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Nur wenige wohnen im „Hotel Mama“

Sozialerhebung Nur wenige wohnen im „Hotel Mama“

„Andere Städte haben eine Universität - Marburg ist eine Universität“ lautet ein geflügeltes Wort. Doch wie ist er, der typische Marburger Studierende? Diese Frage beantwortet jetzt das Studentenwerk.

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Das Deutsche Studentenwerk hat in seiner aktuellen Sozialerhebung mehr als 15 000 Studierende nach ihrer persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Situation befragt.

Quelle: Gero Breloer

Marburg. Alle drei Jahre befragt das Deutsche Studentenwerk gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung auf die Situation der Studierenden. Befragt werden 15000 Studierende nach ihrer persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Situation - zuletzt im vergangenen Jahr. Die Auswertung liegt nun vor und vermittelt ein plastisches Bild der deutschen Studiensituation.

So lautet eines der Ergebnisse: Von 100 Akademiker-Kindern studieren 77, von 100 Kindern, die aus keiner Akademiker-Familie stammen, hingegen nur 23. Dazu sagt der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Professor Dr. Dieter Timmermann: „Die Bildungsbiografie eines Menschen hängt in Deutschland noch immer entscheidend von der Bildungsherkunft seiner Familie ab, das ist erschreckend.“

Das Marburger Studentenwerk hat die Fragebögen für den Standort Marburg ausgewertet. Die Daten werden analysiert, um sie beispielsweise für wohnungspolitische Planungen zu verwenden, teilt das Studentenwerk mit.

Laut den Auswertungen ergibt sich zumindest ein recht plastisches Bild des Marburger „Durchschnitts-Studierenden“: Er ist 24,2 Jahre alt, ledig, in fester Partnerschaft, wohnt in einer WG zur Miete, studiert Sprach- und Kulturwissenschaften und isst zweieinhalbmal wöchentlich in der Mensa.

Damit entspreche der Marburger Studierende weitgehend dem bundesdeutschen Durchschnitt - „aber es gibt auch einige interessante Details, die den typischen Marburger Studenten von seinen Kommilitonen in anderen deutschen Uni-Städten unterscheiden“, so das Studentenwerk.

Wohngemeinschaften sind Markenzeichen Marburgs

Große Unterschiede zum Bundestrend gibt es beispielsweise bei der Wohnsituation: So leben 49,2 Prozent der Marburger Studierenden in einer Wohngemeinschaft - „geradezu ein Markenzeichen für den Standort Marburg“, wie das Studentenwerk findet. Denn zwar sei diese Wohnform auch bundesweit die mit Abstand beliebteste - liegt jedoch im Durchschnitt bei nur 29 Prozent.

Dementsprechend niedrig ist mit 10,7 Prozent die Zahl der Marburger Studierenden, die noch im „Hotel Mama“ wohnen. Der Bundesschnitt liegt bei 22,9 Prozent. Allerdings sind die „Zuhause-Wohner“ laut Sozialerhebung am unzufriedensten mit ihrer Wohnsituation, nur 3,6 Prozent der Marburger Studierenden wünschen sich für das Studium das „Hotel Mama“.

11 Prozent der Marburger leben im Wohnheim und zahlen als durchschnittliche Monatsmiete 294 Euro. Der Bundestrend ist nahezu identisch (10,2 Prozent, 298 Euro). Laut Studentenwerk sind 80 Prozent der Wohnheim-Bewohner zufrieden bis sehr zufrieden. Und die Nachfrage nach diesem Wohnraum sei in Marburg sehr hoch. „Die bislang vorhandenen Wohnplätze reichen nicht aus, um sofort jeder Anfrage gerecht zu werden“, so das Studentenwerk. Vor allem zu Semesterbeginn gebe es lange Wartelisten. Doch könne man aus finanzieller Sicht keine neuen Wohnheime bauen - hier sei die Politik gefragt.

Hoffnung setze man auf das Sonderprogramm für Wohnungsbau in Hessen, „bei dem ein spezieller Fokus auf dem Bau von 2000 neuen Wohneinheiten für Studierende liegt“, teilt das Studentenwerk mit. 15 Millionen Euro stelle das Land laut einer Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dazu bereit.

Marburgs Studenten stehen im finanziellen Vergleich schlechter dar

Das Marburger Studentenwerk bemüht sich jedoch, die Nachfrage zu stillen: So gibt es auf der Homepage eine Privatzimmer-Börse. Und mit dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ schaffe man Wohnpartnerschaften zwischen Jung und Alt.

Finanziell sind Marburger Studierende etwas schlechter als der Bundesdurchschnitt aufgestellt: Sie haben monatlich 831 Euro zur Verfügung, bundesweit sind es 864 Euro. Die wichtigsten „Geldquellen“ sind die Eltern, Jobben und BAföG.

Dementsprechend sind die Marburger 44 Stunden pro Woche mit Lehrveranstaltungen, Selbststudium und Jobben beschäftigt - zwei Stunden länger als ihre bundesweiten Kommilitonen.

Entgegen dem bundesweiten Trend sind in Marburg die Frauen stärker vertreten: mit 55,1 Prozent. Im Durchschnitt aller deutschen Universitäten sieht das anders aus: dort liegt das Verhältnis Frauen Männer bei 47:53 Prozent. Und 4,1 Prozent der Marburger Studierenden sind verheiratet oder leben in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft - deutschlandweit sind es 6 Prozent.

von Andreas Schmidt

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