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Nordstadt: "Ein Zurück wird es nicht geben"

Verkehrsreform Nordstadt: "Ein Zurück wird es nicht geben"

Die Verkehrsreform in der Nordstadt bleibt bis mindestens 2018 bestehen.Eine Rückkehr zur Alt-­Regelung in Bahnhof- und Robert-Koch-Straße ­erteilt der Magistrat eine ­endgültige Absage.

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In der Bahnhofstraße steht die nächste Anpassung bevor, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der OB kündigt unterdessen an, bei der Philipps-Universität abermals für den Bau einer Fahrspur vor der ­Augenklinik in der Robert-Koch-Straße zu werben. Die Hochschule lehnte einen solchen Schritt zuletzt mit dem Verweis auf die Beeinträchtigung sensibler Messgeräte im Gebäude ab (OP berichtete)

 „Vielleicht ist ja eine Verlegung dieser Geräte im Gebäude möglich“, sagt er während des Verkehrsausschusses. Alternativ dazu werde es Messungen geben, ob ein zweireihiges Aufstellen der Autos in dem Teil der Bahnhofstraße möglich ist - im Sinne des Modells der Rechtsabbiege-regelung Am Grün/Universitätsstraße.

„Auch dort gibt es keine zwei Fahrspuren, aber es passen zwei Autos nebeneinander. Wir wollen allen Platz ausschöpfen, den es noch gibt “, sagt Spies. „Schon die bisherigen Optimierungen funktionieren ja ganz gut“, sagt er und verweist auf die Busspur-Einrichtung und Ampelmodifikationen in den vergangenen Monaten.

Eine Auswertung des Verkehrsversuchs, die einst nach sechs, dann nach zwölf Monaten angekündigt war, wird es indes bis auf Weiteres nicht geben.

Nach Auffassung des OB müsse der Campus Firmanei, die Universitätsbibliothek am Pilgrimstein erst eröffnet sein, bevor ein Urteil über die Prognosen (unter anderem: mindestens 25 Prozent weniger Auto-Verkehr in der Elisabethstraße, aktuell sind es rund zehn Prozent) möglich sei. Es sei „völlig abwegig“, den laufenden Versuch vor Ende des Sommersemesters 2018 abzubrechen, „nur um dann zu sehen, dass man der faktisch bevorstehenden Erhöhung des Radverkehr- und Fußgängeraufkommens nicht mehr Herr wird“.

„Ein Zurück wird es nicht mehr geben“

Man sei es in Marburg „eben gewohnt, schnell durch die Stadt zu kommen. Verzögerungen fühlen sich anders an als in anderen Städten, wo niemand über solche Zustände klagen würde.“ Derzeit werde „aus Gewohnheit“ an der Kreuzung noch geradeaus gefahren, „weil es eben noch geht.“ Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sieht das ähnlich: „Die naheliegendsten Wege werden gefahren - so lange bis der Schmerzdruck zu hoch ist.“ Spätestens mit der 2018 angedachten Umgestaltung der Elisabethstraße samt Hindernisaufbauten werde sich das ändern, „ein Zurück wird es nicht mehr geben“, sagt Spies. Wenn die aktuelle Verkehrsreform dauerhaft nicht funktioniere, „werden wir uns etwas anderes überlegen“, ergänzt Kahle. Der Fokus auf Radfahrer ist laut Spies politisch gewollt, „sie nehmen in der engen Stadt weniger Platz weg und das Fahren mit ihnen ist gesünder“.

Die SPD-Fraktion unterstützt das Magistrats-Vorgehen: Man müsse „wenigstens ein paar ­Semester abwarten“ (Dr. Fabio­ Longo) und dafür werben, „dass die Ausdehnung der Uni in der Stadt auch in den Köpfen der Menschen ankommt“. Hans-Werner Seitz (Grüne) wirbt ebenfalls dafür „den Weg nicht zu verlassen, Bestehendes zu verbessern“. Steffen Rink (SPD) verweist indes auf den Imageschaden, der durch die fortwährende Debatte für die Nordstadt entsteht - worunter die ansässigen Geschäfte litten.

Kürzlich beklagten sich tatsächlich mehrere Unternehmer - allerdings über die Auswirkungen der Verkehrsregelung samt Kundenbeschwerden, nicht über die kontroverse Debatte über die Regelung. „Die Reform funktioniert nicht, und das weiß auch jeder Marburger. Es müssen endlich Taten, eine Rückabwicklung folgen“, fordert Hanke Bokelmann, FDP-Stadtverordneter. Die Befürchtung der Kritiker bewahrheite sich, dass die Verkehrsregelung von Beginn an „nicht als Versuch, sondern als Schaffung von Fakten gedacht war“. CDU-Mann Jens Seipp: „Man ist nicht da, wo man hin wollte. Änderungsbedarf ist vorhanden, aber keine Rückkehr zur Alt-Regelung.“

Die Linke sieht die Schuld für die Staus und Stagnation in der Nordstadt bei den Autofahrern aus der Universitätsstadt und dem Landkreis. „Auswärtige nehmen die Abbiege-Möglichkeit wahr, nur nicht die mit Marburger Kennzeichen“, sagt Jonathan Schwarz.

von Björn Wisker

Kommentar: Züge von „Basta“

Weiter so. Warten. Reparieren. Das war Vergangenheit, ist Gegenwart und wird Zukunft der Nordstadt-Verkehrsregelung. Unabhängig davon, ob sich manche Prognose mit Eröffnung des Campus Firmanei erfüllt, ist der politische Schaden angesichts der anhaltenden Probleme und Kritik groß. Denn dem Fehlereingeständnis, das nach einer ­offenbar unbedingt zu vermeidenden „Versuchs“-Auswertung offiziell würde, werden Züge einer „Basta-Politik“ entgegengesetzt: Gewöhnt euch halt daran, fahrt lieber Rad, ein Zurück gibt es nicht – und anderswo ist‘s eh viel schlimmer. Das wird beteiligte Bürger weniger beschwichtigen als ein großer (Ver-)Wurf.

von Björn Wisker

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