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Nordstadt-Verkehr behindert Pflegedienstarbeit

Stau-Gefahr Nordstadt-Verkehr behindert Pflegedienstarbeit

Verspätungen zum Nachteil der Kunden, Stress bei Angestellten, steigende Kosten: Viele ambulante Pflegedienste in Marburg klagen über die Auswirkungen der Verkehrsreform in der Nordstadt. 

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Vor allem morgens und nachmittags staut sich der Verkehr in der Bahnhofstraße.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. „Probleme an allen Ecken und Enden gibt es seit der Änderung“, sagt Ekkehard Preis, Pflegedienstleiter des Unternehmens Laibach. Nicht nur, dass seine Mitarbeiter „gehetzt und gestresst „seien, weil sie aufgrund der vielen Rückstaus immer mit Verspätungen zu rechnen haben. „Auch die Versorgungszeiten können nicht eingehalten werden“, erklärt er. „Unsere Patienten waren jahrelang gewohnt, dass wir pünktlich kommen.“ Besonders kritisch seien die Verspätungen, wenn es um Medikamente und Spritzen gehe, die zu einer bestimmten Zeit gegeben werden müssen. „Wenn es da zu Verzögerungen kommt, ist das schlecht“, sagt Preis.

Im Prinzip hätten die Umstände Auswirkungen auf den gesamten Arbeitstag. „Die Mitarbeiter versuchen natürlich, die Verspätungen irgendwie zu kompensieren.“ Die Folge: Umwege und Strafzettel für zu schnelles Fahren. Und die Konsequenzen?

„Viel können wir nicht machen. Wir rufen natürlich bei den Patienten an und entschuldigen uns.“

Viel an den Verspätungen ändern können auch die Mitarbeiter der Johanniter nicht. „Wir gucken halt, wie wir die Touren optimieren können“, sagt Jessica Richter, stellvertretende Pflegedienstleiterin. Aber trotzdem: „Manchmal rechnen wir zwölf Minuten Fahrt ein und brauchen 25 Minuten.“ Bei der Versorgung von älteren Menschen seien solche Verspätungen „eigentlich ein No-Go“. Teilweise seien die Kunden „eben sehr festgefahren auf bestimmte Zeiten. Natürlich entsteht dann Unzufriedenheit.“ Und auch für die Mitarbeiter bedeute die Verkehrssituation in der Nordstadt „Stress und erhöhten Zeitdruck“.

FDP-Politiker: „Missratener Verkehrsversuch“

Probleme schildert auch Daniela Petri, stellvertretende Pflegedienstleiterin beim Pflegeteam Conny Ridder. „Diese Verspätungen gehen natürlich auf Kosten des Betriebs“, sagt sie. Privat fahre sie schon lange nicht mehr durch den Bereich rund um den Hauptbahnhof. „Aber beruflich lässt sich das eben nicht vermeiden.“

Vor allem morgens, wenn viele Eltern ihre Kinder einzeln in die Schule fahren würden, sei die Situation „ein Albtraum“. Und: „Teilweise braucht man doppelt so lange wie vorher.“ Aber nicht nur für den Betrieb bedeute das erhöhte Kosten. Auch die Mitarbeiter müssten dadurch länger arbeiten und später Feierabend machen. „Wir versuchen, die Touren daher so zu planen, dass wir nicht mehr durch den kritischen Bereich fahren müssen. Aber das ist schwierig.“

Beim kommunalen Altenhilfe-Dienst Sankt Jakob schätzt man die Probleme gering ein: „Unsere Pflegerinnen und Pfleger brauchen zwar im Schnitt fünf bis zehn Minuten länger wegen der Rückstaus, aber die Patienten reagieren sehr verständnisvoll, verärgert ist deswegen niemand“, sagt eine Altenpflegerin, die anonym bleiben will, auf OP-Anfrage. Es sei aber „nervig, im Stau zu stehen“. Es gebe jedoch intern sowieso eine Karenzzeit, die Pfleger seien also nie pünktlich auf die Minute zu einer bestimmten Zeit bei den Patienten. Von daher habe die Verkehrsreform auch keine Auswirkungen auf den Arbeitsalltag.

Kommunalpolitiker vor allem von CDU und FDP forderten zuletzt, die Verkehrsreform rückgängig zu machen. Diese sei „missraten“, wie der FDP-Stadtverordnete Hanke Bokelmann sagt. Er hofft, dass Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD)  „recht bald zur Einsicht gelangt“ und den sogenannten Verkehrsversuch „rasch stoppt“. Das zu tun, dafür sieht Spies aber „im Moment keinen Anlass“, wie er in einem OP-Interview sagte.

von Björn Wisker
und Suria Reiche

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