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Nordstadt: Leere auf Robert-Koch-Straße

Verkehrszählung Nordstadt: Leere auf Robert-Koch-Straße

Die Linksabbiege-Möglichkeit von der Bahnhof- in die Robert-Koch-Straße wird kaum genutzt. Etwa jeder zehnte Autofahrer fährt die Abkürzung in die Innenstadt. Das hat eine Verkehrszählung der OP in der vergangenen Woche ergeben.

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Drei Testtage vergangene Woche im Pendlerverkehr sind die Grundlage der OP-Abbiege-Stichprobe an der Kreuzung Bahnhofstraße / Robert-Koch-Straße in der Nordstadt.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung fuhren bis zur Aufhebung der Einbahnstraßen-Regelung in der Robert-Koch- und Bunsenstraße täglich etwa 11 000 Autos durch die Elisabethstraße. Das Ziel der Stadt sei es, diese Summe mit der Verkehrsreform in der Nordstadt „um 30 Prozent“ zu reduzieren, wie die Stadtverwaltung auf OP-Anfrage mitteilt. Insgesamt werde der „stadteinwärts gerichtete Verkehr perspektivisch um 30 bis 50 Prozent über die Robert-Koch-Straße abgewickelt.“ Demnach sollen pro Tag mindestens 3700 Autos als Linksabbieger von der Bahnhofstraße die Route durch die Robert-Koch- anstatt durch die Elisabethstraße wählen. Diese Ziele drohen verfehlt zu werden.

Die Ergebnisse der OP-Stichprobe:

Mittwochmorgen

  • 7 bis 7.30 Uhr: 30 von 320
  • 7.30 bis 8 Uhr: 40 von 344
  • 8 bis 8.30 Uhr: 29 von 283
  • Insgesamt fuhren in dem Zeitraum auf der Bahnhofstraße 947 Autos, davon bogen 99 links in die Robert-Koch-Straße ein. Das sind 10,5 Prozent aller in dem Zeitraum auf der Strecke fahrenden Autos.
  • Maximale Staulänge: Bis an das Ende der Elisabethbrücke.

Mittwochnachmittag

  • 16 bis 16.30 Uhr: 25 von 266
  • 16.30 bis 17 Uhr: 27 von 277
  • 17 bis 17.30 Uhr: 28 von 295
  • 17.30 bis 18 Uhr: 23 von 261
  • In den zwei Stunden bogen 103 von 1099 Autofahrern in Richtung Zentrum ab. Das sind 9,5 Prozent aller in dem Zeitraum auf der Strecke fahrenden Autos.
  • Maximale Staulänge: bis wenige Meter hinter das Congresszentrum.

Donnerstagmorgen

  • 7 bis 7.30 Uhr: 38 von 345
  • 7.30 bis 8 Uhr: 39 von 366
  • 8 bis 8.30 Uhr: 32 von 281
  • In dieser Berufsverkehrs-Zeit entschieden sich 109 von 992 Autofahrern für die Einfahrt in die Ex-Einbahnstraße. Das sind elf Prozent aller zu dieser Zeit auf der Bahnhofstraße fahrenden Fahrzeuge.
  • Maximale Staulänge: bis auf die Stadtautobahn-Abfahrt, Höhe Zollamt.

Donnerstagnachmittag

  • 16 bis 16.30 Uhr: 29 von 273
  • 16.30 bis 17 Uhr: 37 von 282
  • 17 bis 17.30 Uhr: 35 von 285
  • 17.30 bis 18 Uhr: 27 von 246
  • In dieser Zeit fuhren 128 von 1086 Autofahrern links ab in Richtung Innenstadt. Das sind 12 Prozent in dem Zeitraum auf der Strecke fahrenden Autos.
  • Maximaler Rückstau: bis Einmündung Stadtautobahnausfahrt / Elisabethbrücke.

Freitagmittag

  • 12 bis 14 Uhr: 50 von 403
  • Das sind 13 Prozent.
  • Maximale Staulänge: bis weit in die Stadtautobahnausfahrt hinein und bis hinter das Zollamt in der Ernst-Giller-Straße.

„Man spart den Schlenker, das bringt schon etwas“

Gesamtauswertung

489 von 4527 Fahrzeugen - rund 10,5 Prozent - bogen im Beobachtungs- und Zähl-Zeitrum links ab und nutzten die neue Route.

Morgens bog rund ein Viertel aller Fahrzeuge noch vor der Bunsenbrücke ab, in Richtung Behördenzentrum, Universitäts-Gebäude oder Bettenhaus und fuhr vorerst nicht weiter in die Innenstadt.

Einschätzung einiger Verkehrsteilnehmer sowie Anwohner: „Das sind gefühlt 150 Autos, die am ganzen Tag durch die Bunsenstraße fahren“, sagt Frank Wilser, Uferstraßen-Anwohner.

„Man spart sich den Schlenker außen herum und den oft verstopften Pilgrimstein, das bringt schon etwas“, sagt Thomas Ruppel.

„Die Ampeln bremsen einen bei der Bunsen- und Deutschhausstraße genauso aus wie beim Fahren durch die Elisabethstraße, das nimmt sich nicht viel“, sagt Kevin Schwarz.

„Wenn man erst minutenlang im Rückstau bis zur Stadtautobahn steht, bringt es mir auch nichts, ab der Robert-Koch-Straße vielleicht schneller ins Zentrum zu kommen. Insgesamt brauche ich viel länger als vorher“, sagt Beate Brehm.

„Mich stört es nicht so sehr, ein paar Minuten länger zu brauchen, sondern dass von den Verantwortlichen einfach behauptet wird, dass die Regelungsänderung eine Verbesserung wäre. Das stimmt nämlich einfach nicht“, sagt Elisabeth Becker. Jene, die ins Zentrum gelangen wollen, würden von Norden kommend sowieso bis zur Ausfahrt Marburg-Mitte fahren

Einschätzung der Stadt nach rund sechs Wochen: „Es gibt viele Phasen, in denen der Verkehr gut und ohne gravierende Rückstaus funktioniert“, sagt eine Sprecherin der Stadt auf OP-Anfrage.

In Spitzenzeiten habe es auch mit der alten Regelung Staus gegeben.

Für Radfahrer und Fußgänger habe sich die Situation „deutlich verbessert“, Autofahrer sollen ab Anfang November „etwas mehr Grünphase“ an der Ampel bekommen.

Erst im Sommer 2016, nicht wie zunächst angekündigt im Oktober, könne eine Einschätzung über die Neuregelung vorgenommen werden. „Eine grundlegende Änderung der Verkehrsführung und Wiederherstellung der früheren Situation ist bis auf weiteres nicht geplant.“

Hintergrund: In den vergangenen Wochen forderten unter anderem die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie Oppositionsparteien im Stadtparlament eine Rückkehr zu der alten Verkehrsregelung.

Stichprobe: Der im Vorfeld von der Redaktion gewählte Zählungs-Zeitraum sollte einen Eindruck des Verkehrsflusses an drei Wochentagen zu den Hauptverkehrszeiten im Berufsverkehr (Mittwoch- und Donnerstagmorgen sowie nachmittags plus Freitagmittag) liefern. Busse wurden nicht mitgezählt.

Es handelt sich um eine Stichprobe, keine repräsentative Erhebung.

von Björn Wisker

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