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Notdienst verkürzt die Öffnungszeiten

Ärztliche Versorgung Notdienst verkürzt die Öffnungszeiten

Ab April dieses Jahres, ein Jahr nach der Zusammenlegung der Notdienst-Standorte im Landkreis, soll die Nachtschicht beim zentralen ärztlichen Bereitschaftsdienst in Wehrda entfallen.

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Die Hausärzte Dr. Barbara Froehlich und Dr. Hans-Helmut Meiss haben als Obleute für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Landkreis die Zentralisierung des Notdienstes am Standort Wehrda organisiert und versorgen dort die Patienten gemeinsam mit vielen weiteren Ärzten aus der Region.

Quelle: Nadine Weigel

Wehrda. Wer ab April dieses Jahres nach 24 Uhr die im Wehrdaer Diakonienkrankenhaus ansässige Dienstzentrale des ärztlichen Notdienstes aufsuchen möchte, wird die Pforte nun auch am Wochenende verschlossen vorfinden. Die Nachtbesetzung wird eingestellt. Angst um eine angemessene Notfallversorgung muss sich jedoch kein Patient machen, teilten die Mediziner mit.

„Es gibt keine Notwendigkeit die Zentrale in der Nacht zu besetzen“, erklärte Dr. Barbara Froehlich, Hausärztin und Koordinatorin für den ärztlichen Notdienst im Landkreis. Dem Wegfall des nächtlichen Dienstes schaut die Medizinerin gelassen entgegen. Erfahrungsgemäß ist das Patientenaufkommen während der Nachtstunden äußerst gering. Im Schnitt suchen vier Patienten nach Mitternacht die Notzentrale auf. „Davon ist quasi ein halber ein wirklicher Notfall“, so die Erfahrungen der Obfrau. Die Schließung der Zentrale in der Nacht ist einer der letzten Schritte, die von der verantwortlichen Kassenärztlichen Vereinigung in Frankfurt (KV) innerhalb einer Umstrukturierung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes für ganz Hessen bis März dieses Jahres vorgenommen werden. Im Vorfeld wurden bereits die dezentralen Standorte in Biedenkopf, Stadtallendorf und Gladenbach geschlossen.

150 Patienten innerhalb von sieben Stunden

Seit April 2014 ist der Notdienst in Wehrda die zentrale Anlaufstelle für Patienten aus dem gesamten Landkreis. Schon damals plante die KV, den Nachtdienst im Zuge der Zentralisierung abzuschaffen. „Das wäre aber zu viel auf einmal gewesen“, so Froehlich. Dieser Punkt soll nun wie geplant ab April dieses Jahres folgen. Bisher war der Notdienst an Wochenenden und Feiertagen durchgängig geöffnet. Die Zentrale schließt ab April wie üblich wochentags ab 23 Uhr, an den Wochenenden dann schon ab 24 Uhr. Die ärztlichen Bereitschafts- sowie die vier Fahrdienste bleiben erhalten.

Für potenzielle Notfälle steht die Telefonzentrale des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Kassel zur Verfügung (Telefonnumer: 116117). Dort wird mithilfe eines stets anwesenden Arztes entschieden, ob und welche akute Hilfe, von einer Beratung über den Hausbesuch der Bereitschaftsärzte bis hin zur Alarmierung des Rettungsdienstes, notwendig ist. Absolute Notfälle werden an das Diakoniekrankenhaus weitergeleitet, erklärt Froehlich und betont: „Keiner muss sich Sorgen machen, die derzeitige Situation, die wochentags herrscht, wird lediglich auf die Wochenenden ausgeweitet.“

An Feiertagen bis zu einem Drittel mehr Patienten

Rückblickend auf die vergangenen Monate nach der Zusammenlegung der Notdienste im Landkreis sei der erste Jahreswechsel in Wehrda unproblematischer verlaufen als erwartet, so die Koordinatorin. Die Zentrale war während der Stoßzeiten jedoch mehr als gut gefüllt. Alleine am Vormittag des 29. Dezember reichte der Platz im Wartezimmer kaum noch aus, zeitweise bildeten sich lange Schlangen vor dem Gebäude. Innerhalb von rund sieben Stunden suchten mehr als 150 Patienten die Notdienstzentrale auf - das entspricht dem Aufkommen, das die Zentrale sonst an einem kompletten Wochenende hat. Bis zu einem Drittel mehr Patienten als üblich mussten während der Brücken- und Feiertage behandelt werden. „Zwischen den Jahren gibt es immer viel zu tun, in diesem Jahr war es erwartungsgemäß noch extremer als sonst“, so Froehlich. Allerdings hatten die Mediziner den Jahreswechsel als „noch schlimmer erwartet“. Es kamen zwar viele Patienten, jedoch weniger als befürchtet, Organisation und Arbeitsabläufe liefen reibungslos ab, die längste Wartezeit lag während der Stoßzeiten bei etwa 90 Minuten, resümiert Froehlich.

Mehrere Patienten, die kurz vor Silvester geduldig im Wartezimmer des ärztlichen Notdienstes ausharrten, bestätigten dies. „Wir warten seit etwa einer Dreiviertelstunde, das ist noch im Rahmen“, sagte etwa Sandra Möller aus Stadtallendorf, die eine Angehörige wegen Unterleibsbeschwerden vorsorglich zum zentralen Notdienst gebracht hatte. Die längere Anfahrt empfand die Familie nach dem Wegfall ihrer örtlichen Zentrale im Ostkreis als störend, jedoch hinnehmbar.

Routineversorgung über die Feiertage kann nicht erwartet werden

Von der noch im Frühling vorherrschenden Kritik der Zusammenlegung der Notfall-Standorte sei allgemein eher wenig zu spüren gewesen, sagte Froehlich. Der Großteil der Patienten sei zufrieden nach Hause gegangen, es habe überraschend viel Lob für die Mitarbeiter gegeben.

Kritik übt hingegen der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Dr. Thomas Spies. „Es kann nicht sein, dass Menschen über Stunden den ärztlichen Notdienst nicht erreichen können“, sagt Spies. DieZentralisierung der Notdienstversorgung durch die Kassenärztliche Vereinigung sei „ein Sparmodell auf Kosten der Patienten“, sagt Spies und kritisiert, dass die Versorgung von ganz Hessen über nur zwei Telefonzentralen des ärztlichen Notdienstes in Kassel und Frankfurt abgewickelt wird und dass es, wie auch in Marburg-Biedenkopf, zumeist nur noch eine Notdienstzentrale pro Landkreis gibt. Spies hat deshalb in einer Anfrage an die Landesregierung Aufklärung gefordert. Er will wissen, wie der ärztliche Notdienst zwischen 20. Dezember und 4. Januar erreichbar war.

„Man muss klären, ob die Kassenärztliche Vereinigung hier ihren Job richtig macht.“ Sicherlich könne an Feiertagen und in Jahren wie diesem mit wenigen Arbeitstagen zwischen den Jahren niemand eine Routineversorgung erwarten, räumt er ein. „Aber wenn Bürger darüber klagen, dass die Notrufnummer 116 117 über Stunden unerreichbar war, dann ist das ein völlig inakzeptabler Zustand“, so Spies. Er plädiert für eine Zusammenführung von ärztlichem Notdienst und Rettungsdienstzentrale. „Nicht die Bürger sollen sich überlegen müssen, ob ihre Erkrankung ein Notfall ist. Dafür gibt es Fachleute.“

von Ina Tannert

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