebundene Bücher in ihren Regalen stehen.

Marie Tinnefeld, Germanistikstudentin aus Marburg:
Für mich bedeutet ein Buch Freiheit und die Möglichkeit in eine andere Haut zu schlüpfen, aus dem Alltag zu entfliehen und bei etwas Fremdem oder manchmal auch sehr Bekanntem mitzufühlen. Bücher bringen mir die Möglichkeit verschiedene Emotionen zu empfinden – Trauer, Wut, Freude, Spannung. Ein gutes Buch schafft es mich zu Tränen zu rühren oder dass ich es nicht aus der Hand legen kann bis zur letzten Seite.

Peter Christ, Doktorand der Biologie aus Marburg:
Mit einem guten Buch sollte ich etwas über Menschen lernen können. Nicht nur, weil man über sie liest, sondern vor allem auch weil die Darstellungsweise des Autors ganz neue Perspektiven eröffnet. Das Augenmerk wird dabei auf Dinge gelegt, die man persönlich vermutlich weniger beobachtet hätte und zur gleichen Zeit lernt man dadurch auch immer etwas über den Autor selbst. Meiner Meinung nach schafft es kein anderes Medium sowohl die Darstellung als auch das Dargestellte so effizient vorzeigen zu können.

Volker & Franziska Herrmann, Ehepaar aus Öde:
In erster Linie interessieren mich Fachbücher in allen möglichen Bereichen, vor allem weil man solche Bücher auch einfach mal mittendrin aufschlagen und zu jeder Zeit lesen kann. Für mich sind gedruckte Medien einfach interessanter zum Stöbern oder Orientieren als das Internet. Bücher sind für mich vor allem schön für den Abend, anstatt Fernsehen und PC, um auch einfach mal von den Bildschirmen wegzukommen.

Umfrage: Leonie Ruhland

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