Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Nur ohne Wildtiere willkommen

Zirkus-Gastspiele Nur ohne Wildtiere willkommen

Zirkusse, die Wildtiere auftreten lassen, sollen in Marburg nur noch unter strengen Bedingungen auftreten dürfen.

Voriger Artikel
Busfahrer werben um Geduld
Nächster Artikel
DLRG warnt vorm Betreten gefrorener Gewässer

Raubtierdompteur Tom Dieck vom Zirkus Probst mit einem seiner Tiger. Der Zirkus gastierte im November auf dem Messeplatz am Afföller.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Schul- und Kulturausschuss beschloss in der vergangenen Woche einstimmig, dass Zirkusse, die Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen,­ Nashörner oder Flusspferde mit sich führen, keine städtische Genehmigung für einen Auftritt erhalten sollen. So ist es bereits in einer Bundesratsentschließung aus dem Jahr 2011 geregelt. Nicht erwähnt sind hier Großkatzen, die besonders häufig in Gefangenschaft geboren werden.

Zudem bezieht sich der Kulturausschuss auf die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben und ähnlichen Einrichtungen“, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben hat. Diese Leitlinien machen präzise, tierartenspezifische Vorgaben etwa über Käfig­größe, Außengehege, Beschäftigung und Ähnliches. Die Stadtverordnetenversammlung muss in ­ihrer Sitzung am Freitag noch zustimmen.

Die Zurschaustellung von Wildtieren korrespondiere „nicht zwangsläufig“ mit den natürlichen Bedürfnissen der Tiere“, hatte die CDU in der Begründung ihres Antrags geschrieben. Wildtiere sollten in der Wildnis leben und dort ­ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können, so die Erkenntnis der Christdemokraten, die schlussfolgern: „Das Erlernen von Kunststücken ist dabei wohl nicht artgerecht.“

Zirkusse wehren sich vor Gericht

Grüne und Linke waren dem CDU-Antrag im Ausschuss beigetreten, nachdem der Antragstext die Bezüge auf eine Bundesratsentscheidung von 2011 und auf die „Leitlinien“ aufgenommen hatte. Alle Vertreter stimmten dem Antrag im Ausschuss schließlich zu.

Der CDU-Abgeordnete Matthias Range sprach augenzwinkernd von einem „historischen“ Antrag - weniger wegen des ­Inhalts als vielmehr wegen der Tatsache, dass CDU, Grüne und Linke einen Antrag gemeinsam eingebracht hatten. Jurist Range ist zuversichtlich, dass das Aufführungsverbot für Zirkusse­ mit Wildtieren auch vor Gericht Bestand haben wird. „Das ist eine Frage, wie das städtische Rechtsamt solch einen Bescheid ausgestaltet; da habe ich vollstes Vertrauen.“

Das Verbot des Zurschaustellens soll sich nur auf sogenannte Wildtiere erstrecken, stellt der Antrag klar. Nicht umfasst sein sollen domestizierte Haustierarten (zum Beispiel Schweine, Tauben, Pferde, Esel, Hauskaninchen). Damit bleibe den jeweiligen Zirkussen die Möglichkeit erhalten, „mit domestizierten Haustierarten zu arbeiten und dies der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Bereits seit Jahren beschließen viele Städte auf Initiative von Tierschützern Auftrittsverbote für Zirkusse mit Wildtieren, seit Jahren wehren sich Zirkusse vor Gericht gegen solche Auftritte.

Zuletzt hatte das Verwaltungsgericht Hannover ein Verbot kassiert. Ein Verbot wildlebender Tiere in Zirkussen könne nur vom Bund geregelt werden, entschieden die Richter. Dieser habe im Rahmen des Tierschutzgesetzes aber lediglich festgelegt, dass das gewerbliche Vorführen von Tieren in Zirkussen einer behördlichen Erlaubnis bedarf. Zirkusse, die eine entsprechende Erlaubnis hätten, müssten auch auftreten dürfen.

Für Matthias Range ist der Beschluss vor allem aber eines: ein sichtbares Zeichen, dass sich auch Marburg für artgerechte Haltung von Zirkustieren einsetzt.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr