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Nordstadt: SPD will nichts ändern

Verkehrspolitik Nordstadt: SPD will nichts ändern

Die Verkehrsreform in der Nordstadt sorgt offenbar für kontroverse Diskussionen in der SPD. Die Mehrheit von Partei und Fraktion will an der Regelung festhalten – vorerst. Aber der Unmut unter Sozialdemokraten wächst.

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Stau am Nachmittag: Die Nordstadt-Verkehrsreform wählten die OP-Leser auf Rang zwei zum „Thema des Jahres 2015“.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sieht vorerst keinen Anlass, den Verkehrsversuch in der Nordstadt abzubrechen.

Verkehrsversuche seien in der Regel auf ein Jahr angelegt; zudem seien Verbesserungen wie die Synchronisierung der Ampelschaltungen noch gar nicht umgesetzt, sagte Spies am Mittwochabend der OP. Stadtwerke-Chef Norbert Schüren hatte am Dienstag Spekulationen über ein vorzeitiges 
Ende des Verkehrsversuchs angeheizt.

Die SPD folgt Spies in seiner Haltung. „Wir wollen den Verkehrsversuch erst mal zu 
Ende führen“, sagt Monika Biebusch, SPD-Parteichefin. Auch Fraktionsvorsitzender Steffen Rink plädiert für eine Fortsetzung. „Man muss sich klar darüber sein, dass ein Abbruch bedeuten würde, dass alle Pläne zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Elisabeth
straße und rund um die Elisabethstraße dann gestorben sind“, sagte Rink.

Nach OP-Informationen zeichnet sich in der Fraktion jedoch ein Trend ab, wonach ein Aus der Nordstadt-Verkehrsreform jedenfalls nicht auf 
erbitterten Widerstand treffen würde. Man ziehe nicht zurück, aber man wolle auch „nichts mehr draufsatteln“, sagte ein SPD-Parlamentarier. Sollte der Oberbürgermeister als zuständiger Dezernent jedoch den Verkehrsversuch irgendwann beenden wollen, würde die Partei das wohl mittragen, mutmaßt ein anderes Fraktionsmitglied.

Rink: Nur ein Anlauf, den Versuch zu beenden

Derweil fordert die CDU in einem Antrag an das Stadtparlament eine umfangreiche Veränderung der geltenden Verkehrsreform. Eine zweite Stadteinwärts-Spur solle es wieder geben, um den Stau zu Stoßzeiten morgens und nachmittags zu bekämpfen. „Es entwickelt sich nicht so, wie von Rot-Grün geplant – das war vorhersehbar“, heißt es in einem Antrag, der kommende Woche zunächst im Verkehrsausschuss beraten 
werden soll.

Rink weist den Vorschlag zurück: „Das ist nur ein verballhornter neuer Anlauf, den Verkehrsversuch doch zu beenden.“ Eine zweite Spur stadteinwärts sei wegen der Straßenbreite nur dann möglich, wenn aus der Robert-Koch-Straße keine rechtsabbiegenden Busse auf die Bahnhofstraße treffen. Anders formuliert: Zwei Spuren stadteinwärts sind nur dann möglich, wenn die Einbahnstraßenregelung in der 
Robert-Koch-Straße aufgehoben wird – und damit der Kern des Verkehrsversuchs.

Für den Programm-Parteitag der SPD (diesen Donnerstag, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Bauerbach) ist im Übrigen keine Debatte rund um das Thema Nordstadt geplant, auch im Kommunalwahlprogramm, das die Partei verabschieden will, findet sich zur Problematik keine Aussage. Ob es von der Parteibasis noch Anträge zu dem Thema geben wird, blieb bis Mittwochabend offen.

Die OP lädt alle Interessierten diesen Donnerstag um 
16.30 Uhr zu einer Diskussionsrunde mit Politikern aller Marburger Parteien in die Bahnhofstraße (vor dem Mammografiezentrum) ein. Dauer: circa eine Stunde. Ihnen, liebe Leser, soll die Möglichkeit gegeben werden, Fragen zu stellen, Kritik und Lob zu äußern.

von Till Conrad 
und Björn Wisker

 
OP-Umfrage: Nervt Sie der Verkehr im Nordviertel?

Ulrich Lehmann, 50 Jahre, aus Marburg:

„Es funktioniert so einfach nicht, weil die meisten sowieso geradeaus fahren, und erschwerend kommt hinzu, dass jetzt die Ampelschaltungen so knapp sind – das wird für die Fußgänger, die über die Robert-Koch-Straße müssen, schon sehr sehr knapp.“

Stephan Plaitner, 41 Jahre, aus Marburg:

„Ich selbst freue mich zwar jetzt, weil ich einfacher in der Lahnstraße parken kann, die Entlastung der Elisabethstraße sehe ich aber nicht, dafür biegen viel zu wenige Autofahrer links ab. Natürlich müssen sich die Leute auch dran gewöhnen.“

Sabrina Gries, 20 Jahre, aus Marburg:

„Erst mal finde ich weniger Einbahnstraßen grundsätzlich immer besser, es lässt sich jetzt hier auch flotter fahren. Aber die Verantwortlichen in der Stadt sollten die neue Verkehrsführung genauer ausschildern – so wie jetzt kapieren das viele gar nicht.“

 

Rainer Landau, 58 Jahre, aus Cölbe:

„Für uns Fahrradfahrer ist die neue Verkehrsregelung im Nordviertel schon gut, weil wir so schneller in die Innenstadt kommen. Aber die Radwege sind von den Verantworlichen nicht konsequent genug angelegt worden.“

 

Gabriele Lauer, 53 Jahre, aus Ebsdorfergrund:

„Ich stehe jetzt regelmäßig ewig an der Ampel, weil eine Spur fehlt. Die Linksabbiegerspur wird nicht angenommen, weil die meisten nach Wehrda oder zu den Behringwerken fahren, deswegen wird auch die Elisabethstraße nicht entlastet.“

Umfrage/Fotos: Marcus Hergenhan

 
 
 
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