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Nur für Schlägerei verurteilt

Aus dem Gericht Nur für Schlägerei verurteilt

Auch wenn ihm die Nazi-Parolen nicht nachgewiesen werden konnten, wurde der Angeklagte wegen Körperverletzung zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

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Quelle: Archivfoto: dpa

Marburg. Nachdem seine beiden Begleiter nicht zur ersten Verhandlung erschienen waren, musste sich der 25-jährige Angeklagte erneut vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll im Juni 2012 bei einer Studentenparty Nazi-Parolen wie „Heil Hitler“, „Sieg Heil“ und „irgendetwas mit Goebbels und Himmler“, so einer der Zeugen, gerufen haben.

Nach diesen Rufen, die ihm aber nun aufgrund der Aussagen nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, wurde er von einem Studenten, der an dem Abend als Türsteher aushalf, nach draußen begleitet. Dort kam es zu einer Schlägerei unter mehreren Personen, in dessen Folge sich das Opfer die Nase brach.

Die beiden Zeugen wurden zum erneuten Termin von der Polizei vorgeführt und angehört. Laut Schilderung des Angeklagten war einer der beiden bei der Schlägerei aber bei dem Gerangel gar nicht mehr anwesend gewesen.Dementsprechend äußerte er sich nun auch gegenüber Richter Thomas Rohner. Der 27-jährige sei auf der Party gewesen, wisse aber „gar nichts mehr“. Es sei nichts außergewöhnliches passiert, „was hängen geblieben ist“. Nachdem der Richter ihn darauf hingewiesen hatte, dass er noch bei der Polizei umfangreiche Angaben gemacht hatte, erwiderte er: „Dann müssen Sie das eben aus der Akte entnehmen.“ Er habe nichts gesehen oder gehört und wisse gar nicht, warum er „wegen irgendeiner Sache hier sein“ müsse.

Der zweite Zeuge äußerte sich hingegen umfangreicher und stützte die Version des Angeklagten. Er habe gesehen „dass da etwas los ist“ und sei zu den diskutierenden Beteiligten gegangen. „Auf einmal“ sei er einen Abhang runtergefallen. Dass er sich bei dem Sturz den Arm gebrochen hatte, habe ihn „ein bisschen geärgert“ und zu Problemen mit seiner Ausbildung geführt. Er sei anschließend sofort mit dem Angeklagten in das Uniklinikum gefahren.

Zweifel an dieser Version kamen jedoch nicht zuletzt auf, weil eine Zeugin des ersten Termins, die im Zuschauerbereich saß, sich plötzlich aus dem Hintergrund meldete.

Entgegen der Aussage des 24-jährigen sei er nach dem Sturz wieder „aufgesprungen“. Das Opfer hatte zu Protokoll gegeben, dass auch der Zeuge mit dem gebrochenen Arm trotz seiner Verletzung noch auf ihn eingeschlagen hatte. An das Gesicht hatte er sich nicht erinnern können, doch er sei sich zu hundert Prozent sicher, dass derjenige, der verletzt gewesen sei, an der Schlägerei teilgenommen hatte. Auch bei dem Angeklagten war er sich nun uneingeschränkt sicher, nachdem er ihn zunächst wie alle anderen Zeugen nur mit hoher Wahrscheinlichkeit identifizieren konnte.

Aufgrund der Vielzahl der entsprechenden Aussagen glaubte der Richter dem Opfer und entschloss sich, den Täter zumindest in einem Anklagepunkt zu verurteilen. Er erhält acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zusätzlich muss er ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro an das Opfer zahlen.

von Peter Gassner

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