Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Nordstadt-Vision: Schritt-Tempo für Elisabethstraße

Verkehrsdebatte Nordstadt-Vision: Schritt-Tempo für Elisabethstraße

Zukunftspläne für den Nordstadt-Verkehr in Marburg: Wird der laufende Verkehrsversuch vom Magistrat als erfolgreich bewertet, könnte die Elisabethstraße zu einer Tempo-6-Zone werden.

Voriger Artikel
Schlagersänger und
 Salsa-Tänzerin regieren
Nächster Artikel
Begehren gegen Vitos-Bebauung vor dem Aus

Veränderungen der Verkehrsreform in der Nordstadt: Neben dem Bau von Verkehrsinseln als Überquerungshilfe für Fußgänger, können nun Busse, die vom Bahnhofsvorplatz kommen, eine eigene Einfädelspur nutzen. Sinn: Stauverkürzung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nach Abschluss der geplanten Großbaustellen am Pilgrimstein (2016), der Weidenhäuser Brücke (wohl 2017) sowie der neuen Uni-Bibliothek (Mitte 2017), strebt die Stadtspitze eine Verringerung der Geschwindigkeit in der Elisabethstraße auf Tempo 6 – wie bereits in der Oberstadt – an. Das sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im Verkehrsausschuss.

Auf OP-Nachfrage erläutert er: Voraussetzung für den Plan, die Elisabethstraße „weiter zu beruhigen“, sei ein Gelingen der  Verkehrsreform in der Nordstadt. Sollte die Prognose der Stadtverwaltung zutreffen, dass der Autoverkehr in die Elisabethstraße um rund 40 Prozent (4400 Autos pro Tag) abnimmt, sei die Anweisung von Schritt-Tempo und ein „grundhafter Umbau“ der Verbindungsstraße „in Zukunft umsetzbar“.

Okay von Landesebene bis spätestens 2018

Zumal es „positive Signale“ von den zuständigen Landesbehörden gebe, was die Einführung von Tempo 30 auf dem Zubringer, dem Wehrdaer Weg, angeht. Nach OP-Informationen wird es das Okay dafür von Landesebene bis spätestens 2018 geben. Eine Vollsperrung der Elisabethstraße, wie es die Linke fordert, schließt Kahle indes aus.

„Den Knoten werden wir egal wie nicht kurzfristig verändern, da wir nicht alles auf einen Streich machen, um keine zusätzliche Verwirrung zu schaffen.“ Zeige sich, dass die Verkehrsmengen in der Nordstadt künftig zu groß seien, „müssen wir was anderes überlegen“, sagt Kahle.

Die Verkehrsreform in der Bahnhof- und Robert-Koch-Straße wird nicht zurückgenommen. Stattdessen sollen neue Ampelschaltungen und eine umfunktionierte Bus-Spur die Berufsverkehrs-Staus 
bekämpfen.

Die anhaltende Kritik an den Staus in der Nordstadt hat den Magistrat zu Verkehrs-Veränderungen bewogen.

Das sind die Neuerungen:

* Vier Sekunden längere Grünphase für Autofahrer, die auf der Bahnhofstraße entweder geradeaus oder links in die Robert-Koch-Straße fahren. Konsequenz: Die, die von der Robert-Koch-Straße in die Bahnhofstraße in Richtung Elisabethstraße fahren wollen, stehen vier Sekunden länger.

*  Verbesserte Koordination der Ampelanlagen ab der Neuen Kasseler Straße in Richtung Robert-Koch-Straße.

*  Wegfall der zweiten Linksabbiegerspur Richtung Ernst-Giller-Straße zugunsten einer Busspur vom Bahnhofsvorplatz. Da nun Platz für mindestens zwei Gelenkbusse sei, würden Staus verkürzt, der angestaute Verkehr zügiger abfließen und Verspätungen im ÖPNV verringert. Diese Änderung ist als Versuch konzipiert.

*  Eine Aufstellfläche für Rechtsabbieger wird in die Rosenstraße gebaut und das Hinweisschild vor der Augenklinik ins Zentrum vergrößert.

*  Als Querungshilfen werden mehrere Verkehrsinseln gebaut.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) zieht indes eine positive Zwischenbilanz. „Die Verkehrsreform zeigt deutliche Verbesserungen. Für Fußgänger und Radfahrer, auch bezogen auf die allgemeinen Verkehrsströme in die Elisabethstraße sowie den Pilgrimstein. Das ist Qualität für die Bürger, das ist der richtige Weg“, sagt er. Auch die Robert-Koch-Straße werde mittlerweile „wesentlich häufiger befahren“ als am Anfang.

OP-Abbieger-Zählung: Behörden bestätigen Zahlen

Demgegenüber bestätigt Bauamtsleiter Jürgen Rausch die in einer OP-Reportage kürzlich ermittelten Linksabbieger-Zahlen: Rund zehn Prozent aller auf der Bahnhofstraße fahrenden Autos wählen den Weg über Robert-Koch- und Bunsen-
 straße ins Zentrum. „Es sind weniger als prognostiziert“, sagt Rausch.

Angestrebt seien 40 Prozent (4400 der rund 11.000 Fahrzeuge, die pro Tag durch die Elisabethstraße fahren). Jedoch benötige man für eine Auswertung Daten aus mindestens einem Jahr, so lange dauere es erfahrungsgemäß auch, bis Autofahrer eine „jahrzehntelange Gewohnheit umstellen“.

Die Straßenverkehrsbehörde testete Mitte Oktober nach eigenen Angaben die Staulängen und die Fahrtdauer aus mehreren Himmelsrichtungen. Ergebnis: In Spitzenzeiten – zum Berufsverkehr gegen 8 Uhr – staue es sich sowohl bis tief in die Stadtautobahn-Ausfahrt als auch bis zur Videothek in der Neuen Kasseler Straße.

„Zu der Zeit ist überall und seit jeher Stau in der Stadt. Es gibt auch Unterschiede zwischen tatsächlicher und gefühlter Zeit, die mit dem Auto gestanden wird“, sagt Harald Schröder, Behörden-Chef. So dauere es von der B-3-Abfahrt bis zur Kreuzung Robert-Koch-Straße „maximal sechs, im Regelfall zwei bis vier Minuten“.

Dass es zu Problemen speziell an der Einmündung Stadtautobahn/Ernst-Giller-Straße komme, sei den Planern seit einer Simulation des Projekts vor mehr als zwei Jahren klar gewesen, ergänzt Vaupel. Jedoch: „Staus hat es auch vor der Neuregelung gegeben.“ Das größte Problem sei, dass „viele Autofahrer grundsätzliche Verkehrsregeln wie Reißverschlussverfahren oder Nicht-Einbiegen in Stau-Straßen nicht beherrschen“.

„Alles wird ideologisch
 gegen Autofahrer geregelt“

In der Kommunalpolitik wird das bisweilen anders eingeschätzt: „Die Situation hat sich nicht verbessert, die Probleme müssen endlich gelöst werden“, sagt Hanke Bokelmann (FDP).„Die Probleme werden nur verlagert, von der Elisabeth- in die Bahnhofstraße, perspektivisch auch in die Biegenstraße und auf den Rudolphsplatz. Eben weil die Dinge, der Verkehr aus allen Richtungen zusammenwirkt“, sagt Joachim Brunnet (CDU). Staus „dieser Intensität, Regelmäßigkeit und Dauer“ habe es mit der alten Regelung nicht gegeben. „Es wird in Marburg alles nur noch planmäßig ideologisch gegen Autofahrer geregelt, sie gegen Radfahrer und Fußgänger ausgespielt“, sagt Brunnet.

„Die Leute stehen drei Minuten länger vor einer Ampel, mehr nicht. Das ist kein Stau, das ist kein Problem“, entgegnet Henning Köster (Linke). „Die Innenstadt zu umfahren, die Stadtautobahn zu nutzen, das ist doch gerade das Ziel des Ganzen“, sagt Dominic Dehmel (SPD).

Dr. Michael Weber (Piraten) schlägt unterdessen als Kompromiss die Wiederherstellung einer zweiten Rechts-Abbiegespur vor, indem die Kurzzeit-Parkplätze vor Apotheke und Geschäft „Steigbügel“ gestrichen werden. „Dinge lassen sich kombinieren.“ Vaupel bestätigt, dass die Idee bereits geprüft werde, sie aber wohl keine Chance auf Umsetzung habe. „Es ist schwierig, die zwei Spuren stadteinwärts zu erhalten. Es muss im Sinne der Erreichbarkeit auch weiter, auch an dieser Stelle Kurzzeitparken geben.“

CDU, FDP und MBL scheiterten im Fachausschuss mit ihrer Forderung nach einem Ende des Verkehrsversuchs an der Mehrheit im Gremium.

von Björn Wisker

 
OP-Zählung
Eine OP-Verkehrszählung an mehreren Oktobertagen (morgens und abends) ergab, dass von 4527 Autos, die in dem Zeitraum auf der Bahnhofstraße fuhren, 489 Fahrzeuge (10 %) links in die Robert-Koch-Straße abbogen.
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr